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Hilfe für Anleger : Sind Sie an der Börse Rockstar oder Diplomat?

Immer auf der Suche nach dem besten Kurs für seine Kunden: Händler der Baader Bank an der Frankfurter Wertpapierbörse Bild: dpa

Das Fintech Fincraft versucht Anleger von der Börse zu begeistern und sie fit dafür zu machen. Die renommierte Baader Bank ist nun Kooperationspartner.

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          Das Bad Homburger Fintech Fincraft setzt auf die Ausbildung der Menschen zu mündigen Anlegern. Dazu hat es in seiner App und auf seiner Internet-Seite zahlreiche Hilfestellungen und Erklärvideos. Zunächst kann jeder ermitteln, welcher Anlegertyp er ist. Dazu werden Anlageziele, Zeithorizont, Risikobereitschaft, Vorkenntnisse und das Zeitbudget für die Geldanlage abgefragt.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Selbsttest ergab den Anlagetyp „Vermittler“, der einen langfristigen Vermögensaufbau anstrebt, schon gewisse Vorkenntnisse hat, einigermaßen risikobereit ist, sich gerne mit Märkten beschäftigt und aufgeschlossen ist gegenüber der Direktanlage in Aktien und in ETF. Möglich gewesen wären aber auch die Einstufung als „Macher“, als „Verteidiger“, als „Diplomat“, als „Sinnstifter“ oder als „Rockstar“. Doch die Beschreibung des Vermittlers passt ganz gut. Auf dieser Basis schlägt Fincraft dann ein Depot vor. Im Testbeispiel besteht es aus acht Einzelaktien, drei Aktien-ETF und zwei Anleihe-ETFs. Die Aktien muten etwas exotisch an. Taiyo Yuden, Pultegroup und Orkla müssen erst einmal gegoogelt werden. Aus Deutschland sind Elmos und Einhell dabei, also auch eher Small Caps. Für die Anleihen werden Hochzinsanleihen aus Schwellenländern vorgeschlagen.

          Wem die vorgeschlagene Auswahl suspekt ist, der kann auch selbst Aktien und Fonds bestimmen. Das Angebot gibt es seit Jahresbeginn. Neu ist eine Kooperation mit der Baader Bank, die bis Jahresende möglich macht, das vorgeschlagene oder selbst ausgewählte Depot mit einem Klick real umzusetzen.

          49 Prozent Plus in drei Jahren

          Bisher liegt der Fokus darauf, das zusammengestellte Depot zu beobachten. Eine Rückschau ergibt, dass der erstellte Vorschlag binnen drei Jahren 49 Prozent Rendite erbracht hätte (deutlich mehr als der Dax mit 16 Prozent), im März 2020 zum Corona-Beginn lag das Depot aber auch mal 17 Prozent im Minus, zu Jahresbeginn sogar 80 Prozent im Plus.

          Das Auf und Ab der Börsen, wie man sein Risiko steuern kann, wie Aktien bewertet und ausgewählt werden können, dazu gibt es zahlreiche Videos im Angebot von Fincraft. „Wir richten uns an die Anleger, die noch keine Profis sind, aber Interesse an Geldanlage und Börse haben“, sagt Andreas Bittner, Aufsichtsrat der Fincraft AG mit langjähriger Erfahrung in Banken, Fondsgesellschaften und Digitalunternehmen. „Wir sehen uns zwischen Anbietern wie Flatex und Trade Republic, wo vor allem in Einzelaktien gezockt wird und der klassischen Filialbank, in der Anlegern nur hauseigene, teure Fonds verkauft werden.“

          Bittner betont die Unabhängigkeit von Fincraft bei der Produktauswahl. Geplant ist ein Abo-Modell, das neben einer kostenfreien Basis-Version Erweiterungen in Form einer „Extended“- oder „Advanced“-Version bietet, die 3,99 Euro beziehungsweise 8,99 Euro im Monat kosten sollen. Und sobald der Handel über die Baader Bank freigeschaltet ist, können die bisherigen virtuellen Portfolios zu günstigen Konditionen in reale Depots überführt werden.

          Abstinenzler zu Börsenfans machen

          Den 57 Jahre alten Fintech-Veteran umtreibt die weitgehende Börsenabstinenz der Deutschen. „Nur 17 Prozent sind über Fonds und Aktien am Kapitalmarkt engagiert, um die 17 Prozent werben wir, aber wollen auch die anderen 83 Prozent, die teilweise enttäuscht wurden vom Neuen Markt, von offenen Immobilienfonds oder im Krypto-Hype Geld verloren haben, der Börse und ihren Mechanismen näherbringen“, sagt Bittner. „Letztlich ist jeder mit seiner Geldanlage alleine, weil das Vertrauen in die Bank erschüttert ist und Freundschaften und Familie mit dem Thema nicht belastet werden sollen. Daher versuchen wir den Anleger an die Hand zu nehmen und dort abzuholen, wo er steht.“

          Das Testdepot ist mittlerweile gegen den Markttrend leicht im Plus. Und das Interesse an Werten wie der norwegischen Orkla wurde geweckt. Zum Handeln gezwungen wird hier niemand. Fincraft kann somit auch als Ideengeber genutzt werden.

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