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Aktienmarkt : Warum auch ein Dax 40 kaum hilft

Dax-Schriftzug im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse Bild: dpa

Vor allem die Insolvenz von Wirecard hat den Wunsch nach einer Reform des deutschen Aktienindex vorangetrieben. Derzeit erfragt die Deutsche Börse die Meinung der Marktteilnehmer. Für Anleger wäre ein Dax 40 kaum besser, lautet eine Ansicht.

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          In diesen Tagen verfolgen viele Anleger nicht nur das Auf und Ab des Dax gebannt, sondern auch die mögliche Veränderung des vor allem durch die Insolvenz von Wirecard in die Kritik geratenen deutschen Auswahlindex. Noch bis zum 4. November erfragt die Deutsche Börse die Meinung der Marktteilnehmer unter anderem zu einer Indexerweiterung und zu höheren Qualitätsanforderungen. Jeder Interessierte darf sich äußern. Das Ergebnis wird drei Wochen später erwartet, die Umsetzung im Frühjahr 2021.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Bisher zeichnet sich ein gemischtes Bild ab, was eine mögliche Vergrößerung des Kreises der Indexmitglieder von 30 auf die vorgeschlagenen 40 anbelangt. Positiv vermerkt wird, dass der Index durch die international eher geringe Zahl von Einzelwerten die deutsche Wirtschaft bislang kaum angemessen spiegelt und deren Indexgewicht geringer ausfiele. Die Verjüngung des Dax wird zudem ins Feld geführt. Kritiker warnen, dass der Dax auch mit zehn Aktien mehr nicht repräsentativ wäre und andere Indizes geschwächt würden.

          Hohes Gewicht würde bleiben

          Würde der Dax in der Tat 40 Mitglieder bekommen, dann stiege die Zahl der dort geführten Werte rein rechnerisch um ein Drittel. Der Anteil der neuen Unternehmen am Index würde aber dennoch nur 8 Prozent betragen, sagt Michael Bissinger, Analyst der DZ Bank. Wegen des hohen Gewichts weniger Großkonzerne wie SAP, Linde, Siemens und Allianz würde sich effektiv kaum etwas ändern.

          Auch der Branchenmix würde sich nur unwesentlich verschieben und ein höheres Dax-Gewicht von zum Beispiel Technologieaktien vermutlich nicht erreicht werden, sagt Bissinger. Der Anteil von Chemie-, Auto- und Industriekonzernen unter den großen deutschen Aktiengesellschaften sei dafür zu hoch. Wachsen würde wohl die Bedeutung von Industrie- und Gesundheitstiteln. Das größere Volumen, die etwas höhere Diversifikation und der leicht steigende Anteil dynamisch wachsender Unternehmen wären für den Dax zwar positiv. Der Einfluss auf die Kursentwicklung wäre aber insgesamt nur beschränkt.

          Es sei gleich, ob der Dax 30 oder 40 Aktien enthalte, sagt die Hamburger Sutor Bank. Privatanleger sollten besser auf andere, breiter streuende Aktienindizes setzen. Dies reduziere nicht nur das Risiko, sondern könne auch die Wertentwicklung der Anlagen verbessern. Denn das A und O der Geldanlage sei Diversifizierung. Die Diskussion, ob der Dax mit 40 Einzelwerten und weiteren Anpassungen „investabler“ werde, sollte Anleger nicht täuschen. Auch damit sei keine vernünftige Risikostreuung möglich.

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          Vor allem weil deutsche Anleger ohnehin einen besonders stark ausgeprägten „Home Bias“ hätten, also vor allem auf den Heimatmarkt und altbekannte Marken setzten, tue mehr Diversifizierung not, sagt die Sutor Bank. Ein Index wie der H-Dax umfasse aktuell 99 Werte. Hier seien neben 30 Dax-Aktien auch die Werte des M-Dax und Tec-Dax enthalten. Eine breite Streuung müsse zudem keinen Renditenachteil bedeuten. Während der Dax auf Sicht von zehn Jahren 107 Prozent gewonnen habe, komme der H-Dax auf 126 Prozent.

          Deutschland hinkt international hinterher

          Doch Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Selbst wenn man alle deutschen börsennotierten Unternehmen zusammenfasse, kämen sie auf einen Anteil an der Marktkapitalisierung auf der Welt von nur 4,8 Prozent, sagt die Sutor Bank. Das größte Unternehmen überhaupt ist Apple mit einem Börsenwert von aktuell 2071 Milliarden Dollar. Einziger deutscher Konzern unter den 100 größten Aktiengesellschaften der Welt ist SAP mit 192 Milliarden Dollar auf Platz 47. Siemens folgt auf Rang 102.

          Anleger sollten also über den deutschen Tellerrand hinausschauen, rät die Sutor Bank. Ein Aktienindex wie MSCI World bilde rund 1650 Werte aus Industrieländern ab, der MSCI All Countries World umfasse sogar rund 3.000 Werte auch aus Schwellenländern. Zum Vergleich: Sowohl der Dax als auch der MSCI World haben im Vorjahr um rund ein Viertel zugelegt. Mit börsengehandelten Indexfonds (ETF) und Zertifikaten können Anleger auf solche Märkte setzen. Bei Dax und MSCI World ist das kein Problem, andere Indizes fehlen dagegen bisher.

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