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Inflation : Darum steigen die Preise bald wieder

Nahrungsmittel sind auch im vergangenen Jahr schon teurer geworden. Bild: dpa

Im Euroraum wie in Deutschland war die Inflation im Dezember negativ. Dieses Jahr hingegen könnte vieles teurer werden - nicht nur Energie.

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          Es gibt eine relativ einfache Faustregel, was im vergangenen Jahr teurer wurde und was billiger: Alle Dinge, die man im Lockdown sowieso kaum brauchte, wie Benzin für Autoreisen oder Anzüge fürs Büro, konnten von Verbrauchern günstiger erworben werden. Was man hingegen weiterhin dringend benötigte, wie Nahrungsmittel oder Getränke, wurde tendenziell teurer. Ein besonderer Preisanstieg war zudem bei solcherlei Waren zu beobachten, an denen Menschen gerade wegen des Lockdowns ein besonderes Interesse entwickelten: So verteuerten sich Fitnessgeräte für den Sport daheim allein im Dezember um mehr als 13 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, im Jahresdurchschnitt gab es einen Preisanstieg um 7,9 Prozent. Insgesamt fiel die Inflationsrate in Deutschland im vergangenen Jahr mit 0,5 Prozent allerdings so niedrig aus wie seit 2016 nicht mehr, berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag. Vier Monate in Folge war sie sogar negativ, im Dezember lag sie bei minus 0,3 Prozent. Auch im Euroraum war die Inflationsrate im Dezember weiter negativ, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch in Luxemburg mitteilte, sie verharrte auf minus 0,3 Prozent.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Jahresdurchschnitt am stärksten stiegen in Deutschland die Preise für Obst (plus 7,1 Prozent), Fleisch und Fleischwaren (plus 6,1 Prozent) sowie Strom (plus 3 Prozent). Die Nettokaltmieten stiegen im Schnitt um 1,4 Prozent. Günstiger wurden vor allem leichtes Heizöl (minus 25,9 Prozent), Dieselkraftstoff (minus 11 Prozent) und Superbenzin (minus 9,6 Prozent). Die Preise für Bekleidung und Schuhe sanken um 0,9 Prozent. Eine wichtige Rolle für das Sinken vieler Preise spielte dabei neben einer krisenbedingt schwächeren Nachfrage nach Energie auch die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis zum Jahresende 2020.

          Monat für Monat könnte es dieses Jahr „Kapriolen“ geben 

          In diesem Jahr nun dürften die Preise wieder etwas stärker steigen. Darauf hat auch die Europäische Zentralbank die Menschen schon andeutungsweise vorbereitet. Schon zum Jahreswechsel spürte man bei Benzin und Diesel sowie Heizöl einen Preissprung durch den neuen Co2-Preis für den Klimaschutz sowie durch die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer. "Unter anderem der CO2-Preis kann zur Verbraucherpreisinflation bis zu 1,2 Prozentpunkte im Lauf des Jahres beitragen", sagte Volker Wieland, Mitglied im Wirtschafts-Sachverständigenrat. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet für das Gesamtjahr 2021 sogar mit einer Inflationsrate von 2,3 Prozent. Das wäre relativ viel, andere Ökonomen schätzen zurückhaltender. Krämer sagt aber auch dazu, das sei nicht schon der Anfang von grundsätzlich höheren Inflationsraten. Die schwierige Arbeitsmarktlage werde dafür sorgen, dass die Löhne wenig stiegen. Auf Sicht von vier oder fünf Jahren könnte das anders sein.

          Holger Schmieding, der Chefökonom des Bankhauses Berenberg, spricht davon, die Inflationsrate stehe vor "Kapriolen". "Zunächst wird die Inflation im Januar um gut einen Prozentpunkt auf etwa 0,8 Prozent nach oben schnellen, da die Mehrwertsteuer nicht mehr abgesenkt ist und die höheren Preise für Kohlendioxidemissionen Benzin, Heizöl und Erdgas verteuern." Im späten Frühjahr und Sommer könnte es dann einen Nachholeffekt in einigen Wirtschaftsbereichen geben, die derzeit besonders hart von den Lockdowns betroffen seien. "Wenn Kneipen und Restaurants wieder offen sind, dürfte kurz danach der Ansturm groß sein", sagt Schmieding. Es gebe Nachholbedarf der Kunden. Durch etwas höhere Preise könnten Kneipen und Restaurants dann nach einer harten Durststrecke ihre Finanzlage wieder etwas verbessern. Das dürfte auch für einige Fernreisen gelten, meint der Ökonom: Die Strände des Südens lockten, das Flugangebot sei vermutlich anfangs noch eingeschränkt: "Das kann die Inflation nochmals etwas nach oben drücken." Von Juli bis Dezember komme ein "Basiseffekt" dazu. Dann würden die Preise gegenüber dem Vorjahr verglichen mit denen während der abgesenkten Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr 2020. Das werde die Inflationsrate um knapp einen Prozentpunkt nach oben treiben. Auch das allerdings nur vorübergehend - Anfang 2022 sei auch dieser Effekt vorbei.

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