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Investieren mit Wirkung : Impact Investing auf dem Vormarsch

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Ein Lehrer in Kairo unterrichtet seine Schüler mithilfe von Laptops. Bild: dpa

Viele Start-ups widmen sich sozialen und ökologischen Problemen – und können dabei auf eine wachsende Zahl von Investoren bauen. In Deutschland war das bislang eine Nische. Hat sich das geändert?

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          Eine Alge gegen Mangelernährung in der Wüste Kenias oder Produkte und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen: Viele Start-ups widmen sich nicht nur dem eigenen Wachstum, sondern vor allem der Lösung von sozialen und ökologischen Problemen in der Welt. Das Geld dafür kommt von Investoren, denen die Rendite häufig weniger wichtig ist als die nachhaltige Wirkung, die sie fördern.

          Impact Investing – wirkungsorientiertes Investieren (WI) – heißt diese Form der Anlage daher. Vor allem in Deutschland ist sie bislang eine Nische. Doch die Investitionssummen sind nach Einschätzung von Experten in den vergangenen Jahren global gestiegen.

          Aktuellste Zahlen basieren auf einer Umfrage, die das Global Impact Investing Network (GIIN), ein weltweiter Zusammenschluss entsprechender Anleger, 2018 mit mehr als 220 Investoren durchgeführt hat. Sie gaben an, im Jahr 2017 insgesamt rund 35,5 Milliarden Dollar (31,43 Mrd Euro) in solche wirkungsorientierten Start-ups investiert zu haben. Für das vergangene Jahr hatten sie mit einer Erhöhung der Investments von rund 8 Prozent geplant.

          Bei den Themen offen

          Für Deutschland errechnete die Bertelsmann Stiftung eine Investitionssumme von rund 70 Millionen Euro für Ende 2015 nach jüngsten vorliegenden Zahlen. „Obwohl die Anfänge des WI-Marktes in Deutschland bereits über zehn Jahre zurückliegen, zeigt unsere Recherche, dass sich der deutsche WI-Markt noch immer in einer frühen Entwicklungsphase befindet“, heißt es in der Studie.

          „Das sind die aktuell verfügbaren Zahlen, die sich aber seither deutlich gesteigert haben“, meint dagegen Stephanie Petrick, die den Bereich Impact Investing beim Beratungsunternehmen Phineo leitet.

          In Deutschland unterstützen vor allem zwei Fonds entsprechende Projekte in Deutschland: Ananda Impact Ventures sowie Bonventure, beide mit Sitz in München. Im kommenden Jahr läuft bei Bonventure ein Fonds mit einem Volumen von 22,3 Millionen Euro aus, weitere sollen dann aufgelegt werden – in Höhe von insgesamt bis zu 50 Millionen Euro, sagt Bonventure-Sprecher Jochen Herdrich. „Bei den Themen bleiben wir offen: Bildung, Inklusion, aber auch Pflege oder Projekte im Gesundheitsbereich kommen in Frage“, sagt er.

          Verbessertes Finanzierungsumfeld

          Die Motivation eines solchen Investments haben Anleger und die Unternehmer häufig gemeinsam: „Vielen Gründern ist es immer wichtiger, nicht das nächste Facebook zu sein, sondern auch die Welt zu verbessern und eine Wirkung zu hinterlassen“, sagt Petrick. Nachhaltige Investitionen gibt es schon lange. Sie zielen aber häufig darauf, bestimmte Anlagen auszuschließen, die solchen Kriterien nicht entsprechen. Also etwa Firmen, die die Umwelt verschmutzen, mit Waffen handeln oder Tabak verkaufen. Beim Impact Investing liegt der Fokus auf einer messbaren Wirkung. „Wirkungsorientiertes Investieren bedeutet, Geld mit der Aussicht auf finanzielle und soziale Rendite anzulegen“, heißt es bei Phineo.

          Das Finanzierungsumfeld habe sich für solche Unternehmen in den vergangenen Jahren verbessert. Doch vor allem in Deutschland gebe es einige Hürden. „Es stimmt, dass in einigen Ländern außerhalb Deutschlands sehr viel mehr Gelder für Impact Investing zur Verfügung stehen“, sagt sie. „Das hat auch den Grund, dass das dort stärker staatlich gefördert wird.“

          „Gerade im globalen Süden gibt es sehr viele Fonds, die entsprechende Projekte dort unterstützen“, sagt Bonventure-Sprecher Herdrich. „Weil die Anleger den Eindruck haben, dass dort ein Euro mehr bewirken kann als in Deutschland“, meint er. Allerdings seien auch die Risiken von Direktinvestments im Ausland höher. Bonventure investiert daher ausschließlich in soziale Start-ups, die auf das Inland zielen.

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