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Großfusion : Hongkonger Börse will Londoner Börse kaufen

Ein Blick in die Räumlichkeiten der Londoner Börse Bild: dpa

Der britische Börsenbetreiber reagiert zurückhaltend auf das Übernahmeangebot des Hongkonger Konkurrenten. Die mögliche Megatransaktion fällt in eine Zeit schwerer politischer Spannungen in Asien und Europa.

          Der Aktienkurs des Börsenbetreibers London Stock Exchange (LSE) ist am Mittwoch in die Höhe geschnellt und lag zwischenzeitlich rund 15 Prozent im Plus. Grund ist eine Ankündigung der Börse Hongkong (HKEX), die LSE übernehmen zu wollen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Geschäftsführung der LSE reagierte am Mittwochvormittag zurückhaltend auf das Übernahmeangebot aus Hongkong und sprach von einem „nicht bestellten, vorläufigen und hochgradig bedingten“ Vorschlag. Man werde diesen prüfen und sich zu gegebener Zeit weiter äußern. So steht das Übernahmeangebot unter dem Vorbehalt, dass der von der LSE geplante Kauf des Finanzdatendienstleisters Refinitiv nicht zustande komme – wenn etwa die LSE-Aktionäre dagegen stimmten oder die Transaktion sich aus anderen Gründen verzögere. Die LSE-Gruppe bleibt dessen ungeachtet weiterhin entschlossen, ihre Pläne zur Übernahme von Refinitiv voranzutreiben. Hier mache man „gute Fortschritte".

          Die Hongkonger HKEX habe der Londoner LSE ein Übernahmeangebot vorgelegt, das die Londoner Börse mit rund 29,6 Milliarden britischen Pfund bewertet, was etwa 33 Milliarden Euro entspricht. Die Offerte bestehe aus einem Bar- und einem Aktienanteil. Eine Fusion würde nicht nur einen weltweit führenden Finanzmarktkonzern entstehen lassen, sondern auch beide Geschäfte stärken, erklärte HKEX.

          „Die HKEX und die LSE Gruppe zusammen werden den globalen Kapitalmarkt für die nächsten Jahrzehnte neu definieren“, sagte Charles Li, der Vorstandsvorsitzende (CEO) der Hongkonger Börse. Beides seien großartige Marken, besäßen finanzielle Stärke und seien erwiesenermaßen Wachstumskonzerne. „Zusammen werden wie Ost und West verbinden, mehr diversifiziert sein, und wir werden es schaffen, unseren Kunden bessere Innovationen, Risikomanagement und Handelsmöglichkeiten zu bieten“, fügte Li hinzu.

          Das Angebot der Hongkonger für die London Stock Exchange ist zweigeteilt, zum einen bietet sie je LSE-Aktie 20,45 Pfund in bar und zum anderen 2,495 neue HKEX-Aktien. Zusammen wollen die Hongkonger also 83,61 Pfund je LSE-Aktie zahlen. Das entspräche einem Aufschlag von 23 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs der Aktien am Dienstag.

          LON.STK.EXCH

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          Die mögliche Großfusion fällt in eine Zeit schwerer politischer Spannungen. So herrscht mit Blick auf die Londoner Börse große Unsicherheit, wie sich der britische Finanzplatz nach einem Austritt des Landes aus der Europäischen Union entwickeln wird. Gleichzeitig demonstrieren Hongkonger Bürger seit dem Frühjahr gegen den wachsenden Einfluss Pekings auf die Sonderverwaltungszone. Die Spannungen ziehen auch den wichtigen Finanzplatz Hongkong in Mitleidenschaft.

          Auch die Deutsche Börse hatte versucht, mit der mächtigen Konkurrentin aus London zu fusionieren. Der Deal scheiterte jedoch an Vorbehalten der Brüsseler Wettbewerbshüter und stand wegen des Verdachts des Insiderhandels gegen den damaligen Chef der Deutschen Börse unter keinen guten Stern. Der Aktienkurs der Deutschen Börse hat am Mittwoch Vormittag noch nicht auf die Ankündigung der Großfusion der beiden Wettbewerber aus Hongkong und London reagiert. Die HKEX und die LSE könnten mit ihrer Fusion einen der größten Handelsplätze bilden.

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