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Geldentwertung in den USA : 5 Prozent

In den USA steigen die Preise bereits kräftig: Das Foto zeigt einen Autohandel in New York. Bild: AFP

Sollte sich auch in Südeuropa der Aufschwung festigen, könnte die EZB signalisieren, ihre Anleihekäufe zu reduzieren. Denn die Inflationsrate wird im Herbst höher liegen als heute.

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          Die Inflationsrate ist im Mai in den Vereinigten Staaten mit 5 Prozent stärker gestiegen als von vielen Beobachtern erwartet. Wie in Europa fehlt es in den Vereinigten Staaten nicht an beschwichtigenden Stimmen, die vorübergehenden Sondereffekten einen starken Einfluss auf die Inflationsrate zuschreiben und davor warnen, die augenblicklichen Zahlen überzubewerten. Solche Sondereffekte wie schwankungsanfällige Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel existieren zweifellos, und auch der überaus kräftige Anstieg der Mietwagenpreise mag sich so nicht fortsetzen.

          Doch mit jedem Monat, für den die Inflationsrate einen höher als erwarteten Wert ausweist, wird sich die Frage stellen, ob nicht jene Ökonomen richtig liegen, die in einer Kombination aus einer expansiven Geldpolitik und einer expansiven Finanzpolitik ausgerechnet in einem sehr lebhaften Konjunkturaufschwung eine Ursache für eine nicht nur vorübergehende Gefährdung der Stabilität des Preisniveaus sehen. Selbst die amerikanische Notenbank, die in ihrer Geschichte mehrfach Inflationsgefahren lange Zeit unterschätzt hat, lässt mittlerweile erkennen, dass sie das Problem auf dem Schirm hat.

          In den Vereinigten Staaten entfaltet die Konjunktur eine größere Dynamik als in der Eurozone, aber auch die lange Zeit sehr vorsichtige Europäische Zentralbank sieht mittlerweile Anzeichen für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Frage, ob mit der allmählichen Überwindung der Pandemie nicht auch die Zeit naht, die im Rahmen des Pandemie-Programms beschlossenen Käufe von Anleihen zu reduzieren, wurde, wie Präsidentin Christine Lagarde mit lobenswerter Transparenz einräumte, im Zentralbankrat kontrovers diskutiert. Noch einmal setzte sich die Ratsmehrheit mit ihrer Forderung nach unverändert sehr hohen Anleihekäufen durch.

          Ob diese Mehrheit im Herbst noch steht, ist offen. Sollte sich dank einer guten Tourismussaison der Aufschwung auch in Südeuropa festigen und in den Vereinigten Staaten die Notenbank eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe anvisieren, könnte auch die EZB eine langsame Abkehr von ihrer Politik signalisieren. Denn die Inflationsrate wird im Herbst höher liegen als heute.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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