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Im Gespräch: Peter Huber, Starcapital : „Die langfristigen Aussichten für Aktien sind hervorragend“

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Glaubt an Aktien, aber nicht an Inflation: StarCapital Fondsmanager Peter E. Huber Bild: privat

Europäische und japanische Aktien sind günstig, ein Ende des Kursaufschwungs nicht absehbar. Die Liquidität könnte langfristig noch einen Schub bringen, meint Vermögensverwalter Peter Huber.

          Die ergriffenen Maßnahmen lösen die Euro-Schuldenkrise nicht. Vielmehr ist irgendwann mit einem Zusammenbruch des Systems zu rechnen. Zumindest befürchtet das der vielfach ausgezeichnete Fondsmanager Peter E. Huber.

          Das Aushängeschild des Vermögensverwalters Star Capital AG rechnet dennoch eher mit Deflation statt mit Inflation. Lesen Sie, wie Huber das begründet und warum er trotz dieser Risiken Aktien mittel- bis langfristig als einzigem produktivem Sachwert das mit Abstand beste Chance/Risiko-Potential zubilligt.

          Herr Huber, die Weltbörsen sind überraschend gut in das neue Jahr gestartet. Wie beurteilen Sie derzeit die Ausgangslage für die Aktienmärkte?

          Bereits im November haben wir in unserem monatlichen Marktausblick unter dem Titel „Jahresend- Rallye“ auf die verbesserten Aussichten für die Aktienmärkte hingewiesen. In der Januar-Ausgabe haben wir unsere Aussage wiederholt. Wir schrieben wörtlich: „Selbst wenn es heute keiner hören will, bieten deshalb Unternehmensbeteiligungen – auch in Form von Aktien – auf längere Sicht das mit Abstand beste Chance/Risiko- Verhältnis.“

          Unter der Überschrift „Für Aktien noch zu früh?“ gaben wir folgendes Statement ab: „Angesichts der ungelösten Schuldenkrise und der bevorstehenden Rezession ist es für aggressive Aktienkäufe vielleicht noch etwas zu früh“ Wir empfahlen deshalb, Aktien „neutral“ zu gewichten, also auf keinen Fall unterzugewichten. Pessimismus sieht anders aus!

          Haben die die Aktienquoten in Ihren Fonds in jüngster Zeit erhöht und Absicherungen aufgehoben?

          Nicht ganz! Als Antizykliker kaufen wir in Schwächephasen und laufen nicht steigenden Kursen hinterher. In unserem internationalen Aktienfonds „StarCap Starpoint“ haben wir unsere Absicherungen bereits im November und Dezember komplett aufgelöst und sind seitdem voll investiert! In unserem chancenorientierten Vermögensfonds „StarCapital Huber Strategy 1“ hatten wir die Aktienquote vor dem Einbruch im letzten Sommer auf das Minimum von 40 Prozent reduziert. Nach dem Einbruch haben wir die niedrigen Kurse genutzt und die Aktienquote wieder auf 60 Prozent erhöht. Dies entspricht unserer Benchmark und damit einer neutralen Gewichtung. Wir haben die Aktienquote also antizyklisch um 50 Prozent erhöht! Zudem hält der Huber Strategy 1 viele hochverzinsliche Unternehmensanleihen, die ebenfalls an der Aktienmarktentwicklung hängen.

          Wie hoch ist die Gefahr eines Kursrückschlags?

          Kurzfristig lassen sich Aktienmärkte nur schwer prognostizieren. Wir raten deshalb von solchen Aktionen ab. „Hin und her macht Taschen leer“, lautet eine alte Börsenweisheit. Wir orientieren uns lieber an den langfristigen Aussichten und die sind für Aktien hervorragend. Die derzeitige Aufwärtsbewegung erfolgt entlang einer „Wall of Worry“ und scheint daher recht gesund. Die ungelöste Schuldenkrise und die Abschwächung der Wirtschaft bergen aber ein hohes Risiko. Deshalb werden wir unsere Aktienbestände auch wieder teilweise absichern, wenn dem Markt die Puste ausgeht. Das ist aber bis jetzt nicht erkennbar.

          Sie schreiben, dass Aktien extrem niedrig bewertet sind. Auf der anderen Seite weisen Sie aber darauf hin, dass amerikanische Aktien mit einem Shiller-KGV von 22,8 alles andere als preiswert sind. Bedeutet dies, dass nur die deutschen Aktien billig sind?

          Amerikanische Titel sind in der Tat derzeit nicht billig. Die Bewertung liegt einiges über dem historischen Durchschnitt. Deshalb sind sie in unseren Fonds auch deutlich untergewichtet, obwohl sie momentan am besten laufen. Niedrig bewertet sind die Märkte, für die die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer negativ ist. Dies gilt insbesondere für die europäischen und japanischen Börsen. Extrem niedrig bewertet sind derzeit viele Aktien aus Problemländern wie Italien, Spanien oder Österreich.

          Wie beurteilen Sie die Inflationsgefahren?

          Die Inflationsfurcht hierzulande ist schon erstaunlich. 90 Prozent der Deutschen erwarten deutlich steigende Teuerungsraten, obwohl es dafür keinerlei Anzeichen gibt. Dafür gibt es zwei Ursachen. Erstens geht man davon aus, dass durch die heiß laufenden Notenpressen das vorhandene Geld entwertet wird. Zweitens erwartet man, dass durch die wachsende Weltbevölkerung die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich steigen werden.

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