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Angst vor steigenden Preisen : In China wird die Inflation zum Thema

Teures Schweinefleisch: Verkaufsstand auf einem Markt in Peking Bild: EPA

Die Preise in China steigen nicht stark, aber stetig. Die Bürger schimpfen über hohe Mieten und Preise für Schweinefleisch. In der Vergangenheit hatte Inflation fast zur Revolution geführt.

          In China sind dieser Tage steigende Preise ein so beliebter wie frustrierender Gesprächsstoff. Die jährliche Inflation war im August im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 2,3 Prozent noch nicht besorgniserregend höher, meldete das Statistikamt in Peking. Das Jahresziel der Regierung liegt sogar noch darüber. Analysten hatten etwas weniger erwartet.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Allerdings stieg die Verbraucherpreisinflation den dritten Monat infolge. In China wird die Inflationsrate von Regierung und ausländischen Berichterstattern besonders aufmerksam beobachtet. Denn steigende Preise hatten Ende der Achtziger Jahre mit zu den Protesten der Bevölkerung auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking geführt, die die Führung seinerzeit blutig niederschlagen ließ.

          Zweifel an offizieller Statistik

          In den Jahren 1987 bis 1989 hatte die Inflation offiziell bei rund 30 Prozent gelegen. Weil die Staatsunternehmen zum ersten Mal Stellen strichen und die „eiserne Reisschüssel“ – die Rund-um-Versorgung durch den Staat – nach den Wirtschaftsreformen infrage stand, sah sich die Bevölkerung großem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. Die Unzufriedenheit stieg schnell.

          Während sich heute in China die Stimmung in der Wirtschaft vor dem drohenden großen Handelskonflikt mit Amerika verschlechtert, zweifeln immer mehr Bürger die offizielle Inflationsstatistik an. Der Preis für Schweinefleisch ist seit August im Vergleich zum Vormonat um mehr als 7 Prozent gestiegen, nachdem rund 40.000 Schweine wegen der Pest getötete werden mussten und die Schweinezuchtindustrie an den Rand des Stillstands geraten ist. Zwar liegen die Preise unter denen des Vorjahreszeitraums. Doch die Menschen haben das Gefühl, ihr Leben verteure sich schnell.

          Der Preis für frisches Gemüse ist im Jahresvergleich um mehr als 4 Prozent gestiegen. Benzin war im August im Jahresvergleich sogar um ein Fünftel teurer. Ganz besonders machen stark steigende Mieten und Wohnungspreise den Menschen zu schaffen. In den beliebten Millionenmetropolen an der Ostküste kann sich die Einwohnerzahl innerhalb eines Jahres schon mal verdoppeln.

          Derzeit geben chinesische Ökonomen an der Inflationsfront noch Entwarnung. Sollte der amerikanische Präsident Donald Trump jedoch seine Drohung wahr machen und sämtliche chinesische Importwaren verteuern, würde China wohl ebenfalls Strafzölle erheben, was die Preise weiter steigen lassen dürfte.

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