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Immobilienmarkt : Londoner Luxusimmobilien sind heiß begehrt

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Luxus in London: Gute Wohnlagen wie hier in der „Billionaires Row” in Kensington sind gefragt Bild: AP

In den Toplagen Londons sind mittlerweile fast zwei Drittel der Käufer Ausländer: Die britische Hauptstadt lockt Vermögende aus vielen krisengebeutelten Regionen an. Sie treiben die Immobilienpreise auf Rekordhöhe.

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          Für Londoner Immobilienagenturen kann es derzeit nicht genug Krisen auf der Welt geben: Unsicherheit in der europäischen Währungsunion, politische Umstürze in Tunesien, Ägypten und Libyen, Rechtsunsicherheit in Russland - die Reichen dort nehmen reißaus und schichten ihr Vermögen um. Ihr Ziel sind oft Londoner Luxuswohnungen. Die Nachfrage nach Häusern und Appartements in Toplagen in der Nähe vom Hyde Park und im Londoner Zentrum in Knightsbridge, Belgravia, Chelsea und Kensington ist so groß, dass die Preise seit dem Höhepunkt der Krise wieder um 35 Prozent gestiegen sind. Während andere britische Städte noch an der gerade überstanden Rezession leiden, stieg der Wert Londoner Luxusimmobilien allein im Laufe der vergangenen 12 Monate um knapp 10 Prozent.

          Teure Residenzen im Herzen der britischen Metropole sind so teuer wie nie zuvor. Im ersten Halbjahr erzielte der Verkauf von Immobilien in South Kensington etwa 18 000 Euro je Quadratmeter. „Im letzten Monat haben wir mehr Nachfrage von Käufern aus Kontinentaleuropa erlebt, möglicherweise wegen der anhaltenden Krise in der Währungsunion und wegen des kosmopolitischen Lebensstils in London“, sagt Noel Flint von Knight Frank, einer der führenden Immobilienmakler.

          Die Käuferschicht weitet sich mit jeder Krise aus. Vermögende Russen, Oligarchen und Reiche aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion schlagen sei Jahren bei extrem teuren Objekten im Wert von 10 Millionen Pfund und mehr zu. „Die kommen zu uns und verlangen gleich zwei oder drei Grundstücke nebeneinander, um großzügig bauen zu können. Bestehende Häuser werden einfach abgerissen“, berichten Makler in gehobenen Wohngegenden. Mitunter werden Häuser geopfert, die selbst erst wenige Jahre stehen. In Extremfällen wird der Abriss gar von denselben Bauarbeitern durchgeführt, die wenige Jahre zuvor den Altbau abtragen mussten. „Und unser eins versucht, in dieser Rezession über die Runden zu kommen“, ist der frostige Kommentar dieser Männer.

          Furcht vor unberechenbarem Steuersystem

          Mittlerweile engagieren sich aber auch immer mehr Chinesen, Inder und Käufer aus Ländern des Nahen Ostens am Markt. Als sich die Krise in Griechenland abzeichnete, berichteten Mitarbeiter der Immobilienagenturen Fraser & Co plötzlich von Griechen, die den Markt schlagartig überschwemmten und darauf pochten, innerhalb kürzester Zeit - oft gegen große Summen von Barvermögen - Millionenobjekte in London zu erstehen. „Sie hatten nicht einmal Zeit für das Gutachten der Sachverständigen“, erzählt Panos Koutsoyiannakis von Fraser. Die letzte Welle von Investoren stammt nach Angaben von Knight Frank aus Spanien, Ägypten und Tunesien, aber auch aus Usbekistan, Hongkong und den Vereinigten Staaten. In Toplagen sind mittlerweile fast zwei Drittel der Käufer Ausländer.

          Doch Liam Bailey von Knight Frank sieht auch Gefahren für das Geschäft. „Die Aversion gegen Bonuszahlungen, gegen die Bankenrettungen, gegen Finanzbetrügereien von Parlamentariern und die Rezession schüren die Stimmung gegen Reichtum, vor allem in London.“ Bailey ist skeptisch: „Der Höchststeuersatz von 50 Prozent, die Bonussteuer, die strengere Besteuerung von Ausländern und das ewige Geschimpfe auf die City und die Banker wirft die Frage auf, ob London ein globales Zentrum für Reichtum bleiben kann und ob dies politisch überhaupt noch gewollt ist.“ Der größte Negativfaktor für die Investoren am Londoner Immobilienmarkt sei die Furcht, dass das britische Steuer- und Abgabesystem nicht mehr stabil und berechenbar sei. In der Tat hat der britische Staat in den letzten Jahren mehrere Steuervorteile gerade für gut verdienende Ausländer rückgängig gemacht. Gleichzeitig versucht er extrem reiche Investoren zu gewinnen.

          Singapur und Hongkong holen auf

          Gegenüber den Krisenherden in Nordafrika und dem Nahen Osten und einigen Schreckensszenarien, die über ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion herumgereicht werden, verkauft sich London freilich als sicherer Hafen für Vermögen aus krisengebeutelten Regionen. Aber die nachträglich immer wieder veränderte Rechtsprechung mit Blick auf Steuergesetze schrecke manch Vermögende ab, klagt Bailey.

          Während der britische Finanzminister George Osborne zum Beispiel darüber nachdenkt, möglicherweise den Höchststeuersatz von 50 Prozent zu senken, würde sein Wirtschaftsminister Vince Cable am liebsten Hauseigentümer besteuern, deren Vermögen über einen Verkehrswert von 1 Million Pfund hinausgeht.

          Bei Knight Frank heißt es, dass London als Metropole noch gegenüber steuergünstigen Finanzplätzen wie Genf gewinne. Aber Plätze wie Singapur und Hongkong holten auf.

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