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Hybridanleihe : Bahn nimmt Milliarden am Kapitalmarkt auf

ICE am Bahnsteig: Investoren, bitte einsteigen! Bild: dpa

Die Deutsche Bahn geht zwar nicht an die Börse. Doch sie will nun ein spezielles Wertpapier herausgeben – eine Mischung zwischen Aktie und Anleihe.

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          Nein, es ist kein nachgeholter Bahn-Börsengang à la Hartmut Mehdorn. Es gibt jetzt auch kein Stückchen Bahn für jeden. Und doch ist es etwas Neues für die Deutsche Bahn, was das Staatsunternehmen in der kommenden Woche unter Beteiligung privater Investoren wagen will. Die Bahn will Hybridanleihen in einem Volumen von voraussichtlich rund 2 Milliarden Euro begeben, die dann an der Börse gehandelt werden sollen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Geld soll genutzt werden, um die größte Investitionsoffensive in der Geschichte der Deutschen Bahn besser finanzieren zu können, neben Bundesmitteln und dem Geld aus einem möglichen Verkauf oder Börsengang der britischen Bahn-Tochtergesellschaft Arriva. Es geht um Investitionen in Personal, Infrastruktur und Züge, wie sie auch im Rahmen der Klimadebatte von der Politik nachdrücklich gefordert werden.

          Hybridanleihen sind bei anderen Unternehmen wie Volkswagen längst gang und gäbe. Die Papiere sind gleichsam ein Zwischending zwischen Aktie und Anleihe. Anders als bei Aktien hat der Zeichner einer Hybridanleihe kein Mitspracherecht im Unternehmen. Er hat kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung und besitzt auch aktienrechtlich keinen Anteil an dem Unternehmen. Er bekommt dementsprechend auch keine Dividende, er nimmt also nicht unmittelbar an Gewinn oder Verlust des Unternehmens teil.

          Und doch ist er enger an das Unternehmen gebunden als ein klassischer Fremdkapitalgeber wie ein herkömmlicher Anleiheinvestor. Das drückt sich unter anderem darin aus, dass die Anleihe bei einer Schieflage des Unternehmens erst nachrangig bedient wird, also nach anderen Verbindlichkeiten. Und Hybridanleihen haben auch meistens sehr lange Laufzeiten; unter Umständen ist die Laufzeit sogar unbegrenzt, sofern das Unternehmen nicht zwischenzeitlich die Option zieht, die Anleihe zu tilgen. Hybridanleihen sind damit etwas weniger „Schulden“ als normale Anleihen. Das hat zur Folge, dass Hybridanleihen von den Ratingagenturen zu 50 Prozent zum Eigenkapital gezählt werden. Aus bilanzieller Sicht nach dem Rechnungslegungsstandard IFRS 16 gelten sie sogar zu 100 Prozent als Eigenkapital.

          Der Hybridanleihen-Investor steckt sein Geld also in ein „eigenkapitalähnliches“ Instrument und hat ein höheres Risiko als bei normalen Anleihen, darf aber anders als bei Aktien im Unternehmen nicht mitreden und nicht von den Gewinnen profitieren. Dafür gibt es für ihn als Ausgleich einen höheren Kupon als bei den normalen Anleihen, was in Zeiten der allgemeinen Niedrigzinsen für Anleger vielleicht auch nicht schlecht ist – zumal die Ausfallwahrscheinlichkeit bei einem solchen, für das Land elementar wichtigen Staatsunternehmen wie der Bahn vielleicht dann doch auch nicht so wahnsinnig hoch sein dürfte.

          Normale Anleihen der Bahn, die häufig in Fremdwährungen begeben werden, hatten im vergangenen Jahr Verzinsungen zwischen 0,6 und 1,7 Prozent. Mittlerweile haben 31 Anleihen des Unternehmens am Markt eine negative Rendite. 2016 war es der Bahn sogar als erstem Unternehmen gelungen, eine Euroanleihe mit Null-Kupon und einer negativen Emissionsrendite am Markt zu platzieren. Viele Anleihen von Staatsunternehmen haben derzeit negative Renditen, weil die Investoren an den Märkten relativ sichere Anleihen suchen, die Kurse deshalb steigen und die Renditen im Gegenzug sinken.

          Risikoprämie für Profis

          Den genauen Aufschlag, den die Bahn in der kommenden Woche zusätzlichen zu ihren normalen Anleihenkupons zahlen will, hat sie bislang noch nicht veröffentlicht. Auf jeden Fall ist die Geldaufnahme für das Unternehmen auf diese Weise tendenziell teurer als über normale Anleihen. Für die Bahn ist es aber beispielsweise ein Vorteil, dass die Hybridanleihen die Schuldenquote des Unternehmens schonen und damit das Rating des Unternehmens weniger belasten, was wiederum insgesamt zu günstigeren Finanzierungskonditionen führen könnte. Zudem zeigt die Bahn auf diese Weise, dass sie neben den gewaltigen Mitteln ihres Eigentümers auch selbst einen Teil der Finanzierung der dringend notwendigen Investitionen aufbringen kann.

          Bis 2030, so sieht es das Klimapaket der Bundesregierung vor, will der Staat unter dem Stichwort „Kapitalerhöhung DB“ jährlich rund eine Milliarde Euro zusätzliches Eigenkapital für die Bahn zur Verfügung stellen. Einschließlich eigener Mittel der Bahn sind in diesem Rahmen Investitionen in Höhe von stolzen 156 Milliarden Euro geplant. Erklärt worden ist die plötzliche Großzügigkeit des Bundes als Bahn-Eigentümer mit „einer Mischung aus Greta-Effekt und schlechtem Gewissen“.

          Für private Kleinanleger sollen die Hybridanleihen allerdings nicht gedacht sein, eher für institutionelle Investoren. Nach allem, was man hört, könnte schon eine Stückelung der Anleihen über Beträge im sechsstelligen Bereich die Beteiligung von Kleinsparern weitgehend ausschließen. Seit Mittwoch ist die Bahn nun auf Roadshow bei großen Geldsammelstellen und wirbt für das neue Anlage-Instrument. Alexander Doll, Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der DB AG, sagte am Mittwoch der F.A.Z.: „Unser neues Finanzierungsinstrument Hybridanleihe stärkt unser Eigenkapital und unterstützt unsere Ratings. Zugleich sind Hybridanleihen in der aktuellen Niedrigzinsphase für Investoren besonders attraktiv.“ Er rechnet daher mit guter Nachfrage.

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