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Auch auf europäischer Ebene : Inflation im Euroraum sinkt auf 10,0 Prozent

Die Europäische Zentralbank will am 15. Dezember entscheiden, wie es mit den Zinserhöhungen weitergeht. Grundlage soll eine revidierte Inflationsprognose sein. Bild: dpa

Nicht nur in Deutschland geht die Inflation im November zurück, auch im Euroraum insgesamt. In einigen Euroländern ist die Entwicklung der Teuerung dabei besonders spektakulär. Was steckt dahinter?

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          Die Inflation im Euroraum lag im November bei 10,0 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Oktober hatte die Inflationsrate noch 10,6 Prozent betragen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie in Deutschland so machen sich auch im Euroraum insgesamt die Folgen des gesunkenen Ölpreises bemerkbar. Die Energiepreise sind zwar nach wie vor deutlich höher als vor Jahresfrist, gegenüber dem Oktober aber gab es im November einen Rückgang. In einigen Euroländern haben auch politische Eingriffe die Inflation künstlich gedrückt. Die Preise für Nahrungsmittel dagegen sind auch von Monat zu Monat weiter gestiegen.

          Die Kernrate der Inflation, das ist die Teuerung ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Lebensmittel, auf die in der Geldpolitik häufig geblickt wird, stagnierte im November gegenüber Oktober bei 5,0 Prozent.

          Unter Ökonomen gibt es derzeit eine Debatte, ob der Höhepunkt der Inflation schon überschritten ist. Dafür könnte sprechen, dass die Ölpreise in nächster Zeit nicht mehr so steigen werden wie in der zurückliegenden Phase nach der Pandemie. Allerdings ist die weitere Entwicklung der Energiepreise insgesamt sehr ungewiss. Viele Unternehmen wollen zudem höhere Preise, die ihnen selbst entstehen, in den nächsten Monaten noch an ihre Kunden weitergeben. Der wirtschaftliche Abschwung könnte es ihnen aber zunehmend schwerer machen, höhere Preise durchzusetzen.

          Starker Rückgang der Inflation in den Niederlanden

          Je nach Euroland ist die Entwicklung durchaus sehr unterschiedlich. „Die grobe Regel lautet, je östlicher das Land liegt und je höher die Abhängigkeit von russischem Gas ist, desto höher die Inflationsrate“, meinte Thomas Gitzel, Ökonom der VP Bank. 

          Einen starken Rückgang der Teuerung verzeichneten die Niederlande. Hier war die Inflation in den vergangenen Monaten allerdings auch außergewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen Euroländern gewesen. Jetzt im November ging die Inflationsrate von 16,8 auf 11,2 Prozent zurück.

          Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg, meinte, die Inflationsraten der vergangenen beiden Monate in den Niederlanden seien eher statistische Ausreißer nach oben gewesen, jetzt seien die Niederlande wieder nahe am Trend in der Eurozone. „Das hängt wohl mit den technischen Details zusammen; wann und wie genau die periodischen Energierechnungen für Haushalte im Preisindex auftauchen“, meinte Schmieding. In den Niederlanden schwanke die ausgewiesene Energiepreisinflation stark: Von einem jährlichen Preisanstieg um 60 Prozent im Juni auf 113,8 Prozent im September und 99,7 Prozent im Oktober auf 41,5 Prozent im November. „Ohne Energie ist die Rate in den Niederlanden von 7,8 Prozent im Oktober auf 7,5 Prozent im November zurückgegangen“, sagte Schmieding.

          Auch die Commerzbank führte den Einbruch der Energiepreise in der Inflationsrechnung der Niederlande auf die dortige Messmethoden zurück. „Dass die Inflation in den Niederlanden so deutlich gefallen ist, liegt an den Energiepreisen“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. „Die Statistiker erfragen in jedem Monat, wie viel ein Neukunde für Strom und Gas zahlen muss - fallen diese Preise wie im November, dann geht das vollständig in den Verbraucherpreisindex ein, obwohl die Niederländer in der Regel Verträge mit einer Laufzeit von einem Jahr oder mehr haben.“ Die niederländischen Statistiker wollten diese Verzerrung in Zukunft vermeiden. So ließen die deutschen Statistiker einen Rückgang der Neuvertragspreise nur zu einem Zwölftel durchschlagen. 

          In Frankreich, das in letzter Zeit auch wegen politischer Eingriffe immer die niedrigste Inflationsrate unter allen Eurostaaten gehabt hatte, verharrte die Inflationsrate im November bei 7,1 Prozent, wie das französische Statistikamt Insee am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten mit einem leichten Rückgang auf 7 Prozent gerechnet. Die Inflation in Spanien sank im November überraschend auf 6,6 Prozent, verglichen mit 7,3 Prozent im Oktober. Das war bereits der vierte Rückgang in Folge. Ökonomen sagen, dass unter anderem Veränderungen der Energiepreise in Spanien schneller auf die Inflation durchschlagen als etwa in Deutschland. 

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