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Im Gespräch: Ekkehard Wenger : „Sparer, verkrümelt euch, oder verprasst eure Habe!“

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Wirtschaftsprofessor Wenger: „Von Symbolpolitik halte ich gar nichts“ Bild: LAIF

Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger hält eine Finanztransaktionssteuer für Unsinn. Das Sparen, vor allem in Aktien, müsse gefördert und nicht belastet werden. Auch Peer Steinbrück bekommt sein Fett weg.

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          Professor Wenger, Bundesregierung und Opposition haben sich im Prinzip auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer verständigt. Ist diese Steuer sinnvoll?

          Nein, eine solche Steuer ist nur Ausdruck der geistigen Verwirrung, die die westeuropäischen Gefälligkeitsdemokratien erfasst hat. Fast überall in Europa ist auf Pump konsumiert worden, und jetzt platzen die Schuldenblasen. Notwendig wären Anreize zur Bildung von Ersparnissen und deren Umsetzung in produktive Investitionen. Stattdessen sollen jetzt ausgerechnet die europäischen Sparer geschröpft und die Kapitallenkung über die Finanzmärkte behindert werden. Es ist kein Wunder, wenn der Rest der Welt glaubt, Europa habe sich in ein Irrenhaus verwandelt.

          Die Banken sollen doch die Steuer zahlen und nicht die Sparer, sagen die Politiker. Glauben Sie wirklich, dass die Banken dann die Steuer in voller Höhe auf ihre Kunden überwälzen können?

          Die Gebühren, die der Privatkunde für den Wertpapierhandel zahlen muss, stehen dank der vielen günstigen Direktbanken seit Jahren unter hohem Wettbewerbsdruck. Daher halte ich es für völlig ausgeschlossen, dass die Banken auf einen Teil ihrer noch verbliebenen Marge verzichten, damit die Kunden die Steuer nicht allein tragen müssen. Insoweit wird es zu einer vollen Überwälzung kommen. Im Geschäft mit institutionellen Anlegern wird das genauso eintreten. Bei den Banken bleibt die Steuerbelastung nur dann liegen, wenn sie Wertpapierkäufe und -verkäufe für den Eigenbestand tätigen.

          Das freut doch die Politiker. Diesen Eigenhandel der Banken, den man seit Beginn der Finanzkrise eindämmen will, würde man mit der Steuer treffen?

          Ja. Wer das gut findet, der übersieht freilich, dass der Eigenhandel der Banken wesentlich zur Liquidität an den Börsen beiträgt. Schrumpft die Liquidität, steigen die Geld-Brief-Spannen und die Kursschwankungen. Das schreckt die Anleger ab und beeinträchtigt damit die Finanzierungskraft der Börsen.

          Mit dem gleichen Argument wird der über Computerprogramme ausgelöste Hochfrequenzhandel, der für mehr als die Hälfte der Börsenumsätze steht, gerechtfertigt. Ist dermaßen viel Liquidität, die durch Umschichtungen in Millisekunden geschaffen wird, wirklich so wichtig?

          Es gibt keine Untersuchung, aus der hervorgeht, dass der Hochfrequenzhandel per saldo mehr Gefahren als Nutzen bringt. Einzelne Computerpannen sind dafür kein Beweis - höchstens dafür, dass der Hochfrequenzhandel - wie alles in der Welt - noch Verbesserungspotential aufweist. Aber selbst wenn der Hochfrequenzhandel tatsächlich schädlich wäre, wäre das kein Argument dafür, dass der Rest der Welt mit einer absolut kontraproduktiven Steuer überzogen wird. Erforderlich wären dann Maßnahmen, die direkt gegen den Hochfrequenzhandel gerichtet sind, und nicht eine gemeinschädliche Steuer, die gerade der Hochfrequenzhandel am leichtesten vermeiden kann.

          Wie das?

          Anstelle der Deutschen Börse würde ich einfach meine Computer in Dubai oder Singapur aufstellen und wenn nötig dafür eine dem dortigen Recht unterstehende Tochtergesellschaft gründen. Dann findet der Hochfrequenzhandel mit deutschen Aktien eben dort statt. Auch andere Großanleger würden in Länder, wo es keine Finanztransaktionssteuer gibt, ausweichen und Deutschland als Finanzplatz meiden. Schweden, das schon einmal eine Finanztransaktionssteuer hatte, ist heute dagegen. Warum wohl? Ich kann nur warnen: Mit einer Finanztransaktionssteuer schießt sich Deutschland selbst ins Knie.

          Aber Deutschland will die Steuer in ganz Europa durchsetzen. In England gibt es sogar schon eine „kleine“ Finanztransaktionssteuer, die Stempelsteuer. So schädlich kann sie doch nicht sein, wenn sogar Europas wichtigster Finanzplatz damit lebt?

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