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Devisenmarkt : Inflationssorgen belasten den Euro

Lässt sich vom schwachen Euro nicht beirren: EZB-Präsidentin Lagarde hält am expansiven Kurs fest. Bild: EPA

Die Märkte erwarten weitere Kursverluste der europäischen Währung. Dafür sprechen der Zinsvorteil des Dollar und die angespannte Corona-Lage in Europa.

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          Der Euro setzt seine Talfahrt fort: Am Dienstag lag der Wechselkurs unterhalb von 1,14 Dollar. Am Montagabend ist der Euro bis auf 1,1357 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Juli 2020 gesunken. Schon seit längerem lastet auf dem Euro das unterschiedliche Vorgehen der Notenbanken im Kampf gegen die Inflation. Anfang Juni lag der Euro-Kurs noch über 1,22 Dollar. Während die amerikanische Federal Reserve (Fed) den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik über die Drosselung ihrer Anleihekäufe angekündigt hat, ist die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin bereit, an ihrem expansiven Kurs festzuhalten.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So bekräftigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Montag ihre Sichtweise, wonach die höhere Teuerung ein vorübergehendes Phänomen sei und auf die steigenden Energiepreise sowie Angebotsengpässe zurückzuführen sei. Eine Lohn-Preis-Spirale erwartet Lagarde weiterhin nicht in Europa. Sie kann sich auf die weiterhin niedrigen Inflationserwartungen am Markt stützen, die deutlich geringer ausfallen als die Teuerungsrate von 4,1 Prozent im Euroraum im Oktober. Die Anleger erwarten gemessen am fünfjährigen Inflations-Swap Preissteigerungen von im Schnitt knapp 2 Prozent.

          Biden macht Druck

          Damit liegen sie auf Linie der EZB, die mittelfristig ein Inflationsziel von durchschnittlich 2 Prozent verfolgt. Ein ähnliches Ziel hat die Fed. In den Vereinigten Staaten liegen die Inflationserwartungen der Anleger derzeit bei 2,6 Prozent, was ebenfalls deutlich niedriger ist als die jüngste Teuerungsrate von 6,2 Prozent. Die hohe amerikanische Inflation hatte den Euro zuletzt nochmals unter Druck gesetzt, weil die Anleger nun eine Zinserhöhung der Fed im kommenden Jahr für wahrscheinlicher halten. Für zusätzlichen Handlungsbedarf sorgt der amerikanische Präsident Joe Biden, der vor wenigen Tagen der Inflationsbekämpfung höchste Priorität beimaß.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Dagegen erteilte EZB-Präsidentin Lagarde Markterwartungen eine Absage, wonach eine Zinserhöhung im zweiten Halbjahr 2022 möglich sei. Es sei unwahrscheinlich, dass 2022 die Bedingungen für eine Zinserhöhung erfüllt seien, bekräftigte sie nun vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. Zusammen mit den robusten Konjunkturzahlen aus den Vereinigten Staaten und der angespannten Corona-Lage in Europa gerät der Euro deshalb zunehmend unter Druck. .

          Höhere US-Renditen geben Dollar Rückenwind 

          Zu unterschiedlich seien aktuell die Entwicklungen diesseits und jenseits des Atlantiks und da sich das wohl erstmal nicht ändern werde, dürfte der Euro unter Abwertungsdruck bleiben, erwartet Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger. Ähnlich bewerten die Analysten der Unicredit die Aussichten für den Euro-Wechselkurs. Rückenwind erhält der Dollar auch von seinem Zinsvorteil.

          Die zehnjährige Rendite amerikanischer Staatsanleihen lag am Dienstag bei 1,606 Prozent, während die der zehnjährigen Bundesanleihe bei minus 0,234 Prozent notierte. Damit weisen sichere Dollar-Anlagen einen Zinsvorteil von 1,84 Prozent auf. Der Vorsprung ist zuletzt wieder gestiegen. Allerdings lag dieser im Frühjahr zeitweise sogar über 2 Prozent und gleichzeitig war der Euro mit gut 1,20 Dollar stärker.

          Blackrock-Stratege Martin Lück erwartet, dass die Inflationszahlen länger hoch bleiben werden als zunächst erwartet, sich aber vor allem in Europa nicht in eine Lohn-Preis-Spirale übersetzen. Für ihn ist entscheidend, dass die Zentralbanken weniger stark auf den gegenwärtigen Inflationsbuckel reagieren als in der Vergangenheit, so dass die Realzinsen extrem niedrig bleiben. „Dies trägt dazu bei, dass der Ausblick für reale Anlageformen, darunter Aktien, Gold oder Immobilien, auch bei zunehmendem Gegenwind positiv bleibt“, sagt Lück.

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