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Verbraucherpreise : Keine Besserung in Sicht

Das Geld verliert an Kaufkraft: Die Inflation in Deutschland ist auf 10 Prozent gestiegen. Bild: dpa

Die Inflationsrate in Deutschland ist im September auf 10 Prozent gestiegen. Der „Doppelwumms“ der Ampel-Koalition verschleiert die Probleme höchstens.

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          Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ist die Inflationsrate in Deutschland im September zweistellig geworden. Man hatte die kräftigen Preissteigerungen zuletzt schon überall gespürt, ob beim Tanken, beim Einkaufen oder auch beim Essengehen. Und wie teuer das Heizen geworden ist, werden viele erst jetzt in der kalten Jahreszeit so richtig realisieren.

          Ökonomisch ist der Unterschied vielleicht nicht gewaltig, ob die Inflation knapp unter oder oberhalb von 10 Prozent liegt – der psychologische Effekt aber sollte doch nicht unterschätzt werden.

          Zweistellig waren die Inflationsraten in Deutschland zuletzt Anfang der 1950er Jahre gewesen; mit einer damals zum Teil noch anderen Berechnungsweise. In den 1970er Jahren, als die Ölpreisschocks etwa in den Vereinigten Staaten für zweistellige Inflationsraten gesorgt hatten, war Deutschland davon verschont geblieben – nicht zuletzt auch dank der stabilitätsorientierten Geldpolitik der Bundesbank.

          Erinnerungen an die Hyperinflation

          Hohe Inflationsraten wecken in Deutschland immer noch auch Erinnerungen an die Hyperinflation der 1920er Jahre. Jene Zeit, in der die Reichsbank beklagte, die Herstellungs- und Transportkosten von Papiergeld seien dermaßen gestiegen, dass sie den Nominalwert der Banknoten überträfen. Davon ist Deutschland heute, trotz aller Papierpreissteigerungen, aber meilenweit entfernt. Auch hinsichtlich der Ursachen, der Form und der Höhe ist die aktuelle Inflation in keiner Weise mit jener von damals vergleichbar.

          In gewisser Weise ist die Inflation im Moment ein globales Phänomen. In vielen Ländern haben die Energiepreissteigerungen die Teuerungsraten hoch getrieben; selbst in Japan, wo sich das lange keiner hätte vorstellen können.

          Trotzdem gibt es Unterschiede. In Amerika beispielsweise ist es stärker die Nachfrage, die die Inflation treibt – im Euroraum spielen primär Störungen auf der Angebotsseite eine Rolle, Nachfrageeffekte kommen nur hinzu. In Deutschland hatten Tankrabatt und 9-Euro-Ticket die Inflation für drei Monate gebremst; entsprechend stärker war der Preissprung jetzt.

          Das alles dürfte so schnell kein Ende finden. Denn der von Kanzler Scholz verkündete „Doppelwumms“ macht die Finanzpolitik noch einmal expansiver, um Bürgern und Betrieben Belastungen zu ersparen. Das bekämpft die Inflation nicht – sondern verschleiert sie höchstens.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

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