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Heraeus-Prognose : Goldpreis könnte 2020 bis auf 1700 Dollar steigen

Heraeus-Goldbarren, gestapelt. Bild: dpa

Der Goldhändler Heraeus berichtet von einem „Ansturm“ aufs Gold Ende 2019. Der hatte seine Gründe nicht nur in den Negativzinsen vieler Banken. Wie wird es dieses Jahr weitergehen?

          3 Min.

          Das vergangene Jahr ist mit einem regelrechten Ansturm auf Goldmünzen und Goldbarren zu Ende gegangen. Goldläden verzeichneten lange Schlangen. Auch das Unternehmen Heraeus aus Hanau, nach eigenen Angaben der größte Edelmetallhändler der Welt, profitierte von dieser ungewöhnlich erhöhten Nachfrage im vierten Quartal 2019.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hans-Günter Ritter, Leiter des Heraeus-Edelmetallhandels, macht unter anderem eine Gesetzesänderung für dieses „Dezember-Fieber“ verantwortlich: Mit dem Jahreswechsel sei in Deutschland eine neue Regelung in Kraft getreten, derzufolge Gold nur noch bis 2000 Euro anonym gegen Bargeld gekauft werden darf. Bislang lag die Grenze bei 10000 Euro. Viele Privatanleger hätten offenbar vor dem Start der neuen Grenze noch schnell Gold gekauft, sagte Ritter. Dabei müsse es sich nicht unbedingt um Schwarzgeld handeln – vielen Anlegern sei generell die Anonymität wichtig.

          Gold ohne Negativzins

          Entsprechend sei die Nachfrage nach Anlagegold in Deutschland im neuen Jahr bislang gegenüber dem Dezember zurückhaltender. Ritter meint trotzdem, das Interesse an Gold in Deutschland werde so schnell nicht verschwinden; allein schon wegen der Negativzinsen, die immer mehr Banken jetzt von Kunden mit großen Einlagen verlangen. Es gebe Leute, die ihr Geld jetzt lieber in Gold steckten, als es bei der Bank zu deponieren, und daheim im Tresor aufbewahrten „oder unter dem Kopfkissen“.

          Nachdem früher oft argumentiert wurde, Gold werfe keine Rendite ab und sei deshalb keine gute Anlage, könnte man in Zeiten von Negativzinsen umgekehrt sagen, dass Gold dann auch einer solchen negativen Rendite nicht unterworfen sei, sagte Ritter – allerdings schwanke der Preis natürlich laufend.

          Heraeus hält in seiner Edelmetallprognose für 2020 einen Goldpreis innerhalb einer Spanne von 1400 bis 1700 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) für möglich. Insbesondere, wenn es zu stärkeren politischen Verwerfungen rund um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump kommen sollte, hält Ritter einen Goldpreis im oberen Bereich dieser Spanne für möglich. Die Notenbanken könnten zudem auf zweifache Weise den Goldpreis stützen: So könnte die amerikanische Notenbank Fed unter Umständen die Leitzinsen weiter senken – und Notenbanken in Schwellenländern könnten weiter physisches Gold kaufen, um ihre Reserven zu diversifizieren.

          Sinkende Kapitalmarktzinsen in Amerika und eine Abschwächung des Wechselkurses des Dollars gegenüber anderen Währungen könnten den Goldpreis stützen, meint Ritter. Bremsen könnte dagegen der hohe Preis die Nachfrage nach Goldschmuck etwa in Indien und China. Die Verunsicherung durch das Coronavirus hatte den Goldpreis zunächst steigen lassen – in China könnte die Krankheit aber auch zu weniger Goldschmuck-Käufen führen.

          Wann wird das Allzeithoch beim Goldpreis erreicht?

          In Euro gerechnet hatte Gold unlängst schon sein Allzeithoch erreicht – in Dollar hingegen werde das so schnell nicht passieren, meint Ritter. Der historische Höchststand des Goldpreises von mehr als 1900 Dollar war im Jahr 2011 erreicht worden. Damals seien die Risiken für die Weltwirtschaft aber doch noch deutlich höher gewesen als heute, meint Ritter, und erinnert nur an die Sorgen um die Banken und Griechenland.

          Silber stehe weiter im Schatten von Gold, meint Heraeus, und prognostiziert für dieses Jahr eine Preisspanne zwischen 16,25 und 21 Dollar je Unze. Zu Berichten der „Wirtschaftswoche“ über einen Margenverfall und eine zunehmende Konzentration im Retailhandel mit Gold in Deutschland hieß es bei Heraeus, das Unternehmen betreibe selbst kein Retail-Filialnetz. Gleichwohl sei im gesamten Goldhandel die Marge von der Mine bis zum Endabnehmer in der Tat relativ niedrig – die Preise seien vergleichsweise transparent und der Markt recht wettbewerbsintensiv.

          Eine interessante Verschiebung gab es offenbar bei Platin, Palladium und Rhodium. Diese Edelmetalle, die allesamt für Auto-Katalysatoren eingesetzt werden, haben zuletzt eine höchst unterschiedliche Preisentwicklung genommen. Zumindest ein Grund dafür scheinen Folgen des Dieselskandals zu sein. Bei Platin, das vor allem bei Dieselfahrzeugen eingesetzt wird, sei der Markt von einem Angebotüberschuss geprägt, sagte André Christl, Präsident der Heraeus-Edelmetallsparte HPM. Für Palladium dagegen, das in Autos mit Ottomotor eingesetzt wird, gebe es eine starke Nachfrage. Die Zahl der Fahrzeuge könnte in Zukunft zwar sinken, aber es werde mehr Palladium je Fahrzeug eingesetzt.

          Das dritte Metall, Rhodium, werde fast ausschließlich in Auto-Katalysatoren eingesetzt, vor allem in Benzinern. Und es sei, anders als die beiden anderen, nicht durch die jeweils anderen zu ersetzen und deshalb besonders gefragt. Allein im Januar sei der Preis von 6000 auf knapp 10000 Dollar je Unze gestiegen, auf Jahresfrist habe sich der Preis ungefähr vervierfacht. Das Ausmaß des Preisanstiegs sei übertrieben, für hohe Preise sprechen aber auch fundamentale Gründe. Für Platin rechnet Heraeus 2020 mit einem Preis zwischen 800 und 1050 Dollar je Unze, für Palladium mit 1800 bis 2800 Dollar und für Rhodium mit 5000 bis 12000 Dollar.

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