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Schnell steigende Preise : 84 Prozent Inflation in der Türkei

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Bild: AFP

Kraftstoffe und Lebensmittel verteuerten sich im November um mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Ende der hohen Inflation ist nicht in Sicht.

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          Die Preise steigen in der Türkei auf breiter Front weiter außergewöhnlich schnell. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im November um durchschnittlich 84,39 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das türkische Statistikamt am Montag mitteilte. Im Oktober hatte die Teuerungsrate etwas mehr als 85 Prozent betragen.

          Preistreiber Nummer eins blieben die Transportkosten, zu denen Kraftstoffe wie Benzin gerechnet werden. Sie erhöhten sich um 107 Prozent. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich um mehr als 102 Prozent. Auch für Möbel und Haushaltsgeräte mussten die Verbraucher tiefer in die Taschen greifen: Sie kosteten durchschnittlich 92,83 Prozent mehr als im November 2021.

          Grund für die stark steigenden Preise sind vor allem die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine, durch den viele Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Die steigende Inflation ist aber auch eng verbunden mit der schwächelnden Lira: Die Landeswährung hat im vergangenen Jahr 44 Prozent an Wert zum Dollar verloren, in diesem Jahr bislang weitere etwa 30 Prozent.

          Ein Grund dafür ist Ökonomen zufolge die Geldpolitik der türkische Zentralbank. Diese hat ihren Leitzins im November ungeachtet der hohen Inflation erstmals seit mehr als zwei Jahren in den einstelligen Bereich gesenkt: Er wurde auf 9 von 10,5 Prozent zurückgenommen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor gefordert, das Niveau bis Jahresende in den einstelligen Bereich abzusenken. Die Zentralbank hatte vor mehr als einem Jahr mit der Lockerung ihrer Geldpolitik begonnen. Damals betrug der Zinssatz noch 19 Prozent.

          Bei Ökonomen sorgt dieser Kurs für Kopfschütteln. Die große Mehrheit der Experten empfiehlt, die starke Teuerung mit höheren Zinsen zu bekämpfen, wie das etwa die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen. Argentinien, wo die Inflationsrate ebenfalls bei mehr als 80 Prozent liegt, hat den Leitzins auf mittlerweile 75 Prozent festgesetzt.

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