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ICBC : Größter Börsengang der Welt ist ein voller Erfolg

Bild: F.A.Z.

Investoren hatten im Vorfeld insgesamt eine halbe Billion Dollar zur Verfügung gestellt. Der Aufwand des ICBC-Börsengangs hat sich gelohnt. Nun bringen die begleitenden Banken wohl die Mehrzuteilungsoption an den Markt.

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          Der größte Börsengang der Welt ist ein Erfolg geworden. Die Aktien der Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) sind zu Handelsbeginn in Hongkong um 18 Prozent gestiegen und gingen mit einem Plus von 15 Prozent aus dem Handel. Für den Börsengang mit einem Volumen von 19,1 Milliarden Dollar hatten Investoren im Vorfeld insgesamt rund eine halbe Billion Dollar zur Verfügung gestellt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die begleitenden Banken - Merrill Lynch, die Deutsche Bank, Credit Suisse, China International Capital und ICEA Capital - dürften nun die Mehrzuteilungsoption an den Markt bringen. Dies steigert das Gesamtvolumen auf 21,9 Milliarden Dollar. Die größte chinesische Staatsbank ist damit aus dem Stand auf Rang fünf der größten Banken der Erde vorgedrungen, mit einer Marktkapitalisierung von knapp 147 Milliarden Dollar.

          Erstmals simultan in Schanghai und Hongkong

          Der ICBC-Börsengang ist eine Premiere in mehrfacher Hinsicht: So ist er zugleich der größte Börsengang am festlandchinesischen Handelsplatz Schanghai, der erste Börsengang, der simultan in Schanghai und Hongkong durchgeführt wird, und der erste, bei dem ein chinesisches Unternehmen eine Mehrzuteilungsoption zuläßt. Etwa 75 Prozent der Aktien wurden in Hongkong an internationale Anleger verkauft.

          Die Aktie schnellte zu Handelsbeginn in Hongkong auf 3,63 Hongkong Dollar, nach 3,07 Hongkong Dollar Ausgabepreis. An der Börse in Schanghai jubelten die Händler, als sie die Kursentwicklung in Hongkong sahen. In Schanghai selbst gewann das Papier zwischenzeitlich gut 10 Prozent und erreichte einen Wert von 3,44 Yuan. Hier hatte der Ausgabepreis 3,12 Yuan betragen. Aus dem Handel aber ging es mit einem eher enttäuschenden Plus von gut 5 Prozent auf 3,28 Yuan.

          ICBC als Höhepunkt der Banken-Privatisierung

          Die gute Entwicklung in Hongkong trieb den dortigen Hang-Seng-Index zwischenzeitlich auf einen Rekordstand. Aus dieser Handelswoche ging er aber mit einem Minus von 0,3 Prozent. Die Kursentwicklung der beiden anderen in Hongkong notierten großen Staatsbanken Chinas weist darauf hin, daß Investoren zugunsten der ICBC umschichteten: Die Aktie der China Construction Bank (CCB) verlor im Handel 1,1 Prozent, die der Bank of China (BOC) büßte 0,6 Prozent ein.

          Auch wenn ICBC den Höhepunkt der Privatisierung der chinesischen Staatsbanken markiert, haben die anderen, zuvor an die Börsen gegangenen Institute inzwischen gut abgeschnitten. Die Bank of Communications (Bocom) notiert 132 Prozent über dem Kurs ihrer Erstnotiz. CCB hat 50 Prozent zugelegt, die BOC liegt 13 Prozent über ihrem Einführungskurs. Als nächste Bank dürfte die China Citic Bank in Hongkong an die Börse gehen. Sie könnte zu Beginn kommenden Jahres rund 2 Milliarden Dollar erzielen, erwarten Analysten.

          Börsengang war zum Erfolg verdammt

          Gemessen an ihrer Größe und im Vergleich zu den anderen chinesischen Banken, ist ICBC relativ günstig angeboten worden: Der Preis lag beim 2,23fachen ihres Buchwertes. Zum Vergleich: Die BOC wird mit dem 2,35fachen bewertet, die CCB liegt beim 2,66fachen und Bocom beim 3,04fachen. Zudem will sich der Haupteigentümer der ICBC, der chinesische Staat, auch bei der Ausschüttung großzügig zeigen: Die Aktionäre sollen zwischen 45 und 60 Prozent des Reingewinns für 2007 und 2008 als Dividende erhalten. Die Konkurrenten BOC und CCB schütten nur 35 bis 45 Prozent aus.

          All dies weist auf das Gewicht, das die chinesische Staatsführung dem Börsengang der größten Bank des Landes beimaß: Er war zum Erfolg verdammt, weil die überbordende Nachfrage im In- und Ausland als Beleg für die Gesundung des chinesischen Finanzmarktes verstanden werden soll. Erst vor wenigen Monaten hatte Peking überhaupt Erstnotizen in China wieder zugelassen. Drei der vier großen chinesischen Staatsbanken sind damit innerhalb von nur einem Jahr erfolgreich an die Börse gegangen und haben Aktien im Wert von 42 Milliarden Dollar verkauft.

          Höchster Ertrag für eine Kurzzeitinvestition

          Mindestens genauso wichtig erscheinen aus chinesischer Sicht der Image-Gewinn durch die Investitionen der Ausländer und der Wissenstransfer, den ausländische Großbanken nach ihrer Beteiligung leisten. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs (7 Prozent), American Express (0,5) und der deutsche Versicherungskonzern Allianz (2,5) haben sich vor dem Börsengang mit insgesamt 3,78 Milliarden Dollar an der ICBC beteiligt.

          Ihre Buchwerte sind deutlich gestiegen, allein Goldman Sachs kommt mit knapp 5 Milliarden Dollar Buchgewinn auf den höchsten Ertrag für eine Kurzzeitinvestition in seiner Geschichte. Der Anteilswert der Allianz hat sich auf 2,9 Milliarden Dollar nahezu verdreifacht. Alle ausländischen Investoren aber haben ein Verkaufsverbot über drei Jahre unterzeichnet. Die glücklichste Hand bei einer chinesischen Investition verbucht bislang die Royal Bank of Scotland: Ihre Beteiligung von 1,55 Milliarden Dollar an der BOC im vergangenen Jahr ist inzwischen rund 9,2 Milliarden Dollar wert.

          360.000 Mitarbeiter und 18.800 Filialen in China

          Wichtiger aus Sicht der Ausländer dürfte sein, am wachsenden Geschäft teilzuhaben. So dürfte sich die Allianz erhoffen, mittelfristig Versicherungsverträge über das Filialnetz absetzen zu können. ICBC hat 360.000 Mitarbeiter und 18.800 Filialen in China. Ihr Kundenstamm (150 Millionen Privatkunden) zählt mehr Köpfe als Rußland Einwohner (143,2 Millionen). ICBC erwartet, daß ihr Reingewinn in diesem Jahr um 26 Prozent auf umgerechnet rund 6 Milliarden Dollar steigt.

          Die Rate der uneinbringlichen Kredite lag im Juni nach offiziellen Angaben bei 4,1 Prozent, nach offiziell 34 Prozent im Jahr 2000. Kurz vor dem Börsengang protestierten vereinzelte Mitarbeiter in Peking gegen den erwarteten Personalabbau.

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