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Sparquote fällt deutlich : Die Deutschen sparen weniger

Die Deutschen legen weniger Geld zurück als im Vorjahr und 2020. Bild: ullstein bild - photothek

Urlaub, Shoppen, Essen gehen: Nach der Coronazeit werden die Möglichkeiten zum Geldausgeben wieder vielfältiger. Zudem sorgt die Inflation dafür, dass alles teurer wird. Kein Wunder, dass die Deutschen weniger zurücklegen.

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          Die deutlich gestiegenen Ausgaben für Nahrungsmittel, Kraftstoff und Heizen sind ein Grund, warum gerade einkommensschwächere Haushalte in diesem Jahr kaum Geld zurücklegen können. Aber auch einkommensstärkere Haushalte sparen seit dem Auslaufen der Corona-Beschränkungen weniger. Die DZ Bank kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, die private Sparquote in Deutschland dürfte daher von 15 Prozent im vorigen Jahr auf 10 Prozent in diesem Jahr fallen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den höchsten Stand seit Beginn der Berechnung hatte die private Sparquote im vorletzten Jahr mit 16,1 Prozent erreicht. Die Quote berechnet sich als Anteil des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte, der nicht konsumiert, sondern gespart wird. Die DZ Bank sieht im Rückgang unter anderem eine Normalisierung des Sparens nach der Sondersituation der Coronazeit.

          Geldvermögen wächst nur noch langsamer

          Das alles hat auch Auswirkungen auf das Geldvermögen der Deutschen. Die im Vergleich zu den Rekordjahren 2020 und 2021 schwächere Ersparnis sowie die Folgen der Kurskorrekturen an den Aktienmärkten ließen das private Geldvermögen der Deutschen in diesem Jahr langsamer wachsen. „Wir rechnen mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent auf gut 8 Billionen Euro, im nächsten Jahr sollte der Vermögensaufbau mit 5,3 Prozent dann wieder schneller voranschreiten“, schreibt die Bank.

          Als ungewöhnlich bezeichnet es die DZ Bank, dass in solch unsicheren Zeiten wie angesichts eines Krieges die Leute nicht mehr sparen, sondern weniger. Ein gewisses Vorsichtssparen wäre eigentlich zu erwarten. „Normalerweise reagieren private Haushalte auf eine wachsende Unsicherheit in Krisenzeiten, in dem sie mehr auf die hohe Kante legen“, schreibt Michael Stappel, Leiter Makroökonomik und Branchenresearch der DZ Bank. Er meint allerdings, die Sparquote wäre sogar noch stärker zurückgegangen, wenn es den Krieg nicht gegeben hätte. „Ohne den Ukraine-Krieg hätte das Auslaufen der Corona-Beschränkungen ab diesem Frühjahr voraussichtlich zu einer Belebung des Konsums geführt und die Sparquote wäre deutlich unter ihren langjährigen Durchschnitt gefallen.“

          Inflation trifft gerade Bezieher kleiner Einkommen

          So dürfte sich die Sparquote 2022 und 2023 mit rund 10 Prozent nahe des Durchschnittsniveaus einpendeln. Dem Bedürfnis, in unsicheren Zeiten mehr zurückzulegen, stehe ein gewaltiger Nachholbedarf aus der Phase der Corona-Einschränkungen gegenüber. Durch Lockdown-Maßnahmen und Grenzschließungen seien schließlich Geschäfte und Gasthäuser phasenweise geschlossen gewesen, Kultur und Freizeitaktivitäten seien nur sehr eingeschränkt möglich gewesen und viele Haushalte hätten sich gezwungen gesehen, auf größere Urlaubsreisen zu verzichten.

          Häufig sei die zusätzliche Ersparnis nicht angelegt worden, sondern einfach auf dem Girokonto stehen geblieben. Für die aufgestauten Konsumbedürfnisse lägen also liquide Mittel bereit, wäre da nicht der Krieg, der die Konsumfreude trübe und die Lieferkettenprobleme verstärke, die etwa zu Wartezeiten beim Neuwagenkauf führten.

          Hinzu komme eben die Inflation: Das wegen der hohen Energiepreise auf den Weg gebrachte Entlastungspaket der Bundesregierung könne die Folgen der hohen Inflation nur zum Teil ausgleichen. Gerade bei kleineren Einkommen bleibe da immer weniger zum Sparen übrig. Für das laufende Jahr rechnet die DZ Bank mit einer Rekordinflationsrate von 6,8 Prozent – und auch 2023 dürfte die Teuerung mit 3,6 Prozent weit über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank bleiben.

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