https://www.faz.net/aktuell/finanzen/inflation-im-euroraum-im-april-liegt-bei-7-5-prozent-17992425.html

Neuer Rekord : Inflation im Euroraum im April liegt bei 7,5 Prozent

Die Preise steigen weiter, der Euro verliert an Kaufkraft. Bild: Picture Alliance

Nicht nur in Deutschland, auch im Euroraum insgesamt steigt die Inflation im April weiter. In immer mehr Euroländern sind die Inflationsraten jetzt zweistellig. In Estland sind es inzwischen sogar 19 Prozent. Droht das auch für Deutschland?

          4 Min.

          Auch im April sind die Preise im Euroraum weiter kräftig gestiegen. Wie das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte, lag die Inflationsrate im Euroraum im April bei 7,5 Prozent. Im März hatte sie 7,4 Prozent betragen, im Februar 5,9 Prozent. Inflationsraten von mehr als 7 Prozent hatte es zuvor seit Bestehen der europäischen Gemeinschaftswährung noch nicht gegeben.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit bewegt sich die Inflation im Euroraum insgesamt aktuell in einer ähnlichen Größenordnung wie in Deutschland. Dort hatte das Statistische Bundesamt am Donnerstag eine erste Schätzung von 7,4 Prozent veröffentlicht. Nach der europäischen Berechnungsweise des Harmonisierten Verbraucherpreis-Index liegt die deutsche Inflation sogar schon bei 7,8 Prozent. Es gibt aber längst auch Euroländer mit ganz anderen Inflationsraten: An der Spitze standen zuletzt die baltischen Staaten und die Niederlande mit zweistelligen Inflationsraten, jetzt ist auch die Slowakei dazugekommen: In Estland liegt die Rate jetzt bei 19 Prozent, in Litauen bei 16,6 Prozent, in Lettland bei 13,2 Prozent, in den Niederlanden bei 11,2 Prozent und in der Slowakei bei 10,9 Prozent.

          Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält es für möglich, dass Deutschland bei einem Gasembargo gegen Russland zumindest in die Nähe zweistelliger Inflationsraten geraten würde. Ein mögliches Ölembargo gegen Russland trieb am Freitag des Ölpreis.

          In Frankreich lag die Inflation lange ungewöhnlich niedrig, möglicherweise auch aufgrund einiger politischer Eingriffe vor der Wahl. Jetzt meldet Frankreich gleichwohl für April einen Anstieg von 5,1 auf 5,4 Prozent. Preisauftrieb kam laut Statistikamt Insee vor allem von steigenden Kosten für Energie, die sich im Jahresvergleich um 26,6 Prozent verteuerte. Die Preise für frische Lebensmittel legten ebenfalls überdurchschnittlich stark zu. Industriell gefertigte Güter verteuerten sich dagegen etwas weniger stark.

          Preisanstieg bei Energie lässt etwas nach

          Gegenüber dem Vorjahr sind europaweit die größten Preissteigerungen weiter bei der Energie, vor allem bei Heizöl, Benzin und Diesel zu beobachten. Allerdings sind diese Preise im Vergleich zum März dieses Jahres zum Teil gefallen. Vor allem der Ölpreis hatte wieder etwas nachgegeben, das wirkte sich auf viele andere Preise aus. Kurzfristig sind jetzt unter anderem Nahrungsmittel spürbar teurer geworden, aber auch Reisen.

          „Wenig überraschend hat sich Energie im Vorjahresvergleich abermals kräftig verteuert, auch wenn der Preisanstieg etwas nachgelassen hat“, kommentierte DZ Bank-Analyst Christoph Swonke die jüngsten Entwicklungen der Preise. „Eine immer größere Rolle bei der Inflation nehmen Nahrungsmittel sowie Güter und Dienstleistungen ein, insbesondere bei den Lebensmitteln zeigt sich die unmittelbare Auswirkung des Ukrainekriegs.“ Es gebe vermehrt Lieferengpässe und die Erwartung, dass die Ernten vor allem in der Ukraine in diesem Jahr viel geringer ausfallen als sonst. Das stresse die Nahrungsmittelmärkte. Angesichts der weltweiten Lieferkettenproblematik und der Diskussion um die Energiesicherheit aufgrund des unklaren Fortgangs des Ukraine-Kriegs werde die Teuerung auch in den kommenden Monaten auf hohem Niveau bleiben: „Eine Entspannung ist nicht in Sicht.“

          Ist bald die Inflationsspitze erreicht?

          Eine spannende Frage ist dabei: Ist bald die Inflationsspitze erreicht? Von Reuters befragte Ökonomen hatten  schon für April mit einem Verharren der Rate beim März-Wert gerechnet, sich aber offenbar geirrt. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz, meint, die Inflation befinde sich nun auf einem „Gipfelplateau“. Skeptischer ist Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Abhängig von den Energiepreisen könnte die Inflation in den Sommermonaten durchaus etwas weiter steigen.“ Es sei noch „sehr viel Inflationsdruck“ in der Pipeline: „Über allem hängt natürlich das Damoklesschwert eines Energieembargos gegen Russland – dann könnte  die Inflation  auf mehr als 10 Prozent  steigen.“

          Weitere Themen

          Amerikas Inflation ist anders

          EZB-Präsidentin : Amerikas Inflation ist anders

          EZB-Präsidentin Lagarde spricht über Geldpolitik diesseits und jenseits des Großen Teichs. Die Inflation sei zwar ein globales Phänomen – aber es gebe erhebliche Unterschiede in Höhe und Ursachen.

          Topmeldungen

          Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj sitzt seit 2021 nach einem Schauprozess im Gefängnis. Das Bild zeigt ihn während eines Gerichtstermins, zu dem er per Videolink aus einer Strafkolonie zugeschaltet war.

          Krieg in der Ukraine : Wie Putin besiegt werden kann

          Nur der Übergang zur parlamentarischen Demokratie kann verhindern, dass das Russland nach Putin ein putinistisches Russland wird. Ein Gastbeitrag von Alexej Nawalnyj.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.