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Innogy-Börsengang : Ist die RWE-Tochter an der Börse doppelt so viel Wert wie RWE?

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Ausgeraucht: RWE setzt mit seiner Tochtergesellschaft Innogy vor allem auf Ökostrom. Bild: Reuters

Am kommenden Freitag die Ökostrom-Tochtergesellschaft von RWE an der Börse notiert sein. Nach dem bisherigen Interesse könnte ihr Wert überraschend groß sein.

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          Der von der Energiewende gebeutelte Versorger RWE geht mit dem Börsengang seiner Ökostromtochter Innogy in die Offensive. Der hochverschuldete Konzern könnte bei dem Gang aufs Parkett bis zu fünf Milliarden Euro einsammeln. Dies wäre die größte Emission seit dem Jahr 2000, als die Deutsche Post und der Chipkonzern Infineon gelistet wurden.

          Die Aktien der Tochtergesellschaft, die zu einem Preis zwischen 32 und 36 Euro angeboten werden, stießen auf großes Interesse: Bereits am ersten Tag der Zeichnungsfrist lagen nach Angaben der begleitenden Banken Kaufaufträge für das gesamte Emissionsvolumen einschließlich der Aufstockungs-Option vor. Am Freitag kommender Woche werden die Papiere an der Frankfurter Börse erstmals gehandelt.

          Locken mit Dividende

          RWE-Chef Peter Terium, künftig Boss von Innogy, will mit dem Schritt Handlungsspielraum zurückgewinnen. Zuletzt hatten viele Anleger einen Bogen um den Konzern mit seinen Atom- und Kohlekraftwerken gemacht. Diese Kraftwerke bleiben nun wie der Energiehandel bei RWE, Innogy bündelt das zukunftsträchtige Geschäft mit Ökostrom, Vertrieb und den Strom- und Gasnetzen. Die Aufteilung soll neue Investoren locken. Auch Konkurrenz Eon will sich auf die neuen Geschäfte konzentrieren und hat die Kohle- und Gaskraftwerke mit der Tochtergesellschaft Uniper Mitte September an die Börse gebracht.

          „Investoren bevorzugen Netze und Erneuerbare Energie“, sagte der Experte der Fondsgesellschaft NN Investment Partners, Oskar Tijs. Neben Geschäften, die dank der staatlichen Regulierung stabile Einnahmen versprechen, lockt Innogy die Investoren mit einer Dividende bereits für das laufende Jahr: Sie will 70 bis 80 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Nettogewinns ausschütten. Ein Großteil wird bei der Muttergesellschaft landen, die je nach Ausnutzung der Optionen 75 bis 82 Prozent halten wird.

          „RWE wird durch die erwartete Dividendenzahlung von Innogy in die Lage versetzt, selbst für 2016 eine Dividende zu zahlen“, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Für 2015 hatte der Konzern nach Verlusten erstmals seit Jahrzehnten keine Dividende ausgeschüttet.

          Innogy wird künftig 40.000 Mitarbeiter beschäftigen, RWE 20.000. Während Terium Innogy führt, übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Rolf Martin Schmitz den Chefposten von RWE. Der Mutterkonzern kann später weitere Anteile versilbern, will aber auf Dauer die Mehrheit an Innogy behalten. Darauf ist der Konzern auch angewiesen: Die Ökostromtochtergesellschaft steht für rund 80 Prozent des operativen Gewinns. RWE drücken Schulden von 28 Milliarden Euro. Zudem kommen auf den Versorger milliardenschwere Lasten durch den Ausstieg aus der Atomenergie durch die Lasten aus dem Braunkohletagebau zu.

          RWE plant inklusive Erhöhungs- und Mehrzuteilungsoption die Ausgabe von insgesamt bis zu 139 Millionen Innogy-Aktien. Die Bücher werden am 6. Oktober geschlossen. Der Börsenwert von Innogy könnte je nach Platzierungspreis rechnerisch bei 17,8 bis 20 Milliarden Euro liegen und damit etwa doppelt so hoch wie aktuell der des Mutter-Unternehmens RWE sein.

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