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Immobiliienmarkt : Deutsche zieht es in der Corona-Krise aufs Land

Schöne historische Häuser wie hier im sächsischen Leisnig ziehen deutsche Immobilienkäufer wieder mehr an. Bild: ZB

Die Landlust der Deutschen nimmt zu. Das liegt auch am Trend zum Homeoffice. Regionen mit guter Infrastruktur und digitaler Anbindung profitieren davon.

          2 Min.

          Die Corona-Krise hat die Landlust der Deutschen geweckt. Das zeigt eine Auswertung der Immobilienfinanzierungsplattform Interhyp, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. er Mensch ist ein Gewohnheitstier. Demnach bauen oder kaufen die Deutschen am liebsten dort eine Immobilie, wo sie bereits heimisch sind - allerdings immer weniger, wenn sie in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern leben. „Metropol-Bewohner wollen heute häufiger als früher ihre eigene Immobilie in Mittel- und Kleinstädten erwerben. Menschen vom Land oder sehr kleinen Ortschaften ziehen dort seltener fort als vor einigen Jahren“, sagte Interhyp-Vorstandsvorsitzender Jörg Utecht.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Trends haben sich seinen Worten zufolge in der Corona-Krise fortgesetzt und vor allem im zweiten Quartal 2020 leicht verstärkt. Wer auf dem Land wohnt, bleibt nach der Interhyp-Auswertung eher Landbewohner. Kleinstädter kaufen eher wieder in Kleinstädten mit weniger als 20 000 Einwohnern. Die Tendenz dort zu kaufen oder bauen, wo man schon wohnt, sei am größten in Mittel- und Kleinstädten. Nach Angaben von Interhyp stammten im ersten Halbjahr 68 Prozent der Immobilienkäufer aus Kleinstädten, die in Kleinstädten kaufen und bauen. Ähnlich hoch ist die Zahl der Bewohner aus Mittelstädten mit 66 Prozent. 

          Weiter fortgesetzt hat sich die Flucht aus Großstädten und Metrolpolen,wo die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren am kräftigsten gestiegen sind. Im Jahr 2016 seien es 2016 noch 63 Prozent gewesen, die ein Eigenheim in einer Stadt mit 500 000 und mehr Einwohnern erwerben wollten. Im ersten Halbjahr 2020 waren es Interhyp zufolge nur noch 57 Prozent. Der Anteil der Großstädter, die wieder in einer Großstadt eine Immobilie kaufen, sei in den vergangenen fünf Jahren von 61 auf 58 Prozent gesunken.

          Bewohner aus Metropolstädten - das sind insbesondere Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf - ziehe es zunehmend in Mittel- und Kleinstädte. Der Anteil unter diesen Immobilienkäufern und Bauherren hat sich gegenüber 2016 weiter erhöht: von 17 auf 19 Prozent für Mittelstädte sowie von 12 auf 14 Prozent für Kleinstädte. Nur wenige ziehen nach der Interhyp-Auswertung beim Immobilienkauf allerdings aufs Land oder in Orte, die weniger als 5000 Einwohner haben.

          Kleine Städte werden beliebter

          Dennoch macht Interhyp eine zunehmende Landlust aus: Denn diejenigen, die bereits auf dem Land oder in Kleinstädten lebten, blieben dort heute häufiger als früher: 2016 kauften 56 Prozent der Landbewohner ihre Immobilie auf dem Land, 2020 sind es 59 Prozent. „Den Trend zur Immobilie außerhalb der Ballungszentren beobachten wir nicht erst seit gestern. Doch die Entwicklung gewinnt mit der Pandemie neue Dynamik, wie sich in der Analyse unserer Daten abzeichnet", so Jörg Utecht. Seiner Ansicht nach spielt dabei der Trend zum Homeoffice eine große Rolle.

          „Wenn mobiles Arbeiten es erlaubt, dass der Arbeitsweg nur zweimal in der Woche anfällt, entsteht zeitliche und finanzielle Ersparnis. Das Eigenheim wird in ländlichen Gebieten und Klein- und Mittelstädten zur leistbaren und praktikablen Alternative für diejenigen, die sich in den Groß- und Metropolstädten kein eigenes Zuhause ermöglichen können.“ Allerdings setze dies eine gute Infrastruktur in den Zielgebieten voraus. Dazu gehörten zum Beispiel gute digitale Anbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und eine gute breite ärztliche Versorgung.

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