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Indexzertifikate : Viele Indexzertifikate geben Dividendenerträge nicht weiter

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Nachsehen haben die Anleger. Über längere Zeiträume gerechnet ergeben sich zum Teil beträchtliche Unterschiede, denn Performance-Indizes schlagen Preisindizes um rund 2,5 Prozent jährlich.

          Aktionäre freuen sich derzeit über hohe Dividendenrenditen - anders die Inhaber von Indexzertifikaten: Bei vielen Indexzertifikaten erhält der Anleger keine Dividenden.

          Der Grund: Die meisten Indexzertifikate bilden nur den sogenannten Preisindex ab, der nur auf die reine Entwicklung der Aktienkurse abstellt. Im Gegensatz dazu berücksichtigt der sogenannte Performance-Index auch die Dividenden, indem bei der Berechnung des Index durch mathematische Anpassungsfaktoren unterstellt wird, daß die ausgeschütteten Dividenden wieder in den Index reinvestiert werden.

          Beträchtlicher Unterschied

          Der Unterschied in der Wertentwicklung kann beträchtlich sein: Beim Euro-Stoxx-50-Index macht der Unterschied zwischen dem Preis- und dem Performance-Index im Durchschnitt 2,7 Prozent jährlich aus; beim S & P 500-Index beläuft sich dieser Unterschied auf 2,4 Prozent jährlich.

          Wer beispielsweise 1990 in den Euro-Stoxx-50-Performance-Index statt in den Preisindex investiert hätte, hätte bis Ende 2003 einen Mehrertrag von rund 38 Prozent gegenüber dem Preisindex erwirtschaftet; beim S & P-Performance-Index beläuft sich dieser Mehrertrag gegenüber dem Preisindex auf rund 31 Prozent. Gegenüber dem Performance-Index verliert der Anleger also einiges an Rendite.

          Schätzung der zukünftigen Dividendenrendite

          Kauft der Emittent des Zertifikats die in dem Index enthaltenen Aktien tatsächlich, so kommen ihm die Dividenden zugute. Einen Teil der Dividendengewinne allerdings reicht er an die Anleger weiter, indem er bei der Begebung der Zertifikate eine Schätzung der zukünftigen Dividendenrendite vornimmt und dem Käufer des Zertifikats einen entsprechenden Preisabschlag gewährt. Je geringer er allerdings den Abschlag bemißt, den er dem Anleger für die erwarteten Dividenden einräumt, um so größer ist seine Marge.

          Bei Zertifikaten mit Laufzeitbegrenzung wird der Dividendenabschlag auf den Preis des Zertifikats bis zum Rückzahlungstag des Zertifikats berechnet. Der Anleger legt sich also schon beim Kauf auf eine Dividendenrendite über den gesamten Zeitraum fest. Die Marge des Emittenten erhöht sich nun, wenn die tatsächlich realisierte Dividendenrendite die vom Emittenten vorher geschätzte - und an den Käufer weitergereichte - Rendite übersteigt. Umgekehrt sinkt sie aber auch, wenn die tatsächlich erhaltenen Dividenden niedriger sind als geschätzt.

          Index-Fonds transparenter als Zertifikate

          In den vergangenen Jahren spielte die Dividendenrendite zuletzt kaum eine Rolle - die Differenz in der Wertentwicklung zwischen Preis- und Performance-Index fiel zeitweise unter ein Prozent. Doch in diesem Jahr liegt sie schon wieder bei 2,5 Prozent. Index-Fonds sind hier gegenüber Zertifikaten transparenter: Alle tatsächlich anfallenden Dividenden werden entweder komplett dem Fondsvermögen gutgeschrieben oder an die Anleger ausgeschüttet.

          Etwas anders verhält es sich bei Zertifikaten mit unbegrenzter Laufzeit, die zunehmend emittiert werden: Da eine zuverlässige Dividendenschätzung über einen unbegrenzten Zeitraum nicht möglich ist, wird hier in der Regel auf eine Einbeziehung der Dividende in die Preisberechnung der Zertifikate verzichtet. Die Dividende kommt über die Absicherung in vollem Umfang dem Emittenten zugute. "Aus dieser Perspektive betrachtet sind Zertifikate mit endlosen Laufzeiten gegenüber laufzeitbeschränkten Zertifikaten klar im Nachteil", sagt Christian Fischer von Io Capital Partners.

          Zertifikate bei kurzfristigen Spekulationen

          Alternativ gibt es auch Zertifikate auf Performance-Indizes, die allerdings zumeist entsprechende Gebühren oder eine größere Geld-Brief-Spanne haben. "Entscheidend ist, daß Sie Zertifikate unterschiedlicher Emittenten nur miteinander vergleichen, wenn die zugrunde liegenden Indizes und die Laufzeiten übereinstimmen - dann hat man eine recht hohe Preistransparenz", sagt Fischer. Auch ein Zertifikat auf einen Performance-Index könne Sinn machen: "Halten Sie das Zertifikat länger als ein Jahr, dann müssen Sie im Unterschied zu Fonds keine Steuern auf den Abschlag für die Dividenden zahlen - damit vereinnahmen Sie die Dividenden quasi steuerfrei", erläutert er.

          Ebenfalls Sinn könnten Zertifikate machen, wenn man auf kurzfristige Marktbewegungen spekuliere: "Wenn Sie kurzfristig auf einen Markt spekulieren, dann machen Zertifikate auf Kursindizes mit enger Geld-Brief-Spanne Sinn", sagt Florian Brechtel vom Xavex-Team der Deutschen Bank.

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