Folgen der Inflation : Die Goldnachfrage ist so hoch wie lange nicht mehr
Die globale Goldnachfrage ist im vergangenen Jahr auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2011 gestiegen. Das berichtet die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) in ihrem Jahresabschlussbericht, der der F.A.Z. vorab vorliegt.
Demnach stieg die Goldnachfrage insgesamt um 18 Prozent auf 4740,7 Tonnen Gold. Analystin Louise Street sagte im Gespräch mit der F.A.Z., den größten Anstieg habe es bei den Goldkäufen der Notenbanken gegeben.
Viele von denen haben ihre Goldbestände deutlich ausgebaut, unter anderem die Notenbank der Türkei. Aber auch in den Ölländern des Nahen Ostens sowie in Indien und China haben die Notenbanken Gold gekauft. Insgesamt stieg die Goldnachfrage der Zentralbanken im vergangenen Jahr um stolze 152 Prozent auf 1135,7 Tonnen.
Inflation erhöht Interesse an Barren und Münzen
Das war dem Council zufolge ein neues 55-Jahres-Hoch. Nicht bekannt sei dabei, wie stark Russland seine Goldbestände erhöht oder gesenkt habe, sagte Street. Das Land melde seit Kriegsbeginn keine Daten mehr.
Leicht rückläufig war die Goldnachfrage aus der Schmuckherstellung. Sie sank um 2 Prozent auf 2189,8 Tonnen. Auch die Goldnachfrage für die Herstellung technischer Geräte ging zurück, um 7 Prozent auf 308,5 Tonnen.
Beim Gold für die Geldanlage war die Entwicklung hingegen gespalten. Wertpapiere auf Gold, sogenanntes „Papiergold“, international oftmals ETFs, verzeichneten Abflüsse wegen der steigenden Zinsen, die andere Formen der Geldanlage gegenüber dem unverzinsten Gold attraktiver machten.
Das galt aber offenbar nicht für die Käufe von physischem Gold, also Barren und Münzen. Die Nachfrage nach denen stieg um 2 Prozent auf 1217,1 Tonnen. „Goldbarren und -münzen standen bei den Anlegern in mehreren Ländern der Welt weiterhin hoch im Kurs“, berichtet das WGC.
So haben die Gesamtinvestitionen in Barren und Münzen in Europa die Marke von 300 Tonnen überstiegen. Dabei habe die „anhaltend robuste deutsche Nachfrage“ abermals eine wichtige Rolle gespielt, sagte Street. Auch im Nahen Osten, wo die hohen Ölpreise die Einnahmen sprudeln ließen, wurden deutlich mehr Barren und Münzen gekauft als im Vorjahr, die Nachfrage stieg um 42 Prozent.
Das hat die Nachfrage nach Gold zu Investmentzwecken insgesamt steigen lassen. „Steigende Zinssätze führten zu taktischen Abflüssen aus börsengehandelten Fonds – während die hohe Inflation die Investitionen in Goldbarren und Münzen anregte“, berichtet das Council.
Womöglich könnte sich das in diesem Jahr aber umkehren, meint die Organisation: Wenn die Inflation im Jahresverlauf zurückgehen sollte, könnte das Interesse an Goldbarren und Münzen sinken – hingegen könnte sich ein nachlassendes Tempo der Zinserhöhungen der Notenbanken positiv auf die Nachfrage nach Gold-ETFs auswirken.

