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Verbraucherpreise : Inflationsrate in Deutschland verharrt bei beinahe 5 Prozent

Nicht nur Benzin, auch Lebensmittel sind im Januar weiter teurer geworden. Bild: dpa

Die Hoffnung, dass die Inflationsrate schon im Januar deutlicher zurückgeht, hat sich als trügerisch erwiesen. Vor allem Energie, aber auch viele Lebensmittel werden teurer und teurer.

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          Die Inflation in Deutschland ist im Januar leicht zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag aufgrund einer ersten Schätzung mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Schnitt 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Dezember hatte die Inflationsrate bei 5,3 Prozent gelegen. Das war der höchste Wert seit 1992 gewesen, als der Boom nach der Wiedervereinigung für hohe Teuerungsraten sorgte. Regional gab es von Bundesland zu Bundesland deutliche Unterschiede in der Teuerung.

          Viele Ökonomen hatten mit einem stärkeren Rückgang der Inflationsrate mit dem Jahreswechsel gerechnet. Darauf hatten ganze Theorien gegründet, viele hatten sich damit im vergangenen Jahr über die hohen Raten hinweg getröstet. Die Prognosen hatten im Schnitt vorgesehen, dass die Rate jetzt von 5,3 auf 4,3 Prozent sinkt. Der wichtigste Grund dafür, dass es dazu nun offenbar doch nicht kam: „Energie, Strom und Gas sind doch noch wesentlich teurer geworden“, sagte der Ökonom Holger Schmieding: „Auch bei Kraftstoffen hat die Jahresrate nur leicht nachgelassen.“

          Als wichtigstes Argument für einen erwarteten Rückgang der Inflationsrate im Januar hatte die Mehrwertsteuer gegolten. Die Steuer war im Zuge der Pandemie von Juli bis Dezember 2020 herabgesetzt worden. Das hatte zur Folge, dass in den vergangenen Monaten von Juli bis Dezember 2021 immer Preise mit der höheren Steuer mit solchen aus dem Vorjahr mit der niedrigeren Steuer verglichen worden waren. Das hatte die Inflationsraten künstlich nach oben getrieben. Dieser Effekt ist mit dem Jahreswechsel herausgefallen. Viele Ökonomen hatten deshalb schon jetzt mit dem Jahresbeginn wieder mit spürbar niedrigeren Inflationsraten gerechnet.

          Dafür hat die weitere Anhebung des CO2-Preises auf Benzin und Heizöl die Energie im neuen Jahr noch mal zusätzlich verteuert. Ohnehin rechnen viele Ökonomen damit, dass man die Klimapolitik zunehmend auch in höheren Inflationsraten sehen wird.

          Energie, Strom und Gas werden wesentlich teurer

          Unter den Ökonomen gibt es ein „#TeamTransitory“, das die hohen Inflationsraten nur für vorübergehend hält. Dieses Team kann aus den Januarzahlen jetzt noch nicht ganz viel Bestätigung herauslesen. Das „TeamPersistent“, dagegen, das meint, die Inflation sei gekommen, um zu bleiben, kann sich vielleicht darin bestätigt sehen, dass bestimmte Sondereffekte wie die Mehrwertsteuer, die aus der Inflationsmessung herausfallen, zu großen Teilen von anderen Faktoren ausgeglichen werden.

          Details dazu, was alles teurer geworden ist, verraten die Zahlen der Statistischen Landesämter, die schon genauer veröffentlicht wurden als die Zahlen auf Bundesebene. So zeigen die Zahlen aus Nordrhein-Westfalen: Heizöl verteuerte sich weiter besonders stark, der Preis stieg um 35,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, Strom wurde 17,1 Prozent teurer, Diesel 26,1 Prozent, Benzin 21 Prozent. Auch bei Gemüse (9,3 Prozent), Molkereiprodukten (6,4 Prozent) und Brot (6,1 Prozent) zogen die Preise an, genau wie bei Fleisch, Fisch und Obst.

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