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Henkel-Chef Rorsted : „Persil und Shampoo sind ziemlich krisensicher“

  • Aktualisiert am

15 Milliarden Euro nimmt Henkel mit seinen 500 Marken im Jahr ein Bild: AP

Henkel-Chef Kasper Rorsted eifert dem FC Bayern München nach: Es zählt nur der Sieg. Der Konzern will gewinnen, die Aktionäre auch.

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          Herr Rorsted, was würden Sie machen, wenn Sie 25 Millionen im Lotto gewinnen?

          Das würde mein Leben nicht groß ändern: Ich wäre weiter der Chef von Henkel. Langweilige Antwort, aber wahr.

          Sie ahnen, warum wir fragen: So testen Sie angeblich Manager im Vorstellungsgespräch.

          Richtig. Ich möchte erfahren, welche Interessen Menschen haben, wenn sie völlig frei sind - die Antwort darauf ist fast immer anders, als ich erwarten würde.

          Was wäre die optimale Antwort? Ich kaufe für das Geld Henkel-Aktien und arbeite ansonsten weiter wie besessen.

          Henkel-Aktien sind jedenfalls eine gute Idee. Das ist nie verkehrt.

          Der gebürtige Däne Kasper Rorstedt ist seit 2005 im Henkel-Vorstand vertreten und rückte 2008 an die Spitze
          Der gebürtige Däne Kasper Rorstedt ist seit 2005 im Henkel-Vorstand vertreten und rückte 2008 an die Spitze : Bild: Nedden, Kai

          Das empfehlen Sie guten Gewissens in diesen nervösen Zeiten?

          Ja, Sie können Ihr Geld ruhig bei uns anlegen: Henkel ist 135 Jahre alt. Und wir arbeiten hart dafür, dass die Firma auch nach 270 Jahren noch erfolgreich ist. Natürlich kann ich nicht garantieren, was morgen passiert, wir streben aber an, stets eine bessere Rendite zu erwirtschaften als der Dax.

          Gelingt dies immer?

          Langfristig schon, seit dem Börsengang 1985 haben wir uns im Schnitt pro Jahr über drei Prozentpunkte besser als der Dax entwickelt. Auch in diesem schwierigen Jahr läuft es sehr gut: Wir haben eben erst die Prognose für 2011 erhöht, trotz der Unsicherheiten in den Märkten. Und dazu stehen wir, ebenso wie zu den Finanzzielen für 2012.

          Sind Sie sicher, dass die Turbulenzen im Finanzsektor nicht auf Ihre Industrie übergreifen?

          Natürlich sind wir nicht frei von äußeren Einflüssen und müssen uns ständig an sich ändernde Rahmenbedingungen anpassen. Aber wir haben uns 2008 klare Ziele für 2012 gesetzt und auch in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise beständig daran gearbeitet, diese zu erreichen. Für 2011 hatten wir mit einem ruhigen Jahr gerechnet, und was kam? Explodierende Rohstoffpreise, politische Unruhen, Fukushima, Griechenland, Amerikas Rating-Abstufung, Euro-Rettungsschirme, die Überschwemmungen in Thailand: Volatilität wird zur Normalität, damit müssen wir umgehen.

          In der Krise 2008 gehörten Sie zu denen, die gesagt haben: Übertreibt nicht mit der Schwarzmalerei. Wie ernst ist die Lage jetzt?

          Sehr ernst. Die Gefahr für eine Rezession ist akut, leider hat es sich zugespitzt im Laufe des Jahres, weil die Probleme in Griechenland noch nicht gelöst sind und die Unsicherheit weiter zunimmt. Die Entscheidungsfreude, die wir 2008 bei der Politik gesehen haben, fehlt bisher. Umgekehrt ist die Lage der Großunternehmen heute komplett anders als 2008.

          Kommt nun der Lieblingsspruch aller Manager. Wir haben die Hausaufgaben gemacht. Als wären sie deswegen unverwundbar.

          Ich gebe Ihnen recht: Das stimmt so nicht. Wenn jemand einmal die Hausaufgaben gemacht hat, ist längst nicht alles gelöst. Hausaufgaben muss man jeden Tag machen. Deswegen haben wir im dritten Quartal die Sparanstrengungen erhöht, damit wir gewappnet sind für das, was 2012 kommen mag. Was wir jetzt sehen, hat aber mit dem Herbst 2008 nichts zu tun. Damals ist die Wirtschaft regelrecht über Nacht abgestürzt. Jetzt reden wir noch immer von Wachstum, wenn auch abgeschwächt.

          Zu Ihrem Glück muss viel passieren, ehe die Leute auf Shampoo, Seife, Waschmittel verzichten.

          Unsere Produkte sind ziemlich krisenresistent, richtig.

          Ihnen gelingt es sogar, höhere Preise durchzusetzen.

          Unsere Kosten für die Rohstoffe sind 2011 zwischen 500 und 600 Millionen gestiegen, das ist nicht abzufedern, ohne die Preise anzuheben.

          Die schlechte Nachricht für den Verbraucher lautet: Persil wird teurer, Schwarzkopf-Shampoo auch.

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