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Inflationsdruck : Zweifel an Zinserhöhung in London

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Der Vizegouverneur der britischen Notenbank Ben Broadbent warnte diese Woche vor erhöhtem Inflationsdruck. Bild: Reuters

Ökonomen sind uneins, ob die britische Zentralbank trotz Omikron-Unsicherheit als erste Große an der Zinsschraube dreht. Die Märkte tendieren nun dagegen.

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          Gut eine Woche vor der Sitzung der Bank of England (BoE) wächst die Spannung unter Volkswirten und Investoren, ob die Zentralbank angesichts steigender Inflationsraten den Leitzins erhöhen wird. Zum Herbstanfang kletterte die Inflation schon auf 4,2 Prozent. Sie könnte nächstes Frühjahr „bequem über 5 Prozent“ steigen, wenn der Energiepreisdeckel im April angepasst wird, sagt Notenbank-Vizegouverneur Ben Broadbent. Besonders der angespannte Arbeitsmarkt bedeute steigenden Inflationsdruck, betonte er diese Woche in einer Rede in Leeds.

          Falls die Londoner Notenbank den Leitzins von bisher rekordtiefen 0,1 Prozent anhebt, wäre sie damit die erste große Zentralbank der Welt. Dies könnte auch die Europäische Zentralbank unter Rechtfertigungsdruck setzen. Im November waren die Märkte schon fest von einer Londoner Zinserhöhung ausgegangen und die Anleihekurse waren deutlich gefallen, doch hatten sie sich getäuscht. Notenbankchef Andrew Bailey musste sich danach erklären. Er betonte, dass die Entwicklung am Arbeitsmarkt hänge, und der sieht stark aus. Die Personalknappheit vieler Unternehmen deutet auf steigenden Löhne hin.

          Nun sind Volkswirte aber vorsichtig geworden, ob die BoE tatsächlich an der Zinsschraube dreht. Viele Ökonomen sagen, die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Omikron-Virusvariante werde die Mehrheit der Zentralbank-Komiteemitglieder am 16. Dezember davor zurückschrecken lassen, den Leitzins um 0,15 Punkte anzuheben.

          Zinsschritt kommt mit Verzögerung

          „Die Wettquoten für einen Zinsanstieg im Dezember sind erheblich gefallen, jetzt preisen die Märkte eine 40-Prozent-Wahrscheinlichkeit vor Weihnachten ein“, sagt Sanjay Raja, leitender Ökonom der Deutschen Bank in London. Er betont aber, wie stark die britische Konjunktur läuft. „Der Wirtschaftsmotor ist auf fast allen Zylindern unter Feuer.“ Die Inflation sei mehrfach stärker als erwartet gewesen, der Arbeitsmarkt sehe sehr stark aus, auch nachdem das staatliche Unterstützungsprogramm geendet hat. Auch die Stimmungsindikatoren waren zuletzt noch besser als gedacht, sie würden jedoch wohl in den nächsten Wochen nachlassen.

          Auch die Barclays Bank, die bis vor Kurzem an einen Zinsschritt glaubte, erwartet nun, dass die Bank of England nochmal abwarten wird. „Die von Omikron erzeugte Unsicherheit neigt die Waage nun zugunsten des Status Quo“, sagt Fabrice Montagne, Barclays-Chefvolkswirt für das Königreich. „Wir denken immer noch, dass die Notenbank den Zins anheben wird, aber sie wird bis Februar warten“, sagt Montagne dieser Zeitung. „Bis Mai 2022 wird der Leitzins dann nach drei Zinsschritten 0,75 Prozent erreichen, das Erdniveau bleibt aber unter 1 Prozent, anders als der Markt glaubt“, meint er.

          Die Berenberg-Bank indes setzt noch auf einen Zinsschritt vor Weihnachten. „Sofern die pandemische Lage sich in Großbritannien nicht zuspitzt, wird die Bank of England am 16. Dezember vermutlich die Zinsen erhöhen. Die jüngsten Daten zur Konjunktur und zur Inflation sprechen dafür“, sagt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding, der in London sitzt. „Omikron könnte den Ausblick ändern“, gibt er zu. „Aber anders als in Deutschland sind die Krankenhäuser und Intensivstationen in Großbritannien aktuell nicht an der Überlastungsgrenze.“

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