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Hoher Quartalsverlust : Warren Buffett liefert bescheidene Ergebnisse

Wo Warren Buffett ist, ist Betrieb. Bild: Reuters

Die Aktie von Berkshire Hathaway ist 300.000 Dollar wert. Doch die neuesten Zahlen enttäuschen. Der Gewinn ist zusammengeschmolzen. Und im vergangenen Quartal hat das Unternehmen einen Milliardenverlust eingefahren.

          Welche Aktie ist schon 300.000 Dollar wert? Die Rede ist von einer einzelnen wohlgemerkt. Es muss schon ein besonderes Unternehmen sein, das solche Aktien besitzt. Und das ist Berkshire Hathaway allemal. Vor allem sein Chef, Starinvestor Warren Buffett. Mit 88 Jahren ist er immer noch an Bord, seit 54 Jahren nun schon. Mit mehr als 200 Milliarden Dollar Börsenwert ist Berkshire eines der größten Unternehmen der Welt, größer als jeder Dax-Konzern, egal, ob er Siemens, BASF oder Allianz heißt. Buffett selbst ist Milliardär und einer der reichsten Menschen der Welt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Buffetts Unternehmen ist eigentlich ein Rückversicherer, aber an rund 80 Unternehmen beteiligt, von Weltfirmen wie Apple, Coca-Cola, American Express, Kraft Heinz oder Goldman Sachs bis zu kleinen deutschen Mittelständlern. So hat Buffetts Wort und Tat Gewicht. Wenn er neue Beteiligungen eingeht, dann bewegt das die Märkte. Fondsmanager auf der ganzen Welt, etwa der Deutsche Hendrik Leber von Acatis, ahmen Buffetts Ansatz nach, sogar ein Algorithmus wurde entwickelt, der das übernimmt. Schließlich war Buffett bisher sehr erfolgreich mit seinen Investitionen.

          Woodstock für Kapitalisten

          Wenn Buffett zu den Aktionären spricht, hören darum alle genau hin. Zum Beispiel auf der traditionellen Hauptversammlung. Hierzu lädt Buffett nicht etwa ins Finanzzentrum New York, sondern wie immer zum Unternehmenssitz im Städtchen Omaha in Nebraska. Es ist ein riesiges Spektakel, Tausende Anhänger kommen, es gibt T-Shirts und Mützen mit Berkshire-Aufdruck und Buffetts Konterfei. Produkte seiner Beteiligungen werden verkauft, auf der Bühne trinkt er gerne Coca-Cola und wirbt damit für sein Investment. „Woodstock für Kapitalisten“ wurde das Treffen getauft. Mehrere Stunden stellt sich das „Orakel von Omaha“, wie ihn seine Fans nennen, den Fragen der Aktionäre, die auf neue Anlageweisheiten und Anlagetipps des Altmeisters warten.

          Die erhoffen sie sich auch vom Aktionärsbrief, der am Samstag veröffentlicht wurde. Dort nennt Buffett die Geschäftszahlen, aber schreibt vor allem über seine Investmentphilosophie. Schon immer ist sein Credo: Billig einkaufen, auch in Krisen, wenn sich keiner traut – fast immer mit großem Rabatt auf den aktuellen Kurs. Und dann die Aktien sehr lange halten, wilder Börsenhandel ist nicht seine Sache. Von Internetaktien wie Alphabet (Google) oder Facebook hält er sich fern, weil er sie nicht richtig bewerten kann, wie er sagt.

          Bescheidene Ergebnisse

          Das aktuelle Schreiben zum Geschäftsjahr 2018 zeigt am Samstag ungewöhnlich bescheidene Ergebnisse. Der Gewinn schmolz auf vier Milliarden Dollar. Dafür sorgte vor allem das vierte Quartal, das 25,4 Milliarden Dollar Verlust einbrachte – eine Folge der großen Kursrückgänge an den Börsen. Vor allem Apple und Kraft Heinz machten sich sehr negativ bemerkbar. Der Aktionärsbrief zeigt auch, dass sich Buffetts Depot in den vergangenen Jahren schlechter als der Gesamtmarkt entwickelte. Seit Buffetts Start bei Berkshire 1965 hat er aber im Schnitt 18,7 Prozent im Jahr erzielt, das hat kein Aktienindex geschafft. Zu seiner Nachfolgefrage schreibt Buffett abermals nichts. Sie scheint geregelt, bleibt aber geheim.

          Buffett scheint voller Tatenkraft. Er kündigt einen „Mega-Kauf“ an. „Schon darüber zu schreiben, lässt meinen Puls steigen“, lässt er seine Fans wissen. Er bittet aber um Geduld, weil die Kaufpreise derzeit „himmelhoch“ seien. Buffett erinnert auch an das Jahr 1942, als er im Alter von elf Jahren seine ersten Aktien kaufte, Anteile an einem Energieversorger. „Ich erwarb drei Stücke von Cities Service für 114 Dollar, die ich seit dem 6. Lebensjahr angespart hatte. Ich war Kapitalist und fühlte mich gut.“ Er wirbt für langfristige Aktienanlagen. „Hätte ich meine 114 Dollar in den S & P 500-Index investiert, wären sie heute 606.811 Dollar wert“ – trotz aller Krisen. Angelegt in das Sicherheitsinvestment Gold wäre aus den 114 Dollar gerade einmal 4200 Dollar geworden.

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