https://www.faz.net/-gv6-tm96

Immobiliengruppe : Börsengang von Gagfah läuft wie geschmiert

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der zweitgrößte deutsche Börsengang des Jahres scheint ein Selbstläufer zu werden. Die Nachfrage nach Aktien der Immobiliengruppe Gagfah ist so hoch, daß das Orderbuch schon am ersten Tag der Zeichnungsfrist voll war.

          3 Min.

          Der zweitgrößte deutsche Börsengang des Jahres nach Wacker Chemie scheint zum Selbstläufer zu werden. Die Nachfrage nach den Aktien der Immobiliengruppe Gagfah ist derart hoch, daß das Orderbuch schon am Dienstag - dem ersten Tag der Zeichnungsfrist - voll war. Dagegen mußte der Biokraftstoffhersteller Verbio, der eigentlich am Mittwoch sein Börsendebüt hatte geben wollen, wegen fehlender Nachfrage den Start auf den 16. Oktober verschieben und die Preisspanne für das Aktienangebot deutlich von bisher 17 bis 21 Euro auf jetzt 14 bis 15 Euro senken. Damit beträgt das Volumen des Börsenganges noch bis zu 270 Millionen Euro.

          Verbio, immer noch eine mittelgroße Emission, reiht sich mit seinen Schwierigkeiten in eine Kette von mißglückten kleineren Börsengängen seit der Sommerpause ein. Crop Energies, die Bioethanol-Sparte von Südzucker, schaffte den Sprung aufs Parkett nur, indem die Wertpapieraufträge der Privatanleger voll bedient wurden. Kleinere Immobilienunternehmen wie GWB oder Helma mußten ihr Aktienangebot und zum Teil auch die Preisspanne senken. Dagegen kann sich der erst am Montag mit seiner Anlegerwerbetour gestartete Börsenkandidat Gagfah vor Anlegern offenbar kaum retten. „Wir hatten das gesamte Orderbuch am ersten Tag abgedeckt“, bestätigte Matthias Moser, Geschäftsführer von Fortress in Deutschland, dieser Zeitung.

          „Hohe Bewertungen für viele nicht mehr akzeptabel“

          Der amerikanische Finanzinvestor Fortress hatte die Gagfah-Gruppe in den vergangenen Jahren durch drei große Akquisitionen aufgebaut und will nun knapp 20 Prozent der Aktien an die Börse bringen. Dank der schon jetzt hohen Nachfrage ist damit zu rechnen, daß das Gagfah-Aktienangebot mehrfach überzeichnet sein wird und die Aktien möglicherweise auch am oberen Ende der Spanne zugeteilt werden. Derzeit erwägen die den bis zu 853 Millionen Euro schweren Börsengang begleitenden Konsortialführer Deutsche Bank, Dresdner Kleinwort, Goldman Sachs und Morgan Stanley nach Informationen dieser Zeitung zudem, die Zeichnungsfrist schon am 18. statt am 20. Oktober zu beenden und den bislang für den 23. Oktober geplanten Börsengang vorzuziehen. Im Mai konnte zuletzt Viscom, ein Elektronikzulieferer, seine Aktien am oberen Ende der Preisspanne plazieren.

          Seither ist das Umfeld gerade für kleinere Neuemissionen deutlich rauher geworden. „Gerade die kleinen und mittleren Aktien im M- und S-Dax sind in den vergangenen Jahren sehr stark gestiegen. An diesen hohen Bewertungen orientieren sich nun die kleinen und mittleren Unternehmen, die jetzt neu an den Markt kommen“, beobachtet Markus Straub von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Diese hohen Bewertungen sind für viele Anleger aber nicht mehr akzeptabel“, sagt Straub.

          „Wir schauen und suchen die Perlen heraus“

          Großinvestoren wie Jürgen Hackenberg sind gleichwohl nach wie vor offen für Unternehmen, die es an die Börse zieht. „Wir schauen uns jeden Börsengang an und suchen die Perlen heraus“, sagt der Fondsmanager von Union Investment. Kandidaten wie Hotel.de, das als erstes Unternehmen aus der Branche der Internet-Hotelvermittler an die Börse strebt, sind indes derzeit Mangelware. Auffällig ist die Dominanz der beiden Branchen Immobilien und erneuerbare Energien. „Im Moment kommen viele Unternehmen an die Börse, zu denen es schon börsennotierte Vergleichsunternehmen gibt“, stellt Fondsmanager Hackenberg fest.

          „Deshalb verlangen wir besondere Qualität und einen Preisabschlag, der das höhere Risiko eines noch ungelisteten Unternehmens widerspiegeln sollte.“ Daß sich Gagfah in diesem Umfeld so leicht tut, dafür haben Beobachter unterschiedliche Erklärungen. So sind große Unternehmen derzeit offenbar an der Börse beliebter als kleine. Dafür spricht die starke Wertentwicklung von Aktienindizes von Standardtiteln wie dem amerikanischen Dow Jones, der sich auf Rekordniveau befindet, oder anderen europäischen Standardindizes wie dem Schweizer SMI, dem spanischen Ibex oder dem italienischen Mib, die auf neue Jahreshochs geklettert sind.

          „Wir sind enorm erfreut über die Nachfrage“

          Hinzu kommt, daß sich für Neuemissionen erst von einer bestimmten Größe an auch internationale Großanleger interessieren. Ausländische Investoren stören sich womöglich gerade bei Immobilienunternehmen weniger stark an den Preisen von Neuemissionen als Inländer, weil ihnen das Preisniveau von Immobilien in Deutschland im Vergleich zu ihren Heimatmärkten günstig erscheint.

          Zwar hatten sich am Dienstag vereinzelte Fondsmanager kritisch über die Höhe der Preisspanne von Gagfah geäußert, doch einige von ihnen haben offenbar auf die hohe Nachfrage der Ausländer reagiert. „Wir sind enorm erfreut über die Nachfrage vor allem auch aus Deutschland“, sagte Fortress-Chef Moser dieser Zeitung. Er führte dies vor allem darauf zurück, daß mit Gagfah nun die erste wirklich große und liquide deutsche Immobiliengesellschaft an den Markt komme, die zudem einen konservativen Geschäftsplan und gute Wachstumsaussichten habe. Zur Höhe der Nachfrage deutscher Investoren wollte sich Moser nicht äußern. Nach Angaben aus Finanzkreisen machen diese rund 20 Prozent des Orderbuchs aus. Auch Privatanleger zeigen demnach großes Interesse an der Aktie. Bei den ausländischen Investoren haben unter anderem große amerikanische Pensionsfonds, die auf lange Haltezeiten setzen, große Kaufaufträge plaziert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.