https://www.faz.net/-gv6-ac4wp

Scherbaums Börse : Hat der Rohstoff-Superzyklus begonnen?

  • -Aktualisiert am

Rotes Gold: Die Preise für Kupfer sind 2021 auf ein Rekordhoch gestiegen. Hier ein älteres Foto von Recycling-Kupfer auf dem Werksgelände des Unternehmens Aurubis. Bild: dpa

Die hohen Preise vieler Rohstoffe beschäftigen die Investoren; nicht nur aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Inflation. Sie könnte auch den Beginn eines Rohstoff-Superzyklus bedeuten. Was das für Anleger heißt.

          3 Min.

          Spannend war es nicht gerade, in den vergangenen Jahren in Rohstoffe zu investieren. Der Bloomberg Commodity Index spiegelt dies als einer der bekannteren Indizes eindrucksvoll wider: Er bewegte sich seit dem Jahr 2015 in einer engen Spanne. Das Corona-Jahr 2020 könnte aber laut der Facheute des Vermögensverwalters Unigestion ein sogenannter „Game Changer“ gewesen sein, „da Rohstoffe nach einem anfänglichen Absturz einen phänomenalen Anstieg erlebten, der die Aufmerksamkeit der Anleger erregte und für Schlagzeilen sorgte“.

          Noch während des anfänglichen weltweiten Lockdowns waren beispielsweise viele Minen vorübergehend geschlossen. Dann kam es zu den bekannten geld- und fiskalpolitischen Impulsen und mit den Lockerungen erlebte die Weltwirtschaft eine V-förmige Erholung. In deren Windschatten kam es zu einem Anstieg der Nachfrage nach vielen Rohstoffen und auch zu diversen Engpässen. Nach Ansicht von Jeremy Gatto, Rohstoff-Analyst bei Unigestion, dürfte sich daran erst einmal nicht viel ändern. Im vergangenen Jahr haben zwar die Rohstoffmärkte die stärkste Rallye seit den 1970er-Jahren hingelegt, doch die meisten Rohstoffmärkte sind noch deutlich von den Höchstständen des vergangenen Jahrzehnts entfernt.

          Holzpreise steigen um 900 Prozent

          „Abgesehen von der starken Wachstumsdynamik, die wir beobachten, haben viele Länder enorme Infrastrukturausgaben angekündigt, was die Nachfrage nach Rohstoffen, die diese Projekte untermauern, weiter ankurbeln dürfte“, so Gatto und erwähnt hierbei die zwei großen Projekte, den 2,3-Billionen-Dollar-Infrastrukturplan von Amerikas Präsidenten Joe Biden sowie den „NextGenerationEU“-Plan in Höhe von 750 Milliarden Euro der Europäischen Union. „Der Rohstoffsektor ist also nicht mehr nur auf das chinesische Wachstum angewiesen“, sagt Gato.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Privat

          Das Phänomen kann jeder, der in Deutschland gerade ein Haus baut oder im größeren Stil renoviert, live miterleben. Viele Handwerker haben derzeit Probleme an Holz-Baumaterial zu kommen. Dessen Preis ist zuletzt durch die Decke gegangen. Zuletzt verzeichnete Holz laut Unigestion einen Preisanstieg von plus 900 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aus Amerika berichtet zuletzt die National Association of Home Builders (NAHB), dass der Preisanstieg bei Holz bereits zu einer Erhöhung von 36.000 Dollar für das durchschnittliche Einfamilienhaus geführt hat.

          Die Ursachen in Deutschland wiederum sind vielschichtig. So ist die Nachfrage nach Nadelschnittholz im Inland aber auch durch vermehrten Export insgesamt gestiegen, und eine schnelle Entspannung der Preisentwicklung nicht in Sicht.

          Bewertungen sind (noch) nicht überzogen

          Es ist nicht nur der Öko-Rohstoff Holz, der sich massiv verteuert hat. Auch der Kupferpreis hat sich beispielsweise seit den Tiefständen in der Corona-Pandemie bis heute mehr als verdoppelt, seit Jahresanfang 2021 liegt das Plus bei 30 Prozent. Laut Unigestion-Analyst Gatto gehören Rohstoffe zu den wenigen Marktsegmenten, in denen die Bewertungen attraktiv bleiben würden, während „viele wachstumsorientierte Assets wie Industrieländeraktien Anzeichen von Überschwang und überzogenen Bewertungen zeigen“. Viele Rohstoffmärkte (unter anderem für Öl und Kupfer) befänden sich in einer steilen „Backwardation“. Das bedeutet, dass der Terminpreis gegenüber dem aktuellen Preisniveau niedriger ist.

          Auch wenn es kurzfristig zu Preisrückgängen kommen könnte, dürfte der mittel- bis langfristige Trend am Rohstoffmarkt positiv bleiben. Interessant erscheinen in diesem Zusammenhang vor allem zyklische Rohstoffe wie Industriemetalle. Mancher Analyst spricht bereits (wieder) vom neuen Rohstoff-Superzyklus, den Anleger erleben könnten – also eine über mehrere Jahre andauernde Hochphase.

          Grüne Technologien treiben Preise

          Michel Salden, Rohstoff-Fachmann bei der Schweizer Bank Vontobel, sagt dazu: „Die Superzyklus-Geschichte für Rohstoffe hängt davon ab, ob das Angebot die Nachfrage strukturell unterschreitet.“ Salden erwartet, dass dies eben im Energiebereich der Fall ist. Der Energieverbrauch steige schneller als die (neue) Kapazität in erneuerbaren Energien. Die Nachfrage beispielsweise „nach Kupfer und Aluminium beschleunigt sich aufgrund globaler ESG-Projekte“, aber das Angebot sei begrenzt, da das Preisniveau des vergangenen Jahrzehnts nicht genügend Anreize für die Entwicklung neuer Bergbauprojekte geschaffen habe.

          Fakt ist daher wohl, dass der Weg mit den grünen Technologien zur weltweiten Energiewende der größte Preistreiber bei bestimmten Rohstoffen wie Seltenen Erden, Silber oder Lithium und Nickel sein wird. Wer als Unternehmen Windräder, Elektro-Motoren und Batterien sowie Solarmodule in Massen produzieren will, muss sich kommenden Monaten mit steigenden Rohstoffpreisen auseinandersetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dank eines Modellprojektes darf dieser Club im baden-württembergischen Ravensburg öffnen.

          Corona in Deutschland : Mit Feierfreude in die vierte Welle

          Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen. Das liegt an mangelnder Impfbereitschaft. Auch größere Sorglosigkeit der Menschen spielt ein Rolle. Das RKI sieht eine vierte Welle heranrollen.
          Der Schalker Drexler (rechts) setzt Reis zu.

          Zweite Bundesliga : Happy End für den HSV

          Zum Start in die neue Zweitligasaison siegt der HSV vor 20.000 Zuschauern bei Schalke 04 mit 3:1. Dabei sah es für die Hamburger Gäste zu Beginn nicht gut aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.