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Bundesbank warnt : Preisübertreibungen am Wohnungsmarkt von bis zu 40 Prozent

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Renovierter Altbau im Hamburger Grindelviertel: Die Wohnungspreise bereiten der Bundesbank Sorgen. Bild: dpa

Die Risiken einer spekulativen Blase nehmen zu. Die Notenbank geht auch von einem steigenden Lohndruck aus.

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          Die Preisübertreibungen auf dem Immobilienmarkt haben sich im vergangenen Jahr laut Bundesbank verstärkt. In den deutschen Städten lagen die Wohnimmobilienpreise 2021 mittlerweile zwischen 15 und 40 Prozent über dem gerechtfertigten Niveau, wie die deutsche Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht Februar mitteilte. Laut Auswertungen verfügbarer Indikatoren hätten die Preisabweichungen auch in Deutschland insgesamt deutlich zugenommen, schreiben die Bundesbank-Experten. Die Wohnimmobilienpreise lägen 2021 bundesweit um 20 bis 35 Prozent über dem Referenzwert.

          Die Bundesbank warnt schon seit längerem vor zunehmenden Risiken auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Die hochschnellenden Immobilienpreise in Deutschland und in anderen europäischen Staaten haben inzwischen auch die EU-Risikowächter auf den Plan gerufen. Nach Einschätzung des Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) sollte Deutschland mehr tun zur Eindämmung des Preisschubs. Die Finanzaufsicht BaFin hat vor kurzem den sogenannten antizyklischen Kapitalpuffer auf 0,75 Prozent von null angehoben, so dass Banken wieder größere Krisenpolster bilden müssen. Zudem soll ein spezieller Systemrisikopuffer für Immobilienkredite von zwei Prozent eingeführt werden.

          Die Bundesbank nannte in ihrem Bericht Berechnungen des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp). Danach erhöhten sich 2021 die Preise für Wohnimmobilien insgesamt um 11,3 Prozent. Auch weitere Messgrößen hätten kräftig zugelegt. Laut Bundesbank wiesen alle Indikatoren den höchsten Preisanstieg seit Beginn des jüngsten Aufschwungs am Wohnungsmarkt auf.

          Lohndruck nimmt zu

          Die Bundesbank rechnet in Zeiten erhöhter Inflation damit, dass sich die Arbeitnehmer einen größeren Schluck aus der Lohnpulle gönnen. „In der diesjährigen kleinen Tarifrunde für rund acht Millionen Beschäftigte könnten die günstigen gesamtwirtschaftlichen Perspektiven, zunehmende Arbeitsmarktknappheiten und hohe Inflationsraten zu spürbar stärkeren Lohnabschlüssen beitragen“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der deutschen Zentralbank. Auch die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf zwölf Euro ab Oktober dürfte laut den Volkswirten der Bundesbank den gesamtwirtschaftlichen Lohndruck verstärken.

          Dieser politische Eingriff in die Lohnfindung würde die Verdienste in den unteren Entgeltgruppen spürbar anheben und auch auf die darüber liegenden Segmente merklich ausstrahlen. Dadurch dürfte sich der Aufwärtsdruck verstärken. Wenn man die historischen Beziehungen zugrunde lege, seien die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen aber „wohl überschaubar“. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass in dem gegenwärtigen Umfeld sehr hoher Inflationsraten eine stärkere Überwälzung der Löhne auf die Preise erfolge.

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