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Im Gespräch: Victor Shih, Northwestern University : „Chinas Schulden sind größer als wahrgenommen“

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Nein, sind alles andere, nur nicht solide. Denn sie haben viele Kredite an diese regionalen Institutionen vergeben. Die sehen nur auf dem Papier gut aus, weil die Banken ihren Schuldnern bei Schwierigkeiten einfach größere Kredite geben und so die Probleme einfach in die Zukunft „rollen“. Dieses Prozedere wird in China in großem Stile vollzogen. Sollte die Regierung irgendwann die Kreditvergabe in einem inflationären Umfeld tatsächlich einschränken, werden wir eine riesige Welle an schlechten Krediten sehen.

Sehen Sie inflationäre Risiken im Moment?

Kurzfristig nicht. Möglicherweise jedoch gegen Mitte oder Ende des Jahres. Aufgrund der administrierten Preise lässt sich nie genau sagen, was zu einem inflationären Impuls führen kann, wie etwa die Schweinegrippe im Jahr 2008. Steigende Preise für Schweinefleisch hatten damals für eine Kettenreaktion gesorgt.

Sind die schlechten Kredite nicht problematisch für Chinas Wirtschaft?

Erst dann, wenn sie wirklich zum Tragen kommen. Dann muss das Land große fiskalische und monetäre Mittel aufwenden, um das Problem zu bereinigen. Spätestens dann wird sich das chinesische Wachstum für mehrere Jahre deutlich abkühlen, was auch zu Beschäftigungsproblemen führen wird. Nur eine deutliche Zunahme der Exportaktivitäten, wie wir sie zwischen den Jahren 2001 und 2007 beobachten konnten, könnte das Land dann retten. Ich würde jedoch nicht darauf bauen, denn im Unterschied zu damals haben sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäische Union die chinesische Manipulation des Wechselkurses und die deftigen Subventionen für die Exportindustrie im Blick und reagieren zunehmend mit Zöllen darauf.

Das heißt, spätestens wenn Europa und Amerika in die Rezession zurückfallen sollte, wird es in China zu Rückschlägen kommen?

Nicht erst dann. Denn schon jetzt, im Rahmen einer zögerlichen Erholung, üben die Vereinigten Staaten zunehmenden Druck auf China aus, den Wechselkurs nicht mehr zu frisieren. Und Europa tut dasselbe, denk ich.

Rechnen sie mit dem Ende der Dollarbindung des Yuan?

Es gibt zwar Gerüchte, China werde den Yuan bis Ende des Jahres gegen den Dollar um vier bis fünf Prozent aufwerten. Sie werden jedoch sicherlich nicht allzu bald den Kapitalverkehrt völlig liberalisieren. Darauf ist das Land schlicht und einfach nicht vorbereitet und die Furcht vor den internationalen Kapitalströmen ist zu groß.

Ist die chinesische Wirtschaft transparent? Hat die Zentralregierung Einblick, was in den Provinzen vor sich geht?

Ich habe meine Zweifel. In Bezug auf die lokale Verschuldung haben sie keine Ahnung. Im Moment läuft gerade eine intensive Untersuchung. Ich glaube jedoch nicht, dass das Ergebnis veröffentlicht werden wird. Denn man wird wahrscheinlich ein sehr großes Problem finden. Es wird möglicherweise sogar größer sein als das, was ich in meiner Analyse gefunden habe. Meine Schätzungen bewegen sich auf der konservativen Seite.

In welchen Provinzen sind die Probleme am größten?

Man könnte schnell sagen, in den ärmsten Provinzen. Das jedoch ist nicht sicher, denn gerade die haben Schwierigkeiten, zu viele Kredite von den Banken zu erhalten. Die reichen Provinzen haben eine starke Einkommensbasis. Problematischer sind die mittelgroßen westlichen Regionen, die Ambitionen haben, den wirtschaftlichen Erfolg der östlichen Provinzen zu wiederholen. Sie haben sich im Verhältnis zu ihren Einnahmen stark verschuldet.

Was würden Sie als Anleger tun?

Mir ist die Welt im Moment zu unsicher. Deswegen setze ich auf Gold und auf Cash.

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