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Kapitalerhöhung : Infineon holt sich 1,5 Milliarden Euro für den Kauf eines Konkurrenten

Flaggen mit dem Logo von Infineon flattern vor der Konzernzentrale im Wind. Bild: dpa

Der Münchner Chipkonzern Infineon erhöht für die Übernahme des Halbleiterherstellers Cypress sein Kapital. Die Aktien werden fernab der Börse angeboten – vielleicht schon Montagnacht.

          Der Halbleiterkonzern Infineon hat eine Kapitalerhöhung beschlossen, um rund 1,5 Milliarden Euro für den vor kurzem angekündigten Erwerb des amerikanischen Chipherstellers Cypress einzusammeln – und reagiert damit auf die sich zuspitzende Nervosität an den Kapitalmärkten. Wie das Münchner Dax-Unternehmen am Montagabend nach einer Entscheidung des Vorstandes und Aufsichtsrates mitteilte, wird das Kapital um 10 Prozent unter Ausschluss des Bezugsrechtes erhöht.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die ausgegebenen rund 110 Millionen Aktien werden fernab der Börse institutionellen Investoren angeboten. Der Ausgabekurs bewegt sich nah am Schlusskurs vom Montag von 14,36 Euro. Beobachter rechnen damit, dass die Platzierung dieser Titel schon am Dienstag, wenn nicht gar schon Montagnacht erfolgt. Der Erlös dient der Finanzierung der 9 Milliarden Euro teuren Akquisition des amerikanischen Chipherstellers Cypress, der Anfang Juni vom Münchner Halbleiterhersteller angekündigt worden war und nach Möglichkeit im Frühjahr nächsten Jahres abgeschlossen sein soll (F.A.Z. vom 4. Juni).

          Offensichtlich haben sich Vorstand und Aufsichtsrat des Konzerns zügig zu der Maßnahme entschlossen, nachdem die Börsen in jüngster Zeit – besonders die Chipwerte – äußerst nervös auf das labile Marktumfeld mit den wachsenden Unsicherheiten im Zuge der Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und China reagieren. Erst am vergangenen Freitag meldete der amerikanische Konkurrent Broadcom schlechte Quartalszahlen als Folge wegbrechender Geschäfte wegen der Sanktionen gegen China und den Telekommunikationskonzern Huawei. In Folge dessen brach der Aktienkurs von Infineon um mehr als 6 Prozent ein. Ohnehin waren die Kursverluste des Dax-Wertes nach Bekanntgabe der Kaufabsichten für Cypress stark unter Druck geraten. Dabei scheint es die Sorge zu geben, dass der Markt noch weiter zurückgehen könnte und ist die Furcht vor weiteren Hiobsbotschaften groß.

          INFINEON

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          Allein schon die Ankündigung einer Kapitalerhöhung Anfang Juni hatte die Infineon-Aktie auf Talfahrt gebracht. Die Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht lässt sich schnell umsetzen. Geplant ist eine weitere Kapitalmaßnahme, die allerdings einen Börsenprospekt verlangt, womit das Prozedere wesentlich länger dauert. Infineon hatte angekündigt, etwa 30 Prozent des Kaufpreises oder rund 2,7 Milliarden Euro über Eigenkapital finanzieren zu wollen, den größten Teil damit durch Kredite.

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