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Luxusaktien verlieren deutlich : Herbststimmung an der Pariser Börse

An der Pariser Börse ist die Stimmung gedämpft. Bild: AFP

Knappe Rohstoffe, teure Energie: Auch am französischen Aktienmarkt nehmen die Sorgen zu. Doch begründet sind sie nicht immer.

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          Von „beispiellosen Gewinnen“ war im August die Rede mit Blick auf die starken Halbjahreszahlen vieler französischer Großkonzerne. Das führe vor Augen, wie sehr die Wirtschaft nach den schweren Verlusten in der Corona-Krise wieder durchstarte. Mittlerweile aber ist die sommerliche Euphorie verflogen. Wie in Deutschland sind in den vergangenen Wochen auch am Pariser Aktienmarkt die Sorgenfalten tiefer geworden. Von einem Aufwärtstrend mag momentan niemand mehr so recht sprechen.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Von den Mitte August erreichten knapp 6900 Punkten hat sich der Leitindex CAC 40 wieder entfernt. Seither verzeichnet er eine Seitwärtsbewegung, Tendenz eher absteigend. Die Woche startete der CAC 40 mit rund 6550 Punkten. Dass Frankreichs Leitindex dieses Jahr wie der Dax noch auf ein Allzeithoch steigt, gilt anders als noch im Sommer als unwahrscheinlich – wenngleich zu bedenken ist, dass es sich beim CAC 40 um einen reinen Kursindex handelt. Anders als beim Performanceindex Dax fließen Dividendenausschüttungen also nicht ein. Das mag ihn auf den ersten Blick schwächer erscheinen lassen, als er ist.

          Missvergnügen bereiten den Anlegern wie überall knappe Vorprodukte und die gestiegene Inflation. Letztere lag in Frankreich im September nach der nationalen Berechnungsmethode 2,1 Prozent höher als im Vorjahr – merklich weniger als in Deutschland, aber dennoch merklich mehr, als man in den letzten Jahren gewohnt war. Von einer schnellen Erholung „unter Anspannung“ sprach Frankreichs Statistikamt Insee vergangene Woche. So betrage die Teuerung der Produktionskosten für die Industrie und den Agrarsektor binnen Jahresfrist sogar 10 Prozent.

          Die Herausforderung für Investoren werde darin bestehen, die Auswirkungen steigender Kosten auf die Bilanzen und vor allem die Prognosen börsennotierter Unternehmen zu messen, sagt Christopher Dembik von der Saxo Bank – und mahnt: „Es wird unangenehme Überraschungen geben.“

          Von einem Abwärtssog kann keine Rede sein

          Zu den jüngsten Verlierern an der Pariser Börse gehören Luxustitel. Der Aktienkurs von Hermès sank seit Mitte August um knapp 10 Prozent. Im Fall von LVMH, berühmt für Marken wie Louis Vuitton und Christian Dior, beträgt das Minus 12 Prozent, im Fall des Modekonzerns Kering sogar 20 Prozent – einsame Spitze im CAC 40. Als ein Grund gilt, dass die Rückkehr kauffreudiger Touristen aus China wohl doch noch eine ganze Weile auf sich warten lässt. Darunter leiden die Pariser Mode- und Kaufhäuser.

          Beispielhaft für die Stagnation im Luxussektor legte LVMH am Dienstag Zahlen für das dritte Quartal 2021 vor. Diese signalisierten zwar Wachstum, es bewegte sich aber auf ähnlichem Niveau wie in der ersten Jahreshälfte.

          CAC 40

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          Doch in vielen anderen Branchen in der französischen Wirtschaft läuft es besser. Von einem Abwärtssog kann deshalb keine Rede sein. Die Impfkampagne läuft erfolgreich, ein abermaliger Lockdown bahnt sich nicht an. War die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 8 Prozent eingebrochen, hat Insee seine Pro­gnose für dieses Jahr zuletzt sogar noch weiter nach oben korrigiert auf 6,25 Prozent. Das wäre mehr als doppelt so viel, wie in Deutschland zu erwarten ist.

          Zugute kommt Frankreichs Wirtschaft, dass sie in deutlich geringerem Maße an der kriselnden Industrie und dem schleppenden Außenhandel hängt. Das Vor-Corona-Niveau könnte sie Insee zufolge schon zum Jahresende erreichen. Das beflügelt auch den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote tendiert in Richtung 7,6 Prozent zum Jahresende. Das wäre der niedrigste Stand seit der Finanzkrise. Auch der private Konsum entwickelt sich gut nach dem Schreckensjahr 2020.

          An der Börse gehören unverändert Bankaktien zu den Gewinnern. Die Titel von BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole legten seit Mitte August zu. Auch der Energieversorger TotalEnergies steht gut da. Sein Aktienkurs setzte gleichzeitig mit den galoppierenden Strom- und Gaspreisen zu einem regelrechten Höhenflug an.

          Dass allerdings nicht immer fundamentale, langfristige Einschätzungen hinter den jüngsten Kursbewegungen stehen, zeigt das Beispiel Alstom. Im letzten Halbjahr ging der Aktienkurs des Zugherstellers um 30 Prozent in die Knie. Anlegern hat nicht gefallen, dass die Übernahme des kanadischen Konkurrenten Bombardier wohl doch etwas teurer und komplizierter wird als gedacht. Gleichwohl gehen Analysten fest davon aus, dass die Integration von Bombardier gelingen und der TGV-Produzent in den kommenden Jahren wachsen wird. Schließlich profitiert Alstom wie kaum ein anderes Unternehmen von der Förderung von Bus, Bahn und Wasserstoff.

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