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Höchster Stand seit 29 Jahren : Inflation in Deutschland steigt im November auf 5,2 Prozent

Pünktlich vor den Weihnachtseinkäufen wird vieles teurer. Bild: dpa

Nicht nur die Energiepreise legen kräftig zu. Vieles wird vor den Weihnachtseinkäufen teurer. Nach europäischer Rechenweise erreicht die Rate sogar 6 Prozent. Die EZB meint, damit sei jetzt aber auch wirklich der Höchststand in der aktuellen Inflationswelle erreicht.

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          Die Preise in Deutschland steigen immer weiter. Wie das Statistische Bundesamt am Montag nach einer ersten Schätzung mitteilte, lag die Inflationsrate im November bei 5,2 Prozent. Das war die höchste Teuerung seit 29 Jahren. Im Oktober hatte die Rate noch bei 4,5 Prozent gelegen. Nach der europäischen Rechenweise des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index lag die Rate sogar bei 6 Prozent. 

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Verbraucher spüren den Preisanstieg im Supermarkt, an der Tankstelle und selbst morgens beim Bäcker. Noch stärker aber sind die Preise für viele Rohstoffe und Vorprodukte gestiegen.

          Die Preise sind auf breiter Front deutlich höher als vor einem Jahr, auch wenn vor allem die Energie die Teuerung treibt. Detailliertere Zahlen dazu veröffentlichten die Statistischen Landesämter. So stiegen in Rheinland-Pfalz die Preise für Mineralölprodukte wie Heizöl und Benzin um 51,9 Prozent. Nahrungsmittel verteuerten sich um 4,2 Prozent. Besonders kräftig fielen die Preissteigerungen auch bei Speisefetten und Speiseölen mit plus 11,2 Prozent aus. Margarine und Butter kosteten 14,1 beziehungsweise 11,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Obst verbilligte sich dagegen um 1,1 Prozent.

          Unter den Ländern der Eurozone befindet sich Deutschland mit dieser Inflation im oberen Mittelfeld. Im Oktober betrug die Inflationsrate beispielsweise in Litauen schon 8,2 Prozent. In Spanien stieg die Inflationsrate im November auf 5,6 Prozent, den höchsten Wert gleichfalls seit fast 30 Jahren. Die November-Inflationsrate für die Eurozone insgesamt wird am Dienstag veröffentlicht; sie dürfte etwas niedriger ausfallen als die in Deutschland.

          Die EZB-Spitze versucht zu beruhigen

          Die Europäische Zentralbank, die am 16. Dezember über ihre weitere Geldpolitik entscheiden will, war bemüht, die Menschen angesichts der hohen Teuerung etwas zu beruhigen. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte im ZDF-Morgenmagazin: „Wir gehen davon aus, dass im November der Höhepunkt der Inflationsentwicklung erreicht ist und dass die Inflation im kommenden Jahr wieder allmählich zurückgehen wird.“ Zugleich hob Schnabel hervor, dass sie „sehr gut verstehen“ könne, dass viele Menschen sich derzeit wegen der Inflation Sorgen machten. „Wir merken ja alle, dass vieles um uns herum teurer wird, beim Bäcker oder bei den Heizkosten.“

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ebenfalls bekräftigt, die Notenbank halte den aktuellen Anstieg der Inflationsraten nur für vorübergehend. „Wir erwarten, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer ist“, sagte Lagarde. „Im nächsten Jahr wird sich das beruhigen.“

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