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Warnung vor „Finanzkrieg“ : Chinesische Unternehmen finden Börsenalternative zu Amerika

Eine Frau steht vor der Hongkonger-Skyline: Ersetzt die Metropole die amerikanischen Börsenplätze für chinesische Unternehmen? Bild: AFP

Nach Alibaba wollen auch Netease und JD.com ein Zweitlisting in Hongkong. Beobachter in der Volksrepublik rechnen damit, dass es bald vorbei sein könnte mit dem Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt.

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          Wie weit wird Donald Trump gehen in seinen Sanktionen, mit denen er China belegen will? Bei Amerikas Präsident müsse man mittlerweile mit allem rechnen, warnen dieser Tage Vertreter der chinesischen Regierung in Hintergrundgesprächen mit Reportern. Trump könne einen „Finanzkrieg“ gegen die Volksrepublik führen – und auf dessen Höhepunkt Chinas Banken und Unternehmen abschneiden vom amerikanischen Dollar-System, so dass diese keine Transaktionen in der Währung mehr tätigen könnten.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Das es so weit kommt, beruhigen indes Fachleute, sei allerdings allein schon wegen des Umstands wenig wahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten darauf angewiesen sind, dass China weiterhin ihre Schulden finanziert. Eine andere Volte Trumps in einem Finanzkrieg hingegen wird von Tag zu Tag realistischer: dass Washington chinesische Unternehmen vom amerikanischen Aktienmarkt drängt.

          Er werde die „Praktiken chinesischer Unternehmen“ an Amerikas Börsen „studieren“, sagte Trump vergangenen Freitag im Rosengarten des Weißen Hauses, als er Sanktionen gegen China ankündigte als Vergeltung dafür, dass Peking in der Sonderverwaltungszone ein Nationales Sicherheitsgesetz einführen will.

          Donald Trump will die „Praktiken chinesischer Unternehmen“ an Amerikas Börsen „studieren“.
          Donald Trump will die „Praktiken chinesischer Unternehmen“ an Amerikas Börsen „studieren“. : Bild: AP

          Ausweichplatz Hongkong

          Weil bereits der amerikanische Senat ein Gesetz verabschiedet hat, nachdem chinesische Unternehmen gegenüber der Börsenaufsicht ihre Bücher offenlegen und beweisen müssen, dass sie nicht unter dem Einfluss der chinesischen Regierung stehen, rechnen viele Beobachter in der Volksrepublik damit, dass es bald vorbei sein könnte mit dem Zugang zum amerikanischen Kapitalmarkt. Der an der New York Stock Exchange (NYSE) notierte E-Commerce-Konzern Alibaba hatte in der Folge bereits im vergangenen Herbst einen Ausweichplatz an der Hongkonger Börse gefunden und bei einem Zweitlisting 13 Milliarden Dollar eingesammelt. Nun will es ihm das Internetunternehmen Netease gleich tun, wenngleich auch im kleineren Maßstab.

          Der Spieleanbieter aus dem südchinesischen Guangzhou, der im vergangenen Jahr 60 Milliarden Yuan (7,6 Milliarden Euro) XX, ist bereits an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notiert, wo der Aktienpreis seit der Erstnotiz im Jahr 2000 von 3 Dollar auf mittlerweile fast 400 Dollar geklettert ist. 2001 wurde Netease dort schon einmal hinausgeworfen, nachdem es Vorwürfe gegeben hatte, das Unternehmen habe seine Bilanzzahlen gefälscht. Nun will Netease am 11. Juni in Hongkong 171,48 Millionen Aktien auf den Zweitmarkt werfen, was dem Unternehmen einen Erlös von 2,6 Milliarden Dollar einbringen könnte. Der Wert kann sich noch ändern, weil der Preis für eine Aktie erst am Freitag festgesetzt wird. An einen Aktienmarkt zurückzukehren, der „näher an unseren Wurzeln ist“, sagte William Ding, Gründer und Vorstandschef des Konzerns, werde dessen „Leidenschaft für das Geschäft“ beflügeln.

          Alibaba und Netease sind nicht die einzigen Technologieunternehmen, die es aus dem immer grauer wirkenden amerikanischen Traum wieder näher an die Heimat zieht. Auch der Gründer des chinesischen Suchmaschinengiganten Baidu, der derzeit viel in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz und autonom fahrender Autos investiert, hat schon mit einer Rückkehr an die Börse in China geliebäugelt.

          Als nahezu sicher gilt, dass auch der E-Commerce-Anbieter und Alibaba-Konkurrent JD.com neben seiner Notierung an der Nasdaq ein Zweitlisting in Hongkong anstrebt. Der Konzern mit Sitz in Peking will dem Vernehmen nach dort eine Woche später an die Börse und bei der Emission zwischen 2,5 und 3 Milliarden Dollar einnehmen.

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