https://www.faz.net/aktuell/finanzen/inflation-in-der-eurozone-steigt-auf-7-5-prozent-17926548.html

Ukrainekrieg und Benzinschock : Inflation in der Eurozone steigt auf 7,5 Prozent

Das Leben wird immer teurer. Bild: dpa

Nicht nur bei Aldi und an den Tankstellen in Deutschland spürt man den Preissprung: In ganz Europa steigt die Inflation im März deutlich. In einer Reihe von Euroländern gibt es jetzt sogar zweistellige Inflationsraten. Doch die EZB zögert.

          2 Min.

          Die Inflation steigt immer weiter. In einer ganze Reihe von Euroländern gibt es jetzt sogar zweistellige Inflationsraten, neben den baltischen Staaten mit 11,2 (Lettland) bis 15,6 Prozent (Litauen) beispielsweise auch in den Niederlanden mit 11,9 Prozent. Für die Eurozone insgesamt sind die Verbraucherpreise im März um 7,5 Prozent gestiegen, wie das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Das war die höchste Inflationsrate überhaupt, seit es den Euro gibt. Im Februar hatte die Inflation noch 5,9 Prozent betragen.

          Folgen des Ukrainekrieges – aber nicht nur

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erstmals tauchen wegen der Zeitverzögerung bei der Datenerhebung jetzt auch die Folgen des Angriffs Russlands auf die Ukraine in dem europäischen Inflationszahlen auf. Besonders stark war demnach der Anstieg der Energiepreise um 44,7 Prozent, der allerdings nicht allein auf den Krieg zurückzuführen ist. In mehreren Ländern haben die Kartellbehörden den Auftrag, zu überprüfen, inwieweit die Mineralölkonzerne zu dem starken Preisanstieg etwa beim Benzin beigetragen haben. Lebensmittel verteuerten sich um 5 Prozent, Dienstleistungen um 2,7 Prozent.

          In Deutschland lag die Inflation nach der europäischen Rechenweise im März schon bei 7,6 Prozent, nach nationaler Rechenweise bei 7,3 Prozent. Während der Preis für Heizöl nach regionalen Zahlen um mehr als 90 Prozent gestiegen ist, verteuerte sich Kraftstoff um ungefähr 50 Prozent, Brot um 7 Prozent und Speiseöl um knapp 20 Prozent.

          Der Discounter Aldi hat in Deutschland angekündigt, am Montag wegen stark gestiegener Kosten die Preise abermals erhöhen zu wollen. Butter beispielsweise soll 30 Prozent teurer werden. An den Tankstellen hingegen waren die Preise in den vergangenen Tagen wieder etwas gefallen. In zahlreichen Städten sank der Preis für Super E10 wieder unter 2 Euro je Liter. Im Bundesdurchschnitt liegt er bei 2,02 Euro, der für Diesel bei 2,11 Euro je Liter.

          EZB fährt weiter trotz allem auf Sicht

          Obwohl die Inflation in der gesamten Eurozone mittlerweile so hoch ist, hält die Europäische Zentralbank sich zurück. Gegen hohe Energiepreise kann sie zwar unmittelbar nicht viel machen; sie könnte aber dafür sorgen, dass sich die Inflation nicht verfestigt. Viele Ökonomen wie der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Volker Wieland sehen das als ernste Gefahr und fordern, die Notenbank solle trotz aller Unsicherheit über die Kriegsfolgen die Zinsen schneller anheben als geplant.

          Die Notenbank hat angekündigt, im Sommer ihre Käufe von neuen Anleihen einzustellen, wenn nichts Unvorhergesehenes passiere. „Einige Zeit später“, was auch immer das heißt, soll es dann Zinserhöhungen geben.

          EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte in einem Interview in dieser Woche noch mal erklärt, die sehr hohen Inflationsraten seien ein vorübergehendes Phänomen. Bei der aktuellen Lage handele es sich um einen Angebotsschock, sagte Lane der amerikanischen Zeitung „Politico“: „Und aus diesen Gründen würden wir immer noch behaupten, dass der größte Teil dieser Inflation abklingen wird.“

          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte argumentiert, dass Europa jetzt nicht in eine Stagflation gerate, eine Ära mit hoher Inflation und wirtschaftlicher Stagnation. Zwar gebe es Inflationstreiber wie Energie- und Nahrungsmittelkosten, sagt Lagarde in Nikosia, der Hauptstadt von Zypern . Doch sei nicht davon auszugehen, dass diese sich weiter „höher und höher“ bewegten. Der Ukrainekrieg sorge aber grundsätzlich für einen Vertrauensverlust und trübe den Konjunkturausblick: „Wir werden auf kurze Sicht mit höherer Inflation und niedrigerem Wachstum konfrontiert sein.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.