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Steigende Preise : In manchen Eurostaaten erreicht die Inflation fast 10 Prozent

In Vilnius, der Hauptstadt Litauens, wird am 27. November 2021 feierlich der Weihnachtsbaum der Nation auf dem Platz der Kathedrale erleuchtet. In dem baltischen Euroland erreichte die Inflation im November 9,3 Prozent. Bild: AP

In manchen Ländern der Währungsunion steigen die Preise noch deutlich stärker als in Deutschland. Was sind die Treiber? Kann man daraus etwas für die Inflationsentwicklung hierzulande lernen?

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          In Deutschland hat zuletzt eine Inflationsrate von mehr als 5 Prozent im November für Aufregung gesorgt. Dabei gibt es mittlerweile Eurostaaten, in denen die Preise noch ganz anders steigen. Länder wohlgemerkt, die unter die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) fallen, also keine exotischen Überseestaaten mit zerrütteten Währungen. Schon wird spekuliert, wer als Erstes eine zweistellige Inflationsrate aufweist.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es geht ums Baltikum: In Lettland lag die Inflationsrate im November bei 7,4 Prozent, in Estland bei 8,4 Prozent, und in Litauen betrug sie 9,3 Prozent.

          Woran liegt das? Warum sind unter ein und derselben Geldpolitik die Inflations­raten so unterschiedlich? Und: Kann man aus dieser Entwicklung etwas für die künftige Inflation auch hierzulande lernen?

          Konkret klagen die Menschen in Litauen ähnlich wie hier, dass Benzin so teuer geworden sei, auch Heizöl und Gas. Aber auch der Preis für Milch im Supermarkt habe um mehr als 30 Prozent zulegt, berichtet Petras Cepkauskas von der litauischen Preisvergleichsplattform Pricer. Praktisch alle Lebensmittelpreise seien gestiegen. Die Löhne legten zwar auch zu, aber weniger als die Preise.

          Ökonom: Unterschiede könnten „Sprengstoff“ sein

          In den großen Unterschieden der Inflationsraten im Euroraum könnte noch „Sprengstoff“ liegen, glaubt Jan Körnert, Wirtschaftsprofessor in Greifswald, der sich speziell mit den baltischen Ländern beschäftigt hat. Am 16. Dezember will die EZB sich damit befassen, wie die Geldpolitik auf die Inflation reagieren soll. Die Notenbankchefs der baltischen Länder drängen im EZB-Rat bislang allerdings noch nicht besonders stark darauf, dass die Notenbank die Geldpolitik straffen soll. „Die Balten haben sich bisher relativ ruhig verhalten“, sagt Michael Schubert, EZB-Fachmann der Commerzbank.

          Dazu sagte Gediminas Šimkus, der Notenbankchef von Litauen, auf Anfrage: „Als kleine und sehr offene Volkswirtschaft haben wir den größten Teil des derzeitigen Inflationsanstiegs importiert.“ Er sei auf einen „sprunghaften Anstieg der Energiekosten und einen erheblichen Preisdruck infolge globaler Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage auf anderen Märkten“ zurückzuführen. Ähnlich äußerte sich der estnische Notenbank-Chef Madis Müller: Es gehe vor allem um vorübergehende Effekte, aber man müsse vorsichtig bleiben. Mārtiņš Kazāks, der Notenbankchef von Lettland, führte aus, die EZB müsse schließlich Geldpolitik für den gesamten Euroraum machen, nicht für einzelne Staaten. Er sei aber überzeugt: Die Notenbank werde „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um das geldpolitische Ziel einer Inflationsrate von mittelfristig 2 Prozent zu erreichen“.

          Schicksalsergebenheit oder einfach schon eine Gewöhnung an die höhere Inflation? Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat sich mit den Ursachen beschäftigt, warum die Inflationsraten in den baltischen Ländern noch deutlich höher sind als hierzulande, und kommt auf zwei Gruppen von Faktoren.

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