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Im Gespräch: Michael Pettis, Finanzprofessor, Peking : „Die Liquidität treibt die Vermögenspreise in China“

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Michael Pettis Bild: Privat

Die Kurse an Chinas Börsen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Allerdings nicht aufgrund von Wachstumserwartungen, sondern wegen hoher Währungsreserven und dem Zufluss heißen Geldes aus dem Ausland.

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          Die Kurse an Chinas Börsen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Allerdings nicht aufgrund von Wachstumserwartungen, sondern wegen hohen Währungsreserven und dem Zufluss heißen Geldes aus dem Ausland.

          Der Aufschwung wird enden, sobald die Liquidität austrocknet. Und das ist nur eine Frage der Zeit, erklärt Michael Pettis. Er ist ehemaliger Wertpapierhändler und Finanzprofessor an der Guanghua School of Management Peking University.

          Die Kurse an Chinas Börsen steigen deutlich, obwohl die Aktien seht teuer sind. Wieso?

          Historisch betrachtet gibt es kaum einen Zusammenhang zwischen Kursentwicklung an der chinesischen Börse und den Wachstumserwartungen. Die wenigsten Anleger kaufen aus fundamentalen Überlegungen. Alleine schon deswegen, weil sie dafür gar nicht die notwendigen Voraussetzungen in Form solider Finanzberichte, guter makroökonomischer Daten oder einer soliden Corporate Governance haben.

          Was bewegt die Börsen dann?

          Erstens sind es Signale, die von der Regierung kommen. Zweitens hängen die Kursbewegungen von der Liquiditätsversorgung ab. Obwohl ich mittelfristig sehr pessimistisch für die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft bin, riet ich im März zum Einstieg in die Märkte. Inzwischen sehen wir, dass die Liquidität die Preise in den verschiedensten Bereichen treibt. Nicht nur an den Börsen, sondern auch in allen nur denkbaren Sammlermärkten.

          Handelt es sich um einen inflationären Boom?

          Nicht mit Blick auf die Inflationsrate. Sie wird in erster Linie von den Nahrungsmittelpreisen beeinflusst. Wobei man daran zweifeln kann, wie nachhaltig die Entwicklung ist. Dagegen werden die Vermögenspreise von der massiven Kreditexpansion im Bankensystem getrieben. Sie war vor allem im dritten Quartal zu beobachten und wird sich im laufenden Quartal fortsetzen. Denn erstens führt der ernorme Handelsbilanzüberschuss zu steigenden Währungsreserven und zweitens fließt viel heißes Geld zu.

          Wie kommt das „heiße Geld“ denn nach China?

          Normalerweise bringt man es in Verbindung mit Aktivitäten von Hedge-Fondsmanagern wie George Soros et cetera. Das ist hier jedoch nicht der Fall, da es schwer ist, Geld auf legale Weise in größeren Beträgen nach China zu bringen. Auf der anderen Seite fließt es über Handelstransaktionen oder Familiennetzwerke zu, da man an den boomenden Vermögensmärkten und der unvermeidbaren Aufwertung der Währung teilhaben will.

          Wird der Yuan denn weiter aufwerten?

          Ja, ich denke schon. Der Druck von außen wird deutlich zunehmen. Das Umfeld für den Welthandel wird sich in den kommenden Monaten im Rahmen des so genannten Währungskrieges deutlich verschlechtern.

          Hat die expansive Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank letztlich das Ziel, die Verbindung zwischen Dollar und Yuan zu brechen?

          Es mag sich um ein untergeordnetes Ziel handeln. Die monetäre Strategie der amerikanischen Zentralbank ist nicht primär darauf ausgerichtet, einen Wechselkurs zu bewegen. Sondern sie hat das Ziel, das Wachstum im amerikanischen Binnenmarkt zu stimulieren. Sollten in diesem Rahmen allerdings Staaten daran gehindert werden, kontinuierlich an den Devisenmärkten zu intervenieren, so wäre das ein zusätzlicher Vorteil.

          Ist die chinesische Konjunktur nicht überhitzt?

          Ja, sie ist. Primär getrieben von Investitionen ist das Wachstum in der gegenwärtigen Form nicht zu halten. Selbst in China halten manche politische Gruppierungen die Entwicklung für sehr gefährlich für China.

          Vor wenigen Tagen wurde der Leitzins erhöht. Wir das etwas ändern?

          Die Zinsen sind in China viel zu tief. Sie sind in meinen Augen die Hauptursache für die Entstehung von Ungleichgewichten in der chinesischen Wirtschaft. Nachdem das reale Zinsniveau in China in den vergangenen Monaten stark gesunken war, handelte es sich um keine Zinserhöhungen, sondern um eine kleine Gegenbewegung dazu.

          In Europa boomt die Wirtschaft Deutschlands, weil der Export nach China floriert.

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