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Hintergrund : Börsenmäntel - Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Dem Thema Börsenmäntel haftet bis heute etwas Geheimnisvolles an. Das hat nicht zuletzt mit dem den meisten Anlegern fehlendem Fachwissen zu tun. Wer seine Kenntnisse auffrischen will, klickt diesen Artikel an.

          6 Min.

          Das Geschäft mit Börsenmänteln ist für viele Anleger ein Buch mit sieben Siegeln. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte die Antworten auf die folgenden Fragen kennen.

          Was ist ein Börsenmantel?

          Unter dem Begriff „Börsenmantel“ wird in engerem Sinne eine Aktiengesellschaft verstanden, die ihr operatives Geschäft weitgehend eingestellt hat, aber deren Börsennotiz weiterhin besteht. In der Praxis handelt es sich meist um ehemals traditionsreiche Unternehmen, die einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt haben. So rekrutiert sich der gegenwärtige Bestand von etwa 50 potentiellen Börsenmänteln aus strukturschwachen Branchen wie Eisenbahngesellschaften, Brauereien, Bergbauunternehmen oder Maschinenbauern.

          Hinzu kommen Unternehmen, die in den späten Neunzigern auf dem Hoch der New Economy an die Börse gebracht wurden. Ein Teil dieser Unternehmen ging infolge eines nicht tragfähigen Geschäftsmodells entweder in die Insolvenz oder veräußerten bzw. schlossen die Verlustbringer und “überlebten“ mit den verbliebenen Aktiva, aber ohne nennenswertes operatives Geschäft.

          In jedem Fall sind operative Umsatzerlöse ausgefallen, aber nach einer Zug um Zug erfolgten Veräußerung der relativ leicht liquidierbaren Vermögensgegenstände noch ein Restbestandanteil schwer verwertbaren Grundvermögens oder andere Aktiva übrig, die nicht oder nur unter Realisierung erheblicher Abschreibungen veräußerbar sind. Die Börsennotiz des Mantelwertes stellt deshalb für potentielle Käufer in der Regel den entscheidenden Wert dar. Wird der Börsenmantel erworben, kann der neue Besitzer den Geschäftszweck ändern und eigenes Geschäft in die Gesellschaft neu einbringen.

          Wozu brauche ich einen Börsenmantel?

          Durch die seit Januar 2004 in Kraft getretenen verschärften Eigenkapitalrichtlinien für Banken (Basel II) ist die Kreditvergabe durch Banken restriktiver geworden und wird dies künftig weiter werden. Als alternative Finanzierungsform für das Unternehmenswachstum sind Börsengänge und später folgende Kapitalmaßnahmen in den vergangenen Jahren auch in Deutschland populärer geworden.

          Bedingt und eingeleitet durch den Crash der New Economy und den bis Anfang 2003 andauernden massiven Rückgang des Dax und aller weiteren deutschen Indizes, waren Börsengänge bis vor kurzem schwer möglich. In Zeiten, in denen es praktisch keine Neuemissionen gibt (zehn Börsengänge zwischen Juni 2001 und Ende 2002, kein Börsengang im Jahr 2003), bot sich für Mittelständler der Erwerb und die Neuausrichtung eines Börsenmantels als Alternative an. Seit die Börsen weltweit und insbesondere der deutsche Aktienmarkt wieder Mut gefaßt haben, arbeiten die Investmentbanken mit Hochdruck an der Vorbereitung einer Fülle von Börsengängen für dieses Jahr.

          Der Weg der Neuemission steht - nicht zuletzt bedingt durch den starken Personalabbau der Investmentbanken - aber zur Zeit nur größeren, lukrativen Unternehmen zur Verfügung. Für Mittelständler bietet sich die Möglichkeit des Erwerbs eines Börsenmantels.

          Der Erwerber kann nicht nur Anteilsverkäufe und Anteilsumverteilung einfacher regeln, er erhält auch Zugang zu Investoren, die bereit sind, Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Dies erfolgt über Kapitalerhöhungen, die Aktionären zum Bezug angeboten werden. Darüber hinaus haben Börsennotierungen häufig zu einer deutlichen Höherbewertung des Unternehmens und damit einer Steigerung des Unternehmenswertes geführt.

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