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Leben wird noch teurer : Inflation in Deutschland steigt auf 7,9 Prozent

Auch auf dem Wochenmarkt spürt man die Inflation. Bild: Diana Cabrera Rojas

Fleisch, Speiseöl und Benzin werden noch mal deutlich teurer. Beim Gemüse steigt der Preis nicht mehr ganz so stark. Werden die Steuersenkung auf Kraftstoff und das 9-Euro-Ticket für die Bahn im Juni etwas Entlastung bringen?

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          Die Inflation in Deutschland ist weiter gestiegen und hat im Mai 7,9 Prozent erreicht. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag nach einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 7,4 Prozent gelegen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr Details darüber, was alles teurer geworden ist, verraten die Zahlen der Statistischen Landesämter, etwa aus Nordrhein-Westfalen. „Der abermalige Anstieg der Inflationsrate ist getrieben von den wieder etwas höheren Ölpreisen im Mai, nach einer kleinen Korrektur im April – und vor allem von höheren Nahrungsmittelpreisen“, sagt der Ökonom Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg. „Putins Krieg trifft die Verbraucher noch härter als zuvor.“

          Auch Grillgut wird teurer

          So hat sich der Preisanstieg für Nahrungsmittel gegenüber dem Vorjahr von 10,2 Prozent im April auf 12,7 Prozent im Mai beschleunigt. Speisefette und -öle verteuerten sich sogar um 40,3 Prozent. Aber auch für andere Nahrungsmittel mussten die Verbraucher noch tiefer in die Tasche greifen. „Dass Fleisch- und Fleischerzeugnisse sich um 17,5 Prozent verteuern, dürfte manchem Verbraucher den Spaß an der Grillsaison verleiden“, meint Schmieding. Bei Obst und Gemüse hat sich der Preisauftrieb dagegen etwas verlangsamt. „Die gesündere Ernährung scheint sich etwas weniger zu verteuern, da wir dort weniger von Russland und der Ukraine abhängig sind als bei Getreide, Futtermitteln und Speiseölen“, meint Schmieding.

          Haushaltsenergie verteuerte sich um 40,1 Prozent, bei Kraftstoffen hat sich der Preisanstieg beschleunigt auf 40,5 Prozent nach 37,4 Prozent im April.

          Abgesehen von Nahrungsmitteln und Energie sei das Bild gemischt, sagt Schmieding. So habe sich der Preisauftrieb bei Pauschalreisen nach einer im Vergleich zum Vorjahr starken Oster-Reisesaison im Mai weitgehend normalisiert. Bei Bekleidung sei die Teuerungsrate von 3,7 auf 1,6 Prozent zurückgegangen. Dagegen zeigten sich die Lieferengpässe bei langlebigen Gebrauchsgütern mit einer Preissteigerung um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach 6,8 Prozent im April.

          Dabei gab es erhebliche Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. In mehreren Ländern hat die Inflation die Marke von acht Prozent bereits geknackt. In Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen legten die Verbraucherpreise zwischen 8,0 und 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie die Statistischen Landesämter am Montag mitteilten. In Baden-Württemberg lag die Teuerungsrate bei 7,4 Prozent.

          Wie geht es im Juni weiter?

          Für den Juni stehen in Deutschland mehrere politische Eingriffe an und es wäre zumindest möglich, dass diese die Inflation kurzfristig etwas dämpfen könnten. So soll zum 1. Juni die Energiesteuer auf Kraftstoff für drei Monate herabgesetzt werden, zudem soll es für die Bahn günstige 9-Euro-Tickets geben. „Der Tankrabatt und andere Eingriffe dürften dafür sorgen, dass die Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten nicht weiter steigt“, meint Ökonom Schmieding.

          Jörg Krämer von der Commerzbank rechnet vor: „Das 9-Euro-Ticket kostet nach Schätzungen der Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro – in gleicher Höhe dürften die privaten Haushalte entlastet werden.“ Entsprechend sollte das 9-Euro-Ticket die Inflation in den drei Monaten seiner Gültigkeit um rund einen halben Prozentpunkt senken, meint der Ökonom. „Wenn die Mineralölkonzerne die Steuersenkung bei Benzin und Diesel an die Verbraucher weitergeben, müsste die Inflation um rund 0,4 Prozentpunkte zurückgehen“, sagt er: „Alles in allem dürften das 9-Euro-Ticket sowie die Steuersenkungen bei Kraftstoffen die Inflation drei Monate lang um knapp einen Prozentpunkt senken.“

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