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Inflation : Vorsicht, die Preise steigen!

Bild: F.A.Z.-Greser&Lenz

Lebensmittel und Sprit werden immer teurer, weil der Verbrauch in den Schwellenländern stetig zunimmt. Das heizt die Inflation an und den Notenbanken sind wegen der Eurokrise die Hände gebunden. Doch Anleger können sich schützen.

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          Der Gang durch den Supermarkt kann einen im Augenblick das Grausen lehren. Mehr als vier Euro für ein Kilo Tomaten? Stolze 50 Prozent teurer als noch vor einem Jahr sind die Grundbestandteile der Bolognese (siehe Grafik). Nicht viel besser ist die Lage bei Paprika, Blumenkohl oder Gurken. Für sie zahlt der Kunde 30 bis 40 Prozent mehr. Zum Weinen ist es auch an der Tankstelle: Ein Liter Sprit kostet dieser Tage mehr als 1,50 Euro – eine Preissteigerung um elf Prozent. Da tröstet es ungemein, dass das Statistische Bundesamt mitteilt, die amtliche Inflationsrate in Deutschland habe im Januar nur bei 1,9 Prozent gelegen. Die Kunden in den Supermärkten beobachten ganz andere Preissteigerungen. Woran liegt diese krasse Diskrepanz? Warum steigt die amtliche Inflationsrate so viel moderater als die Preise im Supermarkt?

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer, der sich besonders damit befasst hat, ist Hans Wolfgang Brachinger, Professor an der Universität Fribourg in der Schweiz. „Die amtliche Inflationsrate ist vor allem deswegen noch nicht so stark gestiegen“, sagt er, „weil dort teure langfristige Anschaffungen eine große Rolle spielen.“ Aber die Preise etwa für Fernseher und Computer fallen – und gleichen im Warenkorb des Statistischen Bundesamts den Preisanstieg für Energie und Lebensmittel aus. Betrachtet man hingegen vor allem die Preise für häufig gekaufte Dinge des täglichen Lebens vom Stück Butter über Gurke, Tomate und Brot bis hin zum Sack Kartoffeln – dann liegt die Inflationsrate längst deutlich höher. Brachinger ermittelt dafür einen eigenen Index der „gefühlten“ oder „wahrgenommenen“ Inflation: Er liegt im Augenblick schon bei 5,2 Prozent.

          „Da ist noch einiges in der Inflations-Pipeline“

          So einen starken Unterschied zwischen amtlicher Statistik und gefühlter Inflation gab es schon zweimal: Im Jahr 2002, bei der Einführung des Euro-Bargelds. „Damals nannten die Menschen den Euro gern Teuro, weil viele Produkte des täglichen Lebens teurer wurden“, sagt Brachinger. Und 2007 und 2008, bis die Krise kam.

          Heute hat der Preisanstieg vor allem einen Grund: Lebensmittel und Energie werden weltweit teurer, weil der Verbrauch in Schwellenländern wie China und Indien zunimmt. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, meint: „Das ist eine dauerhafte Entwicklung, die wird so schnell nicht aufhören.“ Er prognostiziert deshalb einen weiteren Anstieg der Inflation – auch der amtlichen Rate auf bis zu vier Prozent.

          Billiger Euro verteuert Deutschlands Importe

          Aber sind derlei weltweite Umwälzungen wirklich der Grund dafür, dass hierzulande die Gurken so teuer sind? Kaufen Chinesen denn deutsche Gurken? Der Hamburger Agrarökonom Holger Thiele hat immerhin auch noch andere Ursachen ausgemacht. „Schnee und Eis haben im Dezember zu erheblichen logistischen Problemen bei der Beschaffung von frischem Gemüse geführt.“ Außerdem sei der Anbau von Gemüse in Treibhäusern sehr energieintensiv – und Strom sei teurer geworden.

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