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Immobilienaktien : Deutsche Immobilienaktien in den Startlöchern

  • -Aktualisiert am

Immobilienaktien - interessante Alternative zu Fonds Bild: dpa

Deutsche Immobilienaktien führen an der Börse ein Schattendasein. Zu Unrecht, denn einige Titel haben durchaus Fantasie.

          Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Immobilienaktien sind langweilig und es fehlt die Fantasie. Eine Verallgemeinerung, die ungerechtfertigt ist, denn die Gesellschaften unterscheiden sich in ihren Geschäftsfeldern erheblich.

          Zwar sind von den hierzulande gelisteten etwa 60 börsennotierten Unternehmen nur einige für Privatanleger interessant, da die meisten über einen zu geringen Streubesitz verfügen. Durch die großen Unterschiede in den Geschäftsfeldern können Investoren aber die Aktie heraussuchen, die unter Chance-/Risiko-Gesichtspunkten am besten in ihr Depot passt. Eine Investition kann damit zielgerichteter als über einen Offenen Immobilienfonds erfolgen.

          Grundsätzlich unterscheidet man Immobiliengesellschaften nach Projektentwicklern und Bestandshaltern. Darüber hinaus erfolgt die Unterteilung nach in- oder ausländischen Investments und nach Wohnungs- oder Gewerbeimmobilien. Dabei gilt die Faustregel: Je größer die Gesellschaft, und umso mehr Wohnimmobilien sie im Bestand hat, desto geringer ist das Risiko. Aber leider auch die Fantasie.

          IVG gilt als unterbewertet

          Als „sichere Bank“ gilt die im MDax notierte Bonner Gesellschaft IVG. Auch wenn sich das Geschäft ausschließlich auf Büroimmobilien und Businessparks konzentriert. Mit einem Immobilienverkehrswert von rund 3,3 Milliarden Euro in elf europäischen Staaten und einer Gebäudefläche von rund 1,6 Millionen Quadratmetern gehört die Gesellschaft zu den großen Immobilien-Aktiengesellschaften Europas. Das Immobilienvermögen des Konzerns verteilt sich jeweils zur Hälfte auf deutsche Wachstumszentren wie Berlin oder München sowie auf europäische Wirtschaftsmetropolen wie Brüssel, Paris und London.

          Für Fantasie sorgt der Einstieg des Immobilien- und Beteiligungskonzerns WCM. Seit kurzem halten die Frankfurter mehr als 50 Prozent der IVG-Anteile. WCM ist nach eigenen Angaben bereit, ihr Paket zu verkaufen, „allerdings nicht zu diesem Kurs“, wie Unternehmenslenker Roland Flach bereits mehrfach mitteilte. Flach ist damit einer Meinung mit den meisten Analysten, die die IVG für mindestens 20 Prozent unterbewertet halten.

          Spekulativ: TAG und SP

          Spekulativerer Natur ist ein Engagement bei der TAG Tegernsee. Das als Holding fungierende Unternehmen setzt auf den Kauf anderer Immobiliengesellschaften, die die Bereiche Wohn-, Gewerbe- und Spezialimmobilien besetzen. Die TAG ist ein noch relativ neuer Player am Markt, dessen Führungsmannschaft schon in der Vergangenheit glänzen konnte: Das Team um Lutz Ristow ließ bereits die RSE, heute Bestandteil des WCM-Konzerns, mit einem Kursgewinn von mehreren tausend Prozent in wenigen Jahren zu einer der Erfolgsstories Ende der neunziger Jahre werden. Wie die jüngst vorgelegten Zahlen beweisen, ist die TAG auf einem guten Weg. So wuchs der Konzernjahresüberschuss im vergangenen Jahr um mehr als 1.000 Prozent. „Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange, wir werden weiter wachsen“, so Vorstand Olaf Borkers. Kursziel von Georg Kanders, Analyst der WestLB Panmure: 53 Euro.

          Sehr spekulativ ist ein Einstieg in die SP AG, mit einer Marktkapitalisierung von etwa zwölf Millionen Euro die kleinste der börsennotierten Immobiliengesellschaften in Deutschland. Die SP AG investiert ausschließlich im russischen St. Petersburg, einem der Wachstumsmärkte Osteuropas. Ehrgeizigstes Projekt der Gesellschaft: Die Realisierung des größten und modernsten Shopping Centres Russlands am Newskij Prospekt, der bekanntesten Einkaufsstraße der Stadt. „Das Potenzial ist riesig“, sagt Vorstand Markus Rese, „das Projekt wird ein großer Erfolg.“ Die Chancen stehen in der Tat nicht schlecht: Die Gespräche über eine Vorvermietung des Shopping Centres laufen auf Hochtouren. Sobald die ersten Verträge unterzeichnet sind, kann der Umbau des Gebäudes beginnen.

          In einer vor Monaten veröffentlichten Studie sehen die Analysten des Bankhauses Ellwanger & Geiger für die SP AG einen fairen Wert von mehr als sieben Euro - ohne das neue große Projekt. Die weitere Entwicklung der Gesellschaft steht und fällt aber mit der Realisierung des Shopping Centres. Gelingt dieses, steht ein Kursfeuerwerk bevor. Und da sage noch einer, Immobilienaktien fehle die Fantasie.

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