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Hoffnung in Italien : Endlich stabileres Wirtschaftswachstum?

Ministerpräsident Giuseppe Conte wurde bei der Regionalwahl gestärkt, das könnte auch die Wirtschaft stabilisieren. Bild: dpa

Die Regionalwahlen in Italien haben die Regierung nicht ins Wanken gebracht. Für Anlagestrategen werden Investitionen im Land nun wieder attraktiver.

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          Erleichterung anstelle von Turbulenzen prägt seit Dienstag das Klima in der italienischen Politik und damit auch an den Finanzmärkten. Nun ist vieles anders gekommen, als seit Monaten für die Wahlen in sieben der 20 Regionen am 20. und 21. September vorausgesagt worden war: Die oft geäußerte Prognose lautete, dass die Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte in dieser Woche noch gewaltig wackeln, wenn nicht gar stürzen werde. Doch wider Erwarten konnten sich die Mitte-links orientierten, demokratischen Regionalregierungen in der Toskana und in Apulien behaupten. Der populistische Lega-Führer Matteo Salvini verfehlte seine Ziele, und nun ist der Ministerpräsident, der sich vom Regionalwahlkampf fernhielt, der große Gewinner.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Wird Italiens Politik nun wenigstens für ein paar Jahre ablassen vom Dauerwahlkampf und der dazugehörigen kurzatmigen Taktik der vielen Wahlversprechen? Für Alessandro Fugnoli, einen in Mailand bekannten Anlagestrategen des Finanzhauses Kairos Partners, besteht daran kein Zweifel: „Bis zur Wahl des Staatspräsidenten im Frühjahr 2022, womöglich sogar bis zum regulären Termin der Parlamentswahlen 2023, sind nun keine politischen Turbulenzen mehr zu erwarten. Niemand im Regierungslager hat irgendein Interesse, die aktuelle Machtkonstellation in Frage zu stellen.“

          Und damit eröffnen sich aus der Sicht von Fugnoli vorteilhafte Perspektiven. Italien könne im Vergleich mit anderen Finanzmärkten verlorenes Terrain aufholen. Die Regierung werde nun den Vorgaben der EU für den Einsatz des Aufbaufonds folgen, und es sei zu hoffen, dass dabei Projekte mit großem Multiplikator für Wirtschaftswachstum ausgewählt würden.

          „Das Geplapper endet nie“

          Deutlich weniger optimistisch zeigt sich der liberale Analyst und Kommentator Mario Seminerio: Zwar werde für eine Weile etwas Ruhe herrschen, doch „das Geplapper endet nie“. Italien habe wenig Realitätssinn. Ein Indikator dafür sei der verbreitete Glaube, dass nur mit Haushaltsdefiziten Wirtschaftswachstum entstehe. „Ein Land, dessen Politik von Versprechen geprägt ist, bleibt von Kurzatmigkeit geprägt.“

          Noch grundsätzlicher zeigt sich Alessandro Penati, Wirtschaftsprofessor, Kommentator und Gründer diverser Anlagefonds: „Politische Instabilität ist ohnehin eine Charaktereigenschaft des Landes, und daher war sie nie entscheidend für Investitionen.“ Die Risiken bestünden in ausbleibendem Wirtschaftswachstum, womit die Staatsschulden untragbar würden. Die Märkte interessiere derzeit vor allem die Frage, ob und wann die Europäische Zentralbank ihren Schutzschirm schließe. Penati zeigt sich pessimistisch: Für mehr Wachstum seien kompetente Politiker nötig, mit einer Zukunftsvision und der Kompetenz, diese auch wahr werden zu lassen. Doch in Italien fehle sowohl diese politische Klasse wie auch die Unterstützung durch eine effiziente Bürokratie.

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