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Indien : Schattenbanken als tickende Zeitbomben

Narendra Modi (M), Premierminister von Indien, bei seiner Vereidigung. Seine zweite fünfjährige Amtszeit hat begonnen, Probleme gibt es zuhauf zu lösen. Bild: dpa

Trotz niedrigerem Leitzins reagieren die Aktionäre negativ: Die Überschuldung der indischen Schattenbanken bereitet ihnen Kopfschmerzen. Notenbankgouverneur Das beschwichtigt: „Die Überwachungsmechanismen sind sehr robust.“

          Nach der dritten Zinssenkung in Folge am Donnerstag gab der indische Aktienmarkt deutlich nach. Die Notenbank hatte zuvor den Leitzins zum dritten Mal seit Jahresbeginn um weitere 25 Basispunkte auf nun 5,75 Prozent gesenkt. Dank einer niedrigen Inflationsrate kann sich Indien die geringsten Leitzins seit neun Jahren leisten. Damit soll die Wirtschaft angefeuert werden. Sie wächst, wie gerade nach der Wahl veröffentlicht wurde, mit 5,8 Prozent so langsam wie zuletzt vor vier Jahren. Handelsminister Piyush Goyal kritisierte, die indischen Exporteure litten unter ungünstigen Finanzierungsbedingungen, die sie auf dem globalen Markt um ihre Wettbewerbsfähigkeit brächten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Den Zinsschritt aber hatten Aktionäre schon eingepreist. Der Aktienmarkt war um die Wahl herum von Rekord zu Rekord geklettert. Nun aber liegt ihnen etwas anderes auf dem Herzen, und deshalb verkauften sie ihre Anteilsscheine sofort nach der Erklärung des Notenbankgouverneurs: Die Aktionäre fürchten eine tickende Zeitbombe bei den indischen Schattenbanken wegen deren Überschuldung. Der Leitindex BSE Sensex verlor nach dem Auftritt von Notenbankgouverneur Shaktikanta Das 1,4 Prozent, sein Gegenüber Nifty gab 1,5 Punkte nach. Bankwerte büßten bis zu 7 Prozent ein. Es war der größte Rückgang seit Jahresbeginn.

          Das erklärte, die Notenbank beobachte die Schattenbanken genau. Sie sei bereit zu leisten, „was immer gefordert ist“, um finanzielle Stabilität im „NBFC-Sektor“ (non banking finance company) zu sichern. „Der Markt hatte erwartet, dass die Notenbank Schritte ergreift, um den Liquiditätsengpass bei den Schattenbanken zu erleichtern“, hieß es bei SMC Global Securities stellvertretend für die Analysen mehrerer Banken. Die State Bank of India stieß in dasselbe Horn wie die Zentralbank: Sie erklärte, der Schattenbank-Sektor sei in guter Verfassung und angemessene Schritte würden gewählt, ihn zu stützen.

          Zusammenbruch oder Zeitverzögerung?

          Die Schattenbanken Indiens stehen unter hohem Druck, nachdem der Beinahe-Zusammenbruch von Infrastructure Leasing & Financial Services (IL&FS) die Regierung kurz vor der Wahl zum Eingreifen zwang. Am Mittwoch stuften die Ratingagenturen ICRA und Standard & Poor’s über ihre indische Tochtergesellschaft Crisil dann die Bewertung für den Konkurrenten Dewan Housing Finance (DHFL) auf „Scheitern“ zurück, was die Märkte wiederholt in Unruhe versetzte. Die Aktie von DHFL verlor 18 Prozent ihres Wertes ein. Sie nimmt keine neuen Einlagen mehr an, hält die Bewertung aber für unangemessen. DHFL hatte seine Anleihen am 4. Juni nicht bedient.

          Es gehe dabei nicht um „einen Zusammenbruch, sondern eine Zeitverzögerung“, erklärte das Unternehmen. Rund ein Drittel der Schulden von DHFL in Höhe von 1 Billion Rupien (12,8 Milliarden Euro) liege bei den Geschäftsbanken. Die schwelende Krise verteuert den Schattenbanken die Refinanzierung und erschwert ihnen den Zugang zu den Anleihemärkten. „Ich möchte glauben, dass unsere Überwachungsmechanismen sehr robust sind“, sagte Notenbankgouverneur Das. Unter anderem verpflichtet die Notenbank die Schattenbanken inzwischen, einen Risiko-Manager (Chief Risk Officer) einzustellen, der direkt an den Vorstand berichten soll.

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