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Umfrage : Versicherer investieren mehr in Immobilien

  • -Aktualisiert am

Neubaugebiet einer Wohnsiedlung Bild: ddp

Die Corona-Pandemie verändert die Immobilienanlage. Versicherer setzen den Fokus auf Wohnen und Logistik, aber weniger auf Büros, Einzelhandel oder Hotels.

          2 Min.

          Die Versicherungen in Deutschland setzen immer mehr auf Immobilien als Kapitalanlage. Von 30 führenden Unternehmen der Branche wollen 63 Prozent den Anteil erhöhen und der Rest diesen konstant halten. Das geht aus dem am Mittwoch vor­gestellten Trendbarometer zu Immobilienanlagen der Assekuranz hervor, für den die Beratungsgesellschaft EY Real Estate im Mai persönliche Gespräche mit Vertretern der Versicherungen geführt hat. Die Immobilienquote am Portfolio gibt die Umfrage dabei mit 11,5 Prozent an, was der höchste Wert seit Beginn der jährlichen Umfrage im Jahr 2008 ist. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Quote damit um 0,8 Prozentpunkte gesteigert und innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Immobiliengeschäft bleibt damit ungeachtet der Folgen der Corona-Pandemie und eines konjunkturellen Rückgangs lukrativ. Als beliebteste Anlageklasse der befragten Versicherungen haben Wohnimmobilien in diesem Jahr den vorherigen Spitzenreiter Logistik überholt. Für Wohnen geben 67 Prozent einen starken Investmentfokus und 29 Prozent einen mittelmäßigen Fokus an. Für Logistik sind es 67 Prozent mit starkem und 17 Prozent mit mittelmäßigem Fokus. Dahinter folgen Infrastruktur sowie Gesundheitsimmobilien.

          Allerdings zeigt sich als Folge des Trends zum Homeoffice, dass für Investitionen in Büros nur noch 21 Prozent einen starken Fokus und 41 Prozent einen mittelmäßigen Fokus angeben. Vor einigen Jahren war dies noch das Hauptinvestitionsziel. „Die Büroflächenbedarfe werden künftig völlig anders sein“, sagt Dietmar Fischer, Partner von EY Real Estate und Autor der Studie. „Dieser Trend ist aus unserer Sicht unumkehrbar.“ Er führt aus, dass Unternehmen wie der Walldorfer Softwarekonzern SAP ihre Mitarbeiter aussuchen lassen, wo sie arbeiten wollen. Damit ist die Büropflicht zumindest teilweise nicht mehr vorhanden. Fischer erwartet, dass dies auch andere Unternehmen so regeln werden. Als Corona-Folge spricht er davon, dass sich die Nachfrage zu pandemieresistenten Nutzungsarten verschiebt. Dazu passt, dass in der Umfrage ebenfalls Einzelhandel und Hotels nur gering im Investmentfokus stehen, die hierbei noch hinter den Büroflächen auftauchen.

          Der „Biden-Effekt“

          Insgesamt sieht Fischer Immobilienanlagen für Versicherungen als unabdingbar im Niedrigzinsumfeld, um Garantiezinsversprechen einzuhalten – auch wenn der Garantiezins zum Beginn des nächsten Jahres zum wiederholten Male sinken sollte. Die befragten Unternehmen erwarten eine Gesamtrendite für dieses Jahr von 4,7 Prozent für direkte Immobilieninvestments, die mit 60 Prozent den Großteil ausmachen, und von 5,6 Prozent für indirekte Investments etwa durch Fondsgesellschaften. Neben Deutschland als beliebtestem Standort rücken ausländische Immobilien stärker ins Blickfeld. So wecken die Vereinigten Staaten von Amerika mehr Aufmerksamkeit als bisher. Fischer spricht vom „Biden-Effekt“ und führt die Nachfrage auf den Wechsel zu einem neuen Präsidenten zurück.

          Für die befragten Versicherungen spielen auch Nachhaltigkeit und damit die ESG-Kriterien eine stärkere Rolle („Environmental“, „Social“ und „Governance“). 95 Prozent gehen davon aus, dass sich nachhaltige Investments neben den ökologisch und sozial positiven Effekten finanziell beim Wiederverkauf auszahlen. Fehlende Bewertungsstandards und ein Mangel an validen Daten seien hierfür noch Hürden.

          Die Versicherungen erkennen einen zunehmenden Wettbewerb bei der Suche nach Immobiliengeschäften. Neben der eigenen Branche sehen sie vor allem private Investoren und Family Offices als Mitbieter, die sie durchaus auch verdrängen. Indikatoren für eine Blasenbildung am Immobilienmarkt erkennt Fischer indes noch nicht. Den Preisanstieg besonders in den Großstädten sieht Fischer aufgrund der Nachfrage als marktwirtschaftliche Entwicklung.

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