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Ärger bei HSBC : Aufregung um Spott über Klimawandel

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Not amused: HSBC-Chef Noel Quinn, hier auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow, muss die Bedeutung des Klimawandels gegen eigene Leute verteidigen. Bild: Reuters

Große Aufregung um HSBC. Ein Manager spielt öffentlich den Klimawandel herunter – die Führungsetage distanziert sich und müht sich um Schadensbegrenzung.

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          Nach umstrittenen Äußerungen zur Klimapolitik aus der Führungsriege ist die britische Großbank HSBC unter dem Vorstandsvorsitzenden Noel Quinn nun bemüht, die Wogen zu glätten. Sein Institut werde sich nicht von dem Vorhaben abbringen lassen, die Wirtschaft weltweit bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu unterstützen, sagte Quinn am Wochenende in einem Beitrag auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn. Seine Mitteilung fand Unterstützung durch mehrere HSBC-Banker wie dem Leiter des Vermögensmanagements, Nuno Matos.

          Die jüngsten Äußerungen des global für nachhaltige Anlagen zuständigen Bereichsleiters Stuart Kirk seien mit der Strategie der Bank nicht vereinbar und spiegelten nicht die Ansichten der Führungsetage wider. Kirk hatte am Donnerstag auf einer Branchenkonferenz gesagt, unter anderem die Zentralbanken würden die finanziellen Risiken des Klimawandels übertreiben. Damit zog er Kritik von Klimaschützern auf sich.

          „Spinner, die vom Ende der Welt erzählen“

          Nach Angaben der „Financial Times unter Berufung auf informierte Kreise wurde Kirk aufgrund seiner Äußerungen suspendiert. Eine interne Untersuchung laufe. Kirk hatte nicht nur Zentralbanken und Finanzindustrie dafür kritisiert, sich zu sehr um den Klimawandel zu sorgen, sondern sich auch beklagte, er habe immer wieder mit „irgendwelchen Spinnern zu tun, die mir vom Ende der Welt erzählen“, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Klimawandel sei kein finanzielles Risiko, über das man sich Sorgen machen müsse“, habe Kirk am Donnerstag in einem 15-minütigen Vortrag auf einer Konferenz der „Financial Times“ gesagt. In Richtung des ehemaligen britischen Zentralbankgouverneur Mark Carney hatte er gesagt, er verstehe, dass dieser am Ende seiner Zentralbankkarriere noch viele, viele Jahre zu überbrücken habe. Da müsse dieser andere überbieten. Aber er habe das Gefühl, es laufe ein wenig aus dem Ruder.

          Banken vernachlässigten wegen der Klimarisiken dringendere Probleme, wie etwa die Krypto-Szene, die die Finanzindustrie angreife, die amerikanische Regulierung, ein China-Problem, eine drohende Immobilienkrise, steigende Zinsen und die Inflation. Er aber solle sich immer wieder mit etwas beschäftigen, das erst in 20 oder 30 Jahren passieren werde – da sei die Verhältnismäßigkeit völlig aus den Fugen geraten. Die Menschheit sollte sich darauf konzentrieren, sich an eine im Wandel befindliche Umwelt anzupassen, sagte Kirk. „Wen kümmere schon, wenn Miami in 100 Jahren sechs Meter unter dem Meeresspiegel liege. Amsterdam tue das schon seit Ewigkeiten.

          „Äußerungen einer Einzelperson“

          Nicolas Moreau, Vorstand der Vermögensverwaltung von HSBC, wies Kirks Einlassungen zurück. Die Äußerungen spiegelten in keiner Weise die Ansichten von HSBC wider. Man betrachte den Klimawandel als eine der ernsthaftesten Bedrohungen des Planeten und engagiere sich dafür, bis 2050 das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Auch Celine Herweijer, Nachhaltigkeitsvorständin der HSBC-Gruppe sagte Kirks Kommentare seien absolut nicht Meinung des Unternehmens, sondern Äußerungen einer Einzelperson, sagte sie Bloomberg. Der Klimawandel sei für HSBC ein Top-Thema.

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