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Wochenauftakt : Hoffnung auf Geldspritzen beflügelt die Börsen

  • Aktualisiert am

Steigende Kurse: Der Dax meldet sich zurück Bild: dpa

Nach dem Schock der vergangenen Woche erholen sich die globalen Aktienmärkte. Grund dafür sind jedoch allein Aussichten auf staatliche Konjunkturhilfen – und auf Maßnahmen der Notenbanken.

          An Europas Aktienmärkten tritt die Angst vor einer Rezession wieder in den Hintergrund. „Anleger erwarten eine Flut von Konjunkturhilfen, sowohl geld- als auch haushaltspolitische“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die großen Aktienindizes Dax und EuroStoxx50 legten am Montag jeweils mehr als ein Prozent auf 11.736 beziehungsweise 3372 Punkte zu.

          Bereits am Freitag hatte der Dax nach einer Verlustwoche erste positive Signale gesendet. Unterstützt wurden die Märkte dabei von Äußerungen des finnischen Notenbankers Olli Rehn. Das Mitglied im geldpolitischen Rat der Europäischen Zentralbank hatte Maßnahmen der EZB für September angegündigt.

          Die vor dem Wochenende angedeutete Erholung der Börsen scheint sich am Montag fortzusetzen. Investoren griffen vor allem bei den Werten zu, die zuletzt unter die Räder gekommen waren. So gewannen die Aktienkurse der Deutschen Bank und Commerzbank jeweils etwa drei Prozent.

          Der europäische Banken-Index legte 1,2 Prozent zu. Gefragt waren mehrheitlich auch Rohstoffe. Die Erdöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 59,63 Dollar. Der Preis für eine Tonne Kupfer stieg um ein knappes Prozent auf 5797,50 Dollar. Die „Antikrisen-Währung“ Gold verbilligte sich dagegen um ein Prozent auf 1498,76 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die ebenfalls als sicher geltenden Bundesanleihen flogen auch aus den Depots. Daher entspannte sich die Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen leicht und stieg von minus 0,71 Prozent am Freitag auf minus 0,65 Prozent.

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          Hoffnung schöpften Investoren unter anderem aus der Äußerung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, die Regierung könne bei einer wirtschaftlichen Krise kraftvoll dagegenhalten. „Über fiskalpolitische Stimuli zu reden ist das eine, es zu tun aber etwas ganz anderes“, gab Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets zu bedenken.

          Auch an der amerikanischen Börse stehen die Ampeln zum Wochenauftakt auf Grün. Rund eine Stunde vor dem Handelsstart taxierte der Broker IG den Leitindex Dow Jones Industrial am Montag um 1,1 Prozent höher auf 26.172 Punkte. Der Dow hatte am Freitag die 200-Tage-Durchschnittslinie wieder übersprungen, sie gilt als Indikator für den längerfristigen Trend.

          Zum Abschluss der vergangenen Woche hatte sich die zwischenzeitliche Panik, die an den amerikanischen Börsen geherrscht hatte, wieder gelegt. Konjunktursorgen hatten zuvor Anleger fluchtartig aus Aktien abwandern lassen und zu Zinsverwerfungen an den Anleihemärkten geführt. Zuletzt hatten jedoch vage Entspannungssignale im Zollstreit mit China ausgereicht, um die Investoren wieder zurück an die Börsen zu locken. Amerikas Präsident Donald Trump sprach am Wochenende von einem guten Vorankommen mit China, betonte aber nochmals, dass er es mit einem Deal nicht eilig habe.

          Gleichzeitig richten sich die Augen in der neuen Handelswoche auf die Notenbanker, deren jährliches Treffen am Donnerstag in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming beginnt. Angesichts der jüngsten Befürchtungen vor einem globalen Konjunkturabschwung hoffen die Anleger auf eine lockere Hand der Währungshüter in deren weiterer Geldpolitik. So hatte bereits zu Wochenbeginn an den Börsen Asiens die Nachricht gestützt, dass Peking seine Zinspolitik reformiert, was Experten faktisch als Lockerung werteten.

          Auch in China sorgen geldpolitische Weichenstellungen für Entspannung. Die Notenbank kündigte eine Reform der Berechnung des Referenz-Kreditzinses an. Experten gehen davon aus, dass der Satz künftig niedriger liegen wird als derzeit. Die Aussichten für die chinesische Wirtschaft verbesserten sich dadurch, sagten Analysten.

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