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Impact Investor : Inyova nimmt BMW ins Visier

  • Aktualisiert am

BMW-Zentrale Bild: Reuters

Nach Enkraft bei RWE versucht ein weiterer aktivistischer Aktionär Veränderungen in einem Dax-Konzern durchzusetzen. Die Schweizer Gesellschaft Inyova schlägt nun eine Kandidatin für den Aufsichtsrat vor.

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          Nach Enkraft bei RWE knöpft sich nun ein weiterer eher kleiner Aktionär einen Dax-Konzern vor, um dort Veränderungen anzustoßen. Der Schweizer Impact Investor Inyova nimmt BMW ins Visier. „Wir schlagen BMW eine eigene Kandidatin für den Aufsichtsrat vor“, sagt Tillmann Lang, der Vorstandsvorsitzende von Inyova im Gespräch mit der F.A.Z. Bei der Kandidatin handelt es sich um Susan Shaheen, die an der amerikanischen Elite-Universität Berkley zu den Themen Mobilität lehrt und forscht und dabei immer wieder auch in Projekten mit deutschen Autobauern arbeitet – auch mit BMW. Inyova verwaltet rund 1900 Depots und ist als Impact Investor aktiv. Bei dieser Art der Anlage legen Investoren einen besonderen Fokus auf Anlagen, bei denen sich soziale und ökologische Auswirkung messen lassen.

          Was treibt den Investor an? „BMW bewegt sich wie die gesamte Auto­mobilindustrie in einem disruptiven Um­feld. Dafür braucht es eine ganz neue Expertise. Das sollte sich mehr als bisher auch im Aufsichtsrat von BMW widerspiegeln.“ In eine ähnliche Richtung argumentiert Susan Shaheen. „Ich würde mich freuen, BMW in dieser Phase der Disruption begleiten zu können“, sagt die Amerikanerin im Ge­spräch. Gerade deutsche Autohersteller bewegten sich noch viel zu sehr in der Komfortzone.

          Shaheen ist seit über 25 Jahren in der Automobilindustrie tätig und deckt Ge­biete von autonomen Fahren bis hin zu ganz neuartigen Mobilitätskonzepten ab. Sie kommt von der forschenden Seite und hat viele Jahre mit dem japanischen Automobilkonzern Honda zusammengearbeitet. In einem Aufsichtsrat hat sie bisher noch nicht gesessen.

          BMW ist von dem Vorstoß einigermaßen überrascht. Dazu äußern will sich ein Unternehmenssprecher nicht, schließlich sei dies Sache des Aufsichtsrats. Im Kontrollgremium des Münchner Autoherstellers fühlt man sich auch ohne Susan Shaheen gut aufgestellt. Gerade die Kompetenzen, die die amerikanische Professorin einbringt, glaubt man dort schon zu be­sitzen.

          Schon länger auf dem Ökopfad

          Tatsächlich hatte Chefkontrolleur Norbert Reithofer bereits in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender den weiß-blauen Konzern auf den Ökopfad ge­schickt. Kaum im Amt, sicherte sich Reithofer 2009 die Dienste der ehemaligen Außenministerin der USA, Madeleine Albright. Die jüngst verstorbene Beraterin verfügte über ein dichtes Netzwerk, lieferte wertvolle Hinweise zu neuen Umweltauflagen und Emissionsgesetzen in Amerika. Reithofer zog BMW aus der kostspieligen Formel 1 ab und präsentierte als Berater in Umweltfragen ausgerechnet Joschka Fischer, ein altes Feindbild der Autoindustrie.

          Im Aufsichtsrat dirigiert der 65-Jährige heute weitgehend eine deutsche Männerriege, auch wenn mit Susanne Klatten eine mächtige Frau vertreten ist: Der Quandt-Erbin gehört mit ihrem Bruder Stefan Quandt fast die Hälfte des Konzerns. Dass Shaheen keine Chance auf den Einzug in den Aufsichtsrat hat, liegt an dem Umstand, dass nur ein Kandidat zur Wiederwahl antritt. Und das ist mit Heinrich Hiesinger ausgerechnet ein Schwergewicht in der deutschen Managerszene.

          Sowohl Tillmann Lang als auch Susan Shaheen sind sich durchaus be­wusst, dass die Kandidatur wenig Aussicht auf Erfolg hat. Die Diskussion über die Besetzung des Aufsichtsrates halten sie dennoch für sinnvoll. „Ge­spräche müssen irgendwo beginnen“, sagt Shaheen.

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