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Baumaterial : Holzpreise in Amerika sinken rapide

Gute Nachrichten für deutsche Hausbauer: Bauholz wird wieder billiger. Bild: dpa

Währen in Deutschland die Baumaterialien extrem teuer sind, krachen die Holzpreise in Amerika ein. Aber auch bei uns könnte Bauholz schon bald wieder billiger werden.

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          „Lumber prices crash“. Dass die Nachricht von implodierenden Holzpreisen für die Leser der zweitgrößten kanadischen Tageszeitung The Globe and Mail ein Aufregerthema ist, steht angesichts der Bedeutung der Forstwirtschaft in dem waldreichen Riesenland außer Frage. Die Nachricht könnte aber bald schon auch die deutschen Hausbauer interessieren. Schließlich ist der Holzexport nach Amerika einer der wichtigsten Gründe, warum in Deutschland seit Monaten Bauholz knapp und teuer ist. Die Preise für Balken und Dachlatten sind auf einem nicht gekannten Niveau. Häufig müssen Bauwillige lange auf eine Lieferung warten, die üblichen Preisgarantien bei Unterschrift unter den Liefervertrag gelten zum großen Teil nicht mehr. Heute zählt der Tagespreis bei Lieferung.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Dass die Holzpreise in Amerika momentan stark fallen, hat mehrere Gründe: Die Sägewerke dort haben ihre Kapazitäten angesichts der lange steigenden Preise erhöht. Zugleich haben Bauwillige ihre Projekte verschoben, zudem ist die Nachfrage in den Ferienmonaten im Sommer ohnehin geringer. Die Höchstpreise Mitte Mai von umgerechnet 870 Euro je Kubikmeter Schnittholz seien mittlerweile auf 300 Euro gefallen, sagt Gerd Ebner, Chefredakteur des Wiener Holzkuriers, des größten Branchendiensts im deutschsprachigen Raum. Der Experte nennt noch eine weitere Erklärung für die fallenden Preise: Das viele von Europa nach Amerika verschiffte Holz könne in den Häfen dort nicht schnell genug abtransportiert werden, es fehlte schlicht an Lastwagen. Das Holz müsse zwischengelagert werden, so wachse das Angebot weiter.

          Preisschwankungen zwischen 400 und 800 Euro

          Klar sei, bei diesen Preisen werde der Export aus Europa zurückgehen. Für 300 Euro lohne sich die Überfahrt nicht, sagt Ebner. Allerdings müssten die Holzverarbeiter und Sägewerke ihre Lieferverträge noch erfüllen, einen abrupten Exportstopp werde es deshalb nicht geben. Wie sich der Preisverfall in Amerika dauerhaft auf Europa auswirke, darüber könne man zurzeit nur spekulieren. Erst im Herbst, wenn die Bautätigkeit sich wieder normalisiere, werde man mehr Klarheit bekommen.

          Allerdings ist nach Ebners Worten schon heute zu beobachten, dass „absurd hohe“ Spitzenpreise wie 1000 Euro für einen Kubikmeter Dachlatten zurückgehen. Aktuell gebe es wegen der Unsicherheit aber starke Preisschwankungen zwischen 400 und 800 Euro. Zugleich lasse die teilweise extreme Versorgungsknappheit langsam nach. Julia Möbius vom Verband der Säge- und Holzindustrie beobachtet Ähnliches. In allen Regionen fielen die Preise zurzeit, die Bestellungen gingen zurück, sagte sie der F.A.Z. Über die Größenordnung und Dauerhaftigkeit wolle sie nicht spekulieren. Fakt ist: Wegen des Materialmangels hatten viele Zimmereien ihre Läger gefüllt und damit die Nachfrage weiter angeheizt. Das Hamstern könnte langsam ein Ende finden.

          Ob die Preise weiter fallen, könne man heute noch nicht absehen, sagt Ebner. Die hohe Nachfrage in Amerika und die der Chinesen nach europäischem Rundholz – also unbearbeiteten Stämmen – sei ungebrochen. Noch immer zahlten die Chinesen dafür vergleichsweise hohe Preise. Zudem hätten die Kanadier mit Waldbränden zu kämpfen und müssten deshalb ihr Angebot drosseln.

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