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Aufsichtsrat Vetter baut um : In der Commerzbank folgt Kotzbauer auf Boekhout

Commerzbank-Logo in einer Frankfurter Filialie Bild: EPA

Der frühere Deutschland-Chef der ING Diba geht nach nur einem Jahr wegen grundsätzlich unterschiedlicher Auffassungen über das Firmenkundengeschäft. Ihm folgt ein Eigengewächs der Commerzbank, das schon vieles im Firmenkundengeschäft gesehen hat – im Inland und Ausland.

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          Der Aufsichtsrat der Commerzbank ist am Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen gekommen. Einziger zu erwartender Beschluss: Der Abgang von Roland Boekhout, dem erst seit Jahresanfang amtierenden Firmenkundenvorstand, und die Berufung des 52 Jahre alten Michael Kotzbauer zu seinem Nachfolger. Kotzbauer, schon seit 1990 bei der Commerzbank, gilt als Kundenmann, der für die Finanzierungsbedürfnisse mittelständischer Unternehmen „brennt“, wie ein Weggefährte sagt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Boekhout hat sich mit Teilen des Aufsichtsrats – nicht nur mit dem seit Sommer amtierenden Vorsitzenden Hans-Jörg Vetter, sondern nach Informationen der F.A.Z. auch mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat – überworfen. Zu groß sind die Auffassungen über die künftige Ausrichtung des Firmenkundengeschäfts. Das Geschäft mit dem exportstarken deutschen Mittelstand ist eigentlich eine Paradedisziplin der Commerzbank. Aber durch die niedrigen Zinsen, den hohen Wettbewerb der Banken um deutsche Kunden und die zuletzt stark gewachsenen Kreditrisiken durch die Rezession während der Corona-Pandemie muss die Commerzbank sparen, um ihre defizitäre Firmenkundensparte wieder über die Gewinnschwelle zu bringen.

          Der bisherige Firmenkundenvorstand Boekhout, der viele Jahre erfolgreich die Direktbank ING Diba als Deutschland-Chef geführt hat und im Sommer auch als Nachfolger des abtretenden Commerzbank-Chefs Martin Zielke im Gespräch war, wollte nach Informationen der F.A.Z. viele inländische und kleinere mittelständische Kunden künftig nur noch überwiegend digital und über Call Center betreuen und kaum mehr persönlich.

          Dagegen wollte Boekhout an einem größeren Netz an Auslandsstandpunkten und auch lokalem Geschäft dort festhalten. Teile des Aufsichtsrats wollen dagegen nicht so stark im inländischen Firmenkundengeschäft kürzen, dafür stärker im Auslands. Neben der Zahl der inländischen Kundenbetreuer gab es unterschiedliche Auffassungen über die Ausgestaltung der Finanzierungsproduktpalette und deren Bepreisung.

          Kontrolleur Vetter greift stark ein

          Mit Boekhouts Abgang setzt sich Aufsichtsratschef Vetter durch, der früher die Landesbank Baden-Württemberg als Vorstandschef geführt hat  und derzeit in der Commerzbank zumindest bis zum offiziellen Antritt des neuen Vorstandschefs Manfred Knof im Januar – aber vermutlich auch darüber hinaus – ein für Deutschland ungewohnt stark ins operative Geschäft eingreifender Aufsichtsratsvorsitzender ist. Es gilt als nicht ausgeschlossen, dass weitere Commerzbank-Vorstände ihren Platz noch mehr oder weniger freiwillig räumen müssen. Neben Zielke und Boekhout hat auch Privatkundenvorstand Michael Mandel in diesem Jahr schon seinen Posten aufgegeben.

          Umsetzen wird Vetters Vorstellungen im Firmenkundengeschäft nun der neue Vorstand Michael Kotzbauer, der vor 52 Jahren in New York geboren wurde und nach seinem Betriebswirtschaftsstudium vor 30 Jahren seine Karriere in der Commerzbank begann. Spuren hinterließ er als Regionalvorstand des Firmenkundengeschäfts in Asien von 2010 bis 2013 mit Sitz in Schanghai. Zuletzt war Kotzbauer einer von drei Bereichsvorständen im inländischen Mittelstandskundengeschäft, verantwortlich für die Regionen  Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, sowie Ostdeutschland einschließlich Berlin.

          Von Haus aus Kreditmann hat Kotzbauer die Entwicklung seiner Kunden mitgemacht: Vor allem Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro an brauchen, selbst wenn sie nicht an der Börse sind, zunehmend Kapitalmarktprodukte wie syndizierte Kredite und Hedging-Instrumente, mit denen sie sich gegen Währungs- und Zinsschwankungen absichern. Diesen Finanzierungsmix im In- und Ausland angemessen und profitabel anzubieten, wird für die Commerzbank eine der großen Herausforderungen.

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